Den Laptop auf dem einen Knie, Kanüle und Schläuche am anderen. Zum Interview vor einigen Wochen bat Magdalena Wierer ins Krankenhaus von Bruneck. Sie hat sich nach einem Radunfall das Knie verletzt. „Aber das wird hoffentlich bald wieder gehen“, zeigt sich die 21-Jährige zuversichtlich, lächelt und lässt sich den Schmerz nicht anmerken. <?Uni SchriftWeite="97ru"> Wenig verwunderlich. Wenn die junge Frau in den vergangenen<?_Uni> Jahren eins gelernt hat, dann das, immer das Beste aus allem zu machen.<BR /><BR />Mehrere Jahre widmete sich die Absolventin der Sportoberschule in Mals nämlich dem Leistungssport und bestritt als Biathletin Italienpokalrennen und Jugendmeisterschaften. 2021 stellte die Nachwuchshoffnung ih<?TrVer> re Langlaufskier jedoch unerwartet in die Ecke.<BR /><BR />Ge<?TrVer> sundheitliche Probleme haben sie zu viele Trainingseinheiten verlieren lassen. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich von den anderen einfach zu weit weg bin“, erinnert sie sich zurück. Unter anderem litt Wierer an Pfeifferschem Drüsenfieber, hinzu kam die Belastung durch die Öffentlichkeit. „Ich bin sehr oft mit Dorothea verglichen worden, das war vor allem zu Beginn der Oberschule nicht leicht. Bei mir wurde immer sehr genau hingeschaut, damit musste ich erst klarkommen“, erzählt Magdalena, die jüngste Schwester der erfolgreichen Biathletin Doro Wierer und Nesthäkchen der insgesamt fünf Wierer-Geschwister aus Rasen-Antholz. <BR /><BR />Und die sind momentan mächtig stolz auf ihre „Magda“. Denn vor wenigen Monaten hat die Studentin der Bildungswissenschaften nicht nur ihre Langlauflehrerprüfung geschafft, sondern auch ihr eigenes Business auf die Beine gestellt. Unter dem Label „Rock & Ride“ designt die 21-Jährige funktionelle wie „fetzige“ Fahrradbekleidung.<BR /><h3> Von „Customize“-Outfit zum Business</h3>„Schon als Kind habe ich unheimlich gern gemalt und gezeichnet. Durch den Leistungssport ist diese Kreativität aus Zeitgründen in den Hintergrund gerückt“, erzählt Magdalena. Vor einem Jahr aber zog sie wieder Block und Stift aus der Schublade, denn sie hatte eine besondere Idee im Kopf – ihr eigenes Radoutfit zu zeichnen. „Beim Biathlon war Kleidung Mittel zum Zweck. Doch als ich vor einem Jahr mein neues Rennrad gekauft habe, wollte ich meine eigene Kleidung dazu. Sie sollte nicht nur funktionell sein, sondern auch cool aussehen“, verrät Wierer und malte sich nicht nur Strich um Strich ein Radgewand, sondern auch einen neuen Traum aus. Denn je mehr sie ihrer Kreativität freien Lauf ließ, umso mehr reifte der Gedanke, auch anderen Menschen mit ihrem Stil ei<?TrVer> ne Freude zu machen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="925315_image" /></div> <BR /><BR />Motiviert von Familie und Freunden gründete die Studentin im Winter ihr eigenes Label. Ein holpriger Weg, wie sie im Nachhinein gesteht. „Ich bin sehr jung, habe weder Grafik noch Design studiert und auch keine Ahnung, wie man so ein Projekt professionell entwickelt.“ Auch die Zweifel, ob ihre Kreationen überhaupt ankommen, waren groß. „Die Leute in meinem Umfeld, al<?TrVer> len voran meine Familie, aber sprachen mir immer wieder Mut zu – und schließlich überwog die Freude am Experimentieren, Zeichnen und Lernen.“<BR /><BR />Schnell verstand Magdalena Wierer, dass sie sich aus der Komfortzone begeben musste. Kontakte knüpfen, Experten finden, Strategien entwickeln, <?Uni SchriftWeite="95ru"> Neues wagen – eine Entwicklungsaufgabe, für die sie dankbar ist. „Ich glaube, der Leistungssport hat mich früh gelehrt, was es heißt, für ein Ziel zu arbeiten und mit Biss und Selbstständigkeit dabei zu bleiben.“<?_Uni> <BR /><BR /><h3> Farbenfroh gegen den Mainstream</h3>Seit zwei Monaten ist ihr Online-Shop (www.rockandride.store) aktiv und umfasst ein kleines, aber feines Sortiment mit je zwei Shirts in Jersey und einer Hose für Damen und für Herren. „Die Kollektion ist bewusst so klein, da ich erst schauen muss, wie die Marke ankommt“, erzählt Wierer, wohl wissend, dass es bereits unglaublich viele Radbekleidungsausrüster gibt. Trotzdem möchte sie es mit „Rock & Ride“ schaffen – und Alternativen zum Mainstream anbieten. <BR /><BR />„Meine Radbekleidung <?Uni SchriftWeite="97ru"> wird in Italien produziert und überzeugt neben der hohen Qualität vor allem mit tollen De<?TrVer> signs und auffallend farbenfrohen Mustern<?_Uni> – und das bei weitem nicht in der höchsten Preisklasse“, <?Uni SchriftWeite="95ru"> rührt sie die Werbetrommel für die Funktionswäsche, die mit bequemen Schnitten und nahtlosen Ärmeln überzeugt.<?_Uni> „Das Wichtigste aber ist das Sitzkissen der Hose, und da habe ich wirklich lange getestet, um ein gutes zu finden“, sagt die Radbegeisterte, die in ihrer Freizeit oft und gern mit Freunden in die Pedale tritt. „Ein paar Radkollegen haben in Feltre sogar schon ein Rennen als Team ‚Rock & Ride‘ bestritten, das Feedback war extrem gut“, freut sich Wierer, die schon neue Ideen und Stoffe für die nächste Kollektion im Petto hat. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="925318_image" /></div> <BR /><BR />Vorerst aber möchte sie den Sommer nutzen, um über die sozialen Medien sogenannte „Community-Rides“, also gemeinschaftliche Radtouren, zu organisieren und damit ihre Marke zu promoten. Ihre Schwester Dorothea steht aufgrund anderer Sponsorenvereinbarungen als Werbeträger nicht zur Verfügung. Doch Magdalena findet das nicht weiter schlimm. „Doro unterstützt mich und glaubt an mich und das Projekt. Doch es soll diesmal meine ganz eigene Sache sein“, erklärt sie und freut sich, mit schrillen Blumenmustern und auffallenden Leopardendesigns dem Schatten ihrer erfolgreichen Schwester davongeradelt zu sein.