Freitag, 08. Juli 2016

Gastrokritiker Wolfram Siebeck ist tot

Kulinarische Kolumnen hat er gerne mit sprachlicher Schärfe gewürzt und beißende Kritik bis ins hohe Alter geliebt. Autor und Gourmet Wolfram Siebeck ist am Donnerstag im Alter von 87 Jahren gestorben.

2011 war Wolfram Siebeck auch in Südtirol zu Gast.
2011 war Wolfram Siebeck auch in Südtirol zu Gast. - Foto: © D

Angeblich aß Wolfram Siebeck erst mit etwa 80 Jahren seine erste Currywurst - und er fand es natürlich fürchterlich: „Mein Hunger auf Currywurst ist bis zum Lebensende gestillt“, sagte er danach. Bis ins hohe Alter behielt der Gourmet, Gastronomiekritiker, Buchautor und Kolumnist seinen Biss. Er verstand sich als das kulinarische Gewissen Deutschlands und war auch gerne in Südtirol zu Gast.

Kurze, schwere Krankheit

Am Donnerstag starb Wolfram Siebeck, der im badischen Mahlberg in der Nähe von Freiburg wohnte, mit 87 Jahren - nach kurzer schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Lahr, unweit seines Wohnortes, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Seine Texte waren oft umstritten

Er war längere Zeit freier Illustrator, wurde dann zum Autor. Er schrieb für Zeitungen und Zeitschriften wie „Twen“, „Stern“, dann viele Jahre für die Wochenzeitung „Die Zeit“, später auch fürs „Zeit“-Magazin und die Gourmet-Zeitschrift „Der Feinschmecker“. Seine Restaurantkritiken waren oft umstritten, viele Leser störten sich am angeblich arroganten Ton und dem zur Schau getragenen Hedonismus - andere liebten ihn genau dafür. Er veröffentlichte viele Bücher, wurde selber zu einer Marke. Dazu trugen auch Fernsehsendungen mit ihm bei. In den letzten Jahren versuchte er sich sogar als Blogger.

„Besser kochen oder essen können sie dadurch nicht“

Siebeck kultivierte sich als Gegner von Kochshows („Besser kochen oder essen können sie dadurch nicht“) und Kochbüchern („Den meisten Menschen dienen Kochbücher lediglich als Ausstellungsstück fürs Bücherregal“). Mit Vegetariern konnte er überhaupt nichts anfangen („Lebensfreude oder pure Lust am Essen kann ich bei Vegetariern nicht entdecken“). Mit deutlich formulierten Ansichten wie diesen machte er sich naturgemäß nicht nur Freunde.

Lokale Kreisläufe fördern

„Bei mir steht die Aufklärung der Konsumenten an oberster Stelle“, sagte Siebeck. „Essen und Trinken ist in aller Munde. Aber richtig weitergekommen sind wir in all den Jahren nicht, im Gegenteil“, meinte er bis zuletzt. Seine Kritik: „Die Deutschen geben zu wenig Geld für gutes Essen aus und sie sind dem Wahn der Fertiggerichte verfallen.“ Doch genießen lasse sich lernen. „Statt im Supermarkt sollten die Menschen beim guten Metzger, Käsehändler oder Erzeuger vor Ort einkaufen“, riet er. „Das bringt Lebensqualität.“

Auch in Südtirol zu Besuch

Wolfram Siebeck war mit seiner Frau Barbara im September 2011 zu Besuch im  Hotel „Berghofer“ in Radein. Gleich vier Wochen  genoss er dort, gemeinsam mit TV-Köchin Sarah Wiener, seinen Aufenthalt.

dpa/stol/wh

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