Montag, 05. August 2019

Franzose überquert Ärmelkanal mit „Flyboard“

Der 1. Versuch scheiterte, der 2. gelingt. Der waghalsige französische Erfinder Franky Zapata hat mit seinem Flugbrett den Ärmelkanal überquert. Neue Träume hat der 40-Jährige auch schon.

Franky Zapata hatte schon am französischen Nationalfeiertag für Aufsehen gesorgt.
Franky Zapata hatte schon am französischen Nationalfeiertag für Aufsehen gesorgt. - Foto: © APA/AFP

Jubel nach dem 2. Anlauf: Frankreichs „Raketenmann“ Franky Zapata hat mit seinem Flugbrett den Ärmelkanal überquert. Er landete am Sonntag nach 22 Minuten in der Nähe von Dover, nachdem er zuvor in Sangatte an der französischen Küste aufgebrochen war. Auf der Hälfte der Strecke legte er einen Zwischenstopp zum Tanken ein.

Der 40-Jährige aus Marseille war Ende Juli während eines ersten Versuchs beim Auftanken ins Meer gestürzt – und dabei mit einer kleinen Kratzwunde davongekommen.

Zapata streckte nach der Landung euphorisch die geballte Faust in die Höhe und umarmte einen Teamkollegen. „Es ist gut gelaufen. Ich bin zufrieden“, sagte der Pilot dem französischen Nachrichtensender BFMTV. „Ich hatte keine Angst, war aber etwas gestresst.“ Wenn man Angst habe beim Aufsetzen des Helms, solle man besser nicht starten.

„Bester Papa“

Nach Frankreich zurückgekehrt dankte der Pilot seinem Team und brach emotionsgeladen in Tränen aus. Er habe sich gefragt, ob er nicht zu weit gehe. Mit Verweis auf seinen kleinen Sohn fügte er hinzu: „Ich habe das Recht, meine Träume zu verwirklichen, (aber) ich habe nicht das Recht, seine zu zerstören.“ Mit der Sicherheit spiele man nicht, sie habe Vorrang.

Er habe Schmerzen verspürt, auf den letzten Kilometern dann aber ein riesiges Freudengefühl, hatte er französischen Medien schon unmittelbar nach der Landung berichtet. „Es war wahnsinnig zu sehen, wie sich die Küste näherte“, erzählte er. „Seine eigene Maschine zu bauen und den Ärmelkanal zu überqueren – das ist wirklich ein Kindertraum“, resümierte Zapata im Radiosender Franceinfo.

Er sei nun müde und brauche Urlaub, fügte Zapata hinzu. Nach dem gescheiterten Versuch hatte er sein Fluggerät komplett repariert. Der Held der Lüfte brach laut Medien bereits in Tränen aus, als ihm sein Sohn am Telefon sagte, er sei der beste Papa der Welt.

Hunderte Schaulustige

Sangatte liegt in der Nähe der nordfranzösischen Hafenstadt Calais. Zapata hob dort um 08.16 Uhr mit ohrenbetäubenden Lärm ab, Hunderte sahen ihm dabei zu. Von Sangatte bis zum britischen Küstenort St. Margaret's Bay sind es rund 35 Kilometer.

Der professionelle Jetski-Pilot flog mit einer Geschwindigkeit von bis zu 170 Kilometern pro Stunde auf einer Höhe von 15 bis 20 Metern über dem Meer. Das „Flyboard“, auf dem er steht, hat 5 Triebwerke. Sie werden – wie bei Flugzeugen – mit Kerosin betrieben.

Verteidigungsministerin Florence Parly gratulierte via Twitter zu dem Erfolg: „Stolz auf die Unterstützung, die unsere Streitkräfte der Innovation zukommen lassen.“ Laut Nachrichtenagentur AFP hatte Zapatas Firma Z-AIR eine Subvention von 1,3 Millionen Euro vom Verteidigungsministerium erhalten.

Mit seinem Flug über den Ärmelkanal wollte Zapata seinem Idol Louis Blériot nacheifern. Dieser hatte vor 110 Jahren als erster Mensch den Ärmelkanal in einem Flugzeug überquert.

Er wolle sich nicht mit dem Flugpionier vergleichen, sagte Zapata dem Sender BFMTV: „Er hat alles ausgelöst“, meinte er mit Blick auf die Bedeutung Blériots für die Fliegerei. Zapata hat nach eigenen Angaben sein „Flyboard“ erfunden.

Neues Vorhaben

Einen neuen Traum hat der Extremsportler auch schon: „Ich will auf 2000 Metern und über den Wolken fliegen. Das ist die nächste Etappe“, sagte er AFP. Franceinfo vertraute der Abenteurer an, er arbeite schon seit längerem an dem Projekt eines „fliegenden Autos“.

Der Franzose hatte bereits als stehender „Raketenmann“ bei den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli in Paris viel Aufsehen erregt. Er hob mit Gewehr und großem Getöse unweit der Ehrentribüne ab, wo Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel saßen. Macron veröffentlichte damals via Twitter ein Video von Zapatas Flug mit dem Kommentar „Stolz auf unsere moderne und innovative Armee“.

Die Überquerung des Kanals mit dem selbstgebauten Flugbrett ist laut französischen Medien ohne Vorbild. Zapata hält seit 2016 bei „Guinness World Records“ den Titel für den weitesten Flug mit einem Flugbrett – damals waren es in Südfrankreich 2,25 Kilometer.

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen gratulierte dem Piloten. Seine Ausdauer, auch gegenüber den französischen Behörden, habe sich ausgezahlt, teilte sie via Twitter mit. Die französische Seepräfektur hatte sich aufgrund von Sicherheitsbedenken zuerst gegen den ersten Startversuch vor rund eineinhalb Wochen ausgesprochen, dann aber eingelenkt.

Der Ärmelkanal fasziniert seit langem Abenteurer, Technikpioniere und angstfreie Sportler. So surfte der britische Milliardär Richard Branson vor sieben Jahren mit einem Kiteboard von britischen Insel aus nach Frankreich.

dpa

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen

stol