<b>Von Elisa Steiner</b><BR /><BR />Wenn man in die Au<?TrVer> gen von Helmut Pfanzelter blickt, fällt eines sofort auf: seine Neugier und sein Entdeckergeist. Der 75-jährige Glasermeister und Kaufmann war schon als Kind leidenschaftlicher Sammler. Bereits in jungen Jahren begann der Terlaner, von Hof zu Hof zu ziehen, alte Gegenstände aufzuspüren und sie mit viel Geduld zu restaurieren. Heute besitzt er ein kleines Museum am Nonsberg, in dem er die Exponate der Bauern ausgestellt hat. Des öfteren besuchen ihn dort ganze Schulklassen.<BR /><BR />Angefangen hat seine Sammlerleidenschaft mit Briefmarken. Bereits hatte nach der Option 1939 eine große Menge an Marken, die er später erben sollte. In der Schulzeit entdeckte Pfanzelter dann seine Faszination für Heiligenbilder, bis heute finden sie ihren Platz in zahlreichen Bilderrahmen an den alten Kellergemäuern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1306293_image" /></div> <BR /> Eher zufällig stieß er so auf die Sterbebilder: In den Gebetsbüchern, die man ihm damals überließ, befanden sich Hunderte davon, oft aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. So fing sein Interesse an Sterbebilder an. Er lernte in dieser Zeit auch Christine Schwemberger aus Lienz kennen, die ihrerseits Sterbebilder aus Österreich sammelte und diese auch digitalisierte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1305123_image" /></div> <BR />„Im Sommer habe ich im Geschäft oft stundenlang Sterbebilder fotokopiert, ausgeschnitten und einsortiert. Als meine Kunden das mitbekamen, schauten sie oft mit ihren eigenen Sammlungen vorbei. Das war wie eine Art Dominoeffekt,“ erinnert er sich gerne zurück. Als schließlich ein Fernsehbeitrag über seine Sammlung ausgestrahlt wurde, meldeten sich zahlreiche Menschen aus dem gesamten deutsch- und italienischsprachigen Raum – und so wuchs seine Sammlung um unzählige Originale. <h3> Wert nicht in Geld messbar</h3>Keinen einzigen Cent hat Helmut Pfanzelter dabei für seine über 160.000 Sterbe<?Uni SchriftWeite="95ru"> bilder ausgegeben.<?_Uni> Er sieht seine Sammlung als eine Art kollektives Gedächtnis, wobei das Leben sowie die Errungenschaften der Verstorbenen im Mittelpunkt stehen. Auf die Frage nach seinen wertvollsten Stücken, meint er bescheiden: „So etwas gibt es nicht, alle haben für mich den gleichen Wert.“ <BR /><BR />Dabei sprengt seine Sammlung längst das Gewöhnliche. Die ersten Bilder stammen aus dem späten 17. Jahrhundert, sie wurden damals aus Kupferstichen angefertigt und zählen zum historischen Anfang des Volksbrauches von Sterbebildern in den Niederlanden. Erst um rund 1850 verbreitete sich dieser Brauch im katholischen Raum, besonders in Bayern und Tirol. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1306296_image" /></div> <BR />Die Rückseite wurde zumeist mit Andachtsbildern versehen, später kamen etwa Fotos der Verstorbenen hinzu. Sterbebilder wurden damals nicht – wie viele heute vielleicht annehmen – direkt nach der Beerdigung ausgeteilt, sondern erst zu Allerheiligen. Deshalb kam es auch vor, dass mehrere Verstorbene, etwa aus einer Familie, gemeinsam auf einem Sterbebild abgebildet waren. <BR /><BR /><h3> Dollfuß, Sissi, Franzl und Co.</h3>Zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Pfanzelters Sammlung zählen Originalstücke von Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth und Kaiser Karl von Österreich – inklusive eines Bildes von Letzterem am Totenbett – sowie jenes des 1934 ermordeten österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1306299_image" /></div> <BR />Seine persönlichen Lieblingsstücke sind jedoch andere: jene seltenen Sterbebilder, von denen oft nur fünf oder zehn Exemplare existieren – vielfach aus adeligem Besitz. Besonders faszinieren den Terlaner jedoch die Bilder aus der Zeit zwischen 1870 und 1910. In diesen Jahrzehnten wurden oftmals ganze Lebensläufe auf den Karten festgehalten. „Auffällig ist, wie stark damals betont wurde, was jemand war oder besaß – ob Doktor, Notar, Bankdirektor oder Hofbesitzer. Auf manchen Bildern steht sogar, wie viel Hektar Grund jemand sein Eigen nannte“, erläutert Pfanzelter. <BR /><BR />Für den 75-jährigen Pensionisten – leidenschaftlicher Weinkenner, begeisterter Italienreisender und echter Genussmensch – ist Sammeln längst mehr als bloßes Anhäufen von Gegenständen. Sein Keller ist Rückzugsort und Motor zugleich: ein Ort, der ihn beschäftigt und zugleich zur Ruhe kommen lässt. Denn Stillstand kennt er nicht – fast täglich kommen neue Dokumente und Fundstücke dazu, die geordnet, gesichtet und bewahrt werden wollen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1306302_image" /></div> <BR />Langeweile? Für ihn ein Fremdwort, auch im Alter. Und das Schönste im Leben? „Genießen, sich mit Ruhe hinsetzen und ei<?TrVer> nen guten Aperitif trinken“, lautet seine Antwort, auf eine Frage, die er bis zu seinem eigenen Sterbebild wohl noch öfter beherzigen wird.