„Du kannst doch nicht mal einen Hasen richtig anfassen.“ – Solche und ähnliche abwertende Kommentare kennt Carolin Innerhofer zu gut. Es seien fast ausschließlich Männer, die sie als Metzgerin nicht ernst nehmen würden. Selbst manch gestandener Metzger kann sich nur schwer vorstellen, wie so eine zierliche Frau ein Rind zerlegt und entbeint. „Ich weiß aber mittlerweile, dass ich gut bin“, sagt sie. <h3> Dicke Frau, blutverschmierte Schürze</h3>Was die 26-Jährige auch weiß: Der Ruf der Metzger scheint nicht der beste zu sein. Das Klischee vom dicken Mann oder der dicken Frau mit der blutverschmierten Schürze hält sich hartnäckig. Carolin ist jedenfalls weder blutverschmiert noch dick. Mit ihrem zarten Wesen und dem weißen Kittel könnte sie auch Lebensmittelchemikerin sein. Aber ihr Händedruck ist kräftig. Kraft braucht man im Metzgerberuf – genauso wie Feingefühl und Geschicklichkeit, wie zum Beispiel beim<h3> Schinkenbinden und Würstemachen</h3>Eigenschaften wie diese unterschieden die junge Frau aus Mühlen in Taufers schon bei ihrer Metzgerausbildung in der Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe Emma Hellenstainer von den anderen Lehrlingen. Innerhofer war in den vergangenen zwölf Jahren nicht nur die einzige weibliche Metzgerin, die den Abschluss gemacht hat, sie war auch die Beste ihres Jahrganges. „Wobei sich die Jungs sicher waren, dass ich als einzige weibliche Auszubildende von den Lehrkräften bevorzugt worden bin.“ Sie selbst sieht das gar nicht so: „Man muss schon was im Kopf haben, sonst bekommt man salzige Würste. (lacht) Letztendlich packte mich der Ehrgeiz, und ich wollte in dem, was ich liebe, einfach immer besser werden.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="892826_image" /></div> <BR /><BR />Doch was genau ist es, das die junge Frau am Metzgern so liebt? „Nun, ich bin ja nicht „nur„ Metzgerin, sondern auch Qualitätsprüferin, Produktentwicklerin und Geschmacksexpertin. Überhaupt wird der Bereich Lebensmittelkenntnis für unsere Gesellschaft, in der Massenproduktion zum Alltag gehört, immer wichtiger“, sagt sie. <h3> „Ein Metzger wird “den Teufel tun„, ein Tier zu plagen“</h3>Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterliege besonders in westlichen Industriestaaten das Fleisch der Massenproduktion. Verantwortlich hierfür seien der wachsende Wohlstand in diesen Nationen, aber auch die durch Massentierhaltung ermöglichten niedrigen Fleischpreise. So akzeptieren Verbraucher heutzutage mit dem Konsum von tierischen Produkten zwangsläufig, dass Tiere reine Produktionsgüter sind, so die FAO. Auch Jungmetzgerin Carolin Innerhofer beobachtet schon lange die besorgniserregende Lage: „Das Hauptproblem ist tatsächlich, dass die Leute zu viel Fleisch essen und sich immer öfter billiges Fleisch im Discounter kaufen, das aus prekären Viehhaltungsbedingungen stammt.“ Konkret bedeutet das: Eine enge Stallhaltung, das Fehlen von landwirtschaftlicher Nutzfläche, Verstümmelung, Tod bei vollem Bewusstsein. Innerhofer appelliert daher: „Esst weniger Fleisch – und wenn, dann nur qualitativ Hochwertiges von einem kleinen Betrieb!“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="892829_image" /></div> <BR /><BR />Der Jungmetzgerin jedenfalls ist der sorgfältige Umgang mit Tieren, auch bei der Schlachtung, das Wichtigste überhaupt. Beim Schlachten gelte es, das Tier so leicht, so schnell und so schmerzlos wie nur möglich zu töten. „Ich quäle Tiere nicht“, sagt sie. „Ein Metzger wird „den Teufel tun„, ein Tier zu plagen.“ Schon aus Eigennutz. Denn Stress bei der Schlachtung wirke sich unmittelbar auf die Qualität des Fleisches aus. Der Blutzuckerspiegel sinke, das Fleisch übersäuere. „Das sind die Schnitzel, die in der Pfanne immer kleiner werden“, sagt die Metzgerin.“<h3> „Es geht nicht nur ums Schlachten“</h3>Mit routiniertem Blick schneidet Carolin an der massigen Rindsschulter. Fokussiert und konzentriert bewegt sie das scharfe Messer auf und ab. „Bei dieser Arbeit braucht man viel Feingefühl“, sagt sie. Und es gehe bei ihrer Arbeit, wie viele glauben, nicht nur ums Schlachten. „Viele Leute bringen die Metzgerei in erster Linie mit der “Abschlachtung„ in Verbindung. Das finde ich schade.“ <BR /><BR />Aufgewachsen ist die Ahrntalerin sehr bodenständig. „Meine Eltern hatten zuerst einen Milchviehbetrieb. Seit 18 Jahren betreiben wir jetzt einen Hühnerhof in Mühlen in Taufers.“ Dort packt Carolin täglich mit an, schließlich sind 2600 Hühner zu versorgen. „Wir produzieren auf unserem Hühnerhof biologische Eier von Hennen, die sich sichtbar wohl fühlen.“ Wenn die fleißige Metzgerin und Jungbäuerin über Tiere spricht, funkeln ihre Augen. Und dabei macht sie zwischen einem Rind, einem Huhn oder ihrem Hund „Rocky“ keinen Unterschied. „Jedes Lebewesen ist gleich viel wert“, sagt sie unbefangen und fügt noch hinzu: „Ja, auch eine Metzgerin darf das fühlen – und aussprechen.“ <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />