„Opa Theo hat den Salon, der sich immer noch in den selben Mauern befindet, 1933 gegründet. Damals wurden nicht nur im weißen Kittel – wie die Ärzte – die Haare geschnitten, sondern auch Pediküre angeboten“, erzählt Enkelin Iris Rufinatscha, die vor 10 Jahren den Betrieb von ihrem Vater übernommen hat. Die Meraner Friseur-Dynastie feiert dieser Tage ihr 90-jähriges Bestehen.<BR /><BR />Horst Rufinatscha war 16 Jahre jung, als er in den Betrieb seines Vaters nach der 2-jährigen Handelsschule eingestiegen ist. Damals arbeitete auch seine Thea im Salon. Heute ist er 81 Jahre alt. „Und an die 20 Kunden kommen seit damals immer noch zu uns in den Salon“, erzählt er. Einem Friseur des Vertrauens hält man die Treue. „Einer sagte erst kürzlich zu mir: ,Bittschön, wirst wohl noch bleiben‘“, erzählt der redegewandte Friseurmeister. <BR /><BR />Er war von Beginn an ein umtriebiger Mann – im Salon wie außerhalb. So war er 1973 die treibende Kraft, südtirolweit sonntags die Salons zu schließen. Eine Anekdote: „Eine Kundin war sonntags im Salon und wir in der Nacht davor auf einem Ball. Da ist mein Mann über und auf dem Kopf der Frau glatt eingenickt“, sagt’s und lacht. Auch im Handwerkerverband lvh war er eine tragende Säule.<BR /><BR />Ans Aufhören denkt er noch nicht, auch wenn es seiner Frau Maria Theresia wichtig ist, dass er kürzer tritt. Er arbeite sozusagen in Teilzeit, „Um die älteren Herren kümmere ich mich, nehme sie an den Arm, begleite sie in den Salon. Dann schneide ich, was geschnitten werden muss, notfalls auch zu lange Haare, die aus den Ohren wachsen“, sagt sie voller Charme. Es gebe aber auch Kunden, die ausschließlich von ihrem Mann bedient werden wollen. „Ein Herr, der nicht mehr viele Haare auf dem Kopf hat, dem darf nur Papa die Haare schneiden, von uns lässt er sich nicht angreifen“, erzählt Iris Rufinatscha und schmunzelt.<BR /><BR />Großvater Theo sei ein sehr ernster, resoluter Mann gewesen, und reagierte mitunter unwirsch, wenn er bei der Arbeit gestört wurde. Nicht aber wenn Klein-Iris an die Tür klopfte. Da schallte ihr ein „Komm nur herein, Schatzele“ entgegen. Als sie zarte 6 alt war, starb Opa Theo.<BR /><BR />Iris Rufinatscha ist sozusagen in den Salon hineingeboren. Bereits als Mädele wusch sie Kunden die Haare – manchmal gab’s eine unfreiwillige Gesichtswäsche mit dazu. Darüber können Mutter und Tochter heute noch lachen. Auch Sohn Peter arbeitete kurz im Salon mit. Ihm sagte die Arbeit mit Jugendlichen schließlich aber mehr zu.<BR /><BR />Wie kann ein Salon abseits vom Zentrum 90 Jahre bestehen? „Es ist die Mundpropaganda, viele Kunden kommen aus den Umlandgemeinden, aus Nals, Partschins, Tirol und dem Passeier“, sagt Iris Rufinatscha. Als die Gemeinde unter Bürgermeister Paul Rösch die Speckbacherstraße für den Verkehr hatte schließen wollen, hat ihre Mutter in nur 3 Tagen über 300 Unterschriften dagegen gesammelt. Die Straße blieb offen. Aber rund herum haben 2 Lebensmittel-Geschäfte, eine Bar, eine Vinothek und ein Schuster geschlossen. <BR /><BR />Um bestehen zu können, müsse man mit Menschen umgehen können und sich kontinuierlich fortbilden. „Was früher die italienweiten Friseur-Wettkämpfe waren, sind heute Internet und Youtube-Tutorials“, sagt Iris. Sie hat im Übrigen 2001 den landesweit ersten Kindersalon vis a vis eröffnet. „Dort dürfen die kleinen Kunden unter anderem malen und ,matschn‘. Auch autistische und andere Kinder mit Beeinträchtigung kommen zum Haare schneiden. Was es dazu braucht? Einfühlungsvermögen. Aber das gelte auch im Umgang mit Erwachsenen – wissen, wann Unterhaltung gefragt ist und wann weniger“, sagt sie.<BR /><BR />Sie sei in den Salon hineingewachsen. „Aber eines muss ich schon sagen: Wenn man beruflich in die Fußstapfen der Eltern tritt, erwarten die Leute von einem noch mehr – wegen der Eltern. Vizebürgermeisterin Katharina Zeller ergeht es genauso.“<BR />