Mittwoch, 20. Mai 2015

Giorgio Moroder: "Heute bin ich 25"

Gerade hat der Weltmusiker seinen 75. Geburtstag gefeiert. Dennoch gibt sich Giorgio Moroder, der Musikproduzent mit den Grödner Wurzeln, nicht mit Golfspielen und dem Lösen von Kreuzworträtseln zufrieden, sondern sorgt als DJ und mit neuem Album für ein Déjà Vu.

Giorgio Moroder als DJ mit 75 Jahren.
Giorgio Moroder als DJ mit 75 Jahren.

Giorgio Moroder zählt zu den erfolgreichsten Musikproduzenten der Welt. Er gilt als Erfinder der Synthesizer-Disco-Musik und hat mit Donna Summer, Elton John, Barbra Streisand, Freddie Mercury, David Bowie, Cher und Co. zusammengearbeitet.

Was viele nicht wissen: Auch die Melodie für das wohl bekannteste "Vater unser" stammt aus der Feder des Grödner Musikproduzenten. 

Bei "Markus Lanz" erzählte der 75-Jährige am Dienstag mit Witz und vielen Gesten, wie er zur Musik gekommen ist und warum er noch immer nicht - oder wieder nicht - das Rentnerdasein genießt. 

 

Zwei Südtiroler im ZDF: Giorgio Moroder (ganz in Schwarz mit gelben Ringelsocken) sprach am Dienstagabend bei Markus Lanz.

Moroders Geschichte beginnt mit einem Abitur, das nie stattgefunden hat.

Kein Abitur: Moroder schwänzt am Tag der Prüfung

"Ich hab mit 15 Jahren begonnen, Gitarre und Bass zu spielen. Mit 19 bekam ich das erste Angebot. Hätte ich weiterstudiert, hätte ich nicht professioneller Musiker werden können", argumentiert Moroder, der in der Tat am Tag der Prüfung nicht aufgestanden ist.

Er sei nach Hause gegangen, wo seine Eltern "absolut kaputt und böse darüber waren", sagt der Grödner, der heute noch ein Haus im Tal besitzt und zu Urlaubszwecken nutzt.

Nach dem Willen der Eltern, besonders der Mutter, hätte Moroder bei der Gemeinde einen guten und vor allem bezahlten Job ergattern sollen. "Ich habe die Geometerschule gemacht, also wäre ich so eine Art Miniarchitekt", erklärt der Musiker dem TV-Publikum.

 

Giorgio Moroder in Amerika.

Selbst als er nach Amerika zog und die ersten großen Erfolge hatte, habe seine Mutter gesagt: "Aber wenn du hier geblieben wärst, hättest du eine echte Arbeit, würdest bezahlt", erzählt Moroder. Erst als er die Mutter via Erste Klasse nach Amerika geflogen und in schicke Restaurants zum Essen ausgeführt habe, sei sie beruhigt und glücklich gewesen.

Nachdem Moroder am 26. April seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, könnte er sich - nach zahllosen Erfolgen, drei Oscars, 150 goldenen Schallplatten - längst zur Ruhe setzen. Was er auch wollte. 

DJ anstatt Rentnerdasein: "74 is the new 24"

Vor zehn Jahren verkaufte er seine Villa in Los Angeles, um nach Europa zurückzukehren. "Jetzt tut mir das natürlich leid", so der Musiker, denn Daft Punk (die französische Formation ließ Moroder 2013 über sein Leben erzählen und machte den Song "Giorgio by Moroder" daraus) hätte ihn nun wieder ins Business reingezogen.

Im Sommer 2014 veröffentlichte Moroder schließlich zwei neue, eigene Werke. Als DJ legt er in den großen Diskotheken der Welt auf. 

 

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"Ich kann zwar nicht mehr Golf spielen, aber ich bin glücklich. Kreuzworträtsel zu lösen, kann ich vergessen, denn ich werde ewig weitermachen", sagt Moroder heute. Sein letztes Werk, ein neues Album nennt sich "Déjà Vu". Dabei setzt der Produzent auf einen Mix aus jungen und erfahrenen Musikern, darunter Kylie Minogue, Britney Spears, Kelis, Sia, Charli XCX und Mikky.

Ein Lied nennt sich "74 is the new 24" (74 ist das neuen 24). "Die Idee dazu kam mir, als ich vor 30.000 Leuten als DJ aufgelegt habe", so Moroder. Als die jungen Leute zu seiner Musik tanzten, mitsangen, fühlte er sich als damals 74-Jähriger wie sie - eben wie 24.

Nun, da er 75 Jahre alt ist, "bin ich 25", sagt er lächelnd, aber bestimmt.

 

Déjà Vu: Das neue Album von Giorgio Moroder.

Heute kann Moroder gestenreich über sein Leben als Weltmusiker berichten, dabei begann auch er als kleiner Bandmusiker.

Ein zu schlechter Musiker

Zu Beginn zog er jahrelang durch Europa, durch Hotels und von Auftritt zu Auftritt. "Der Pianist war so gut und ich war zu schlecht als Gitarrist. Da hat er gemeint, spiel doch Bass, das ist einfacher", so Moroder ehrlich und über sich selbst amüsiert. Doch das Leben als Wandermusiker war ihm nicht lange beschieden. 

"Ich dachte mir, irgendwann musst du auch etwas Anständiges machen, und so beschloss ich, Produzent zu werden", berichtet der heute 75-Jährige. Er zog nach Berlin zu seiner Tante, arbeitet bei einem Musikverlag einen Monat lang als Tonmeister und landete nach drei-vier Monaten seinen ersten Hit "Ich sprenge alle Ketten" mit Ricky Shane. 

Welthit: Ja oder nein?

Das erste elektronische Tanzlied aller Zeiten wurde dann auch zum ersten Welthit von Moroder. Was als Scherz gemeint war, entpuppte sich als Glücksgriff. Im 17 Minuten langen Originalsong "Love to Love You, Baby" stöhnt Donna Summer in einem fort.

 

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Auf die Frage, ob man merke, dass man einen Welthit geschrieben habe, sagt Moroder: "Nein, man meint immer, das letzte Lied, das man gemacht hat, ist das beste. Doch man muss der Realität ins Auge sehen, es am nächsten Tag nochmals anhören ... und dann verschrotten".

Kommt nicht zur Oscarverleihung

Dennoch hat es Moroder u.a. zu drei Oscars gebracht. Einmal für die beste Filmmusik "Midnight Express" 1979, dann für die besten Songs "Flashdance ... What a Fleeling" aus Flashdance 1983 sowie "Take My Breath Away" aus Top Gun 1986.

 

Ein sprachloser Giorgio Moroder bei der Oscarverleihung 1979.

Während Moroder bei der ersten Oscarverleihung noch keine Worte fand, blieb er der zweiten Verleihung einfach fern.

"Als es zum ersten Mal hieß: ,The Winner is Giorgio Moroder' hat mein Magen derart rebelliert", erinnert sich Moroder, er sei beinahe in einem Lichtständer hineingefallen und habe die Witze des Moderators nicht wirklich verstanden, da sein Englisch nicht besonders gut war. 

Warum er den zweiten Oscar nicht abgeholt habe, weiß Moroder gar nicht mehr so genau.

Dennoch sagt er heute, gebe es für einen Musiker nichts Größeres, als einen Oscar zu erhalten. "Ein Grammy ist schön und gut, aber ein Oscar ist eine Stufe höher", so der dreifache Oscarpreisträger überzeugt, aber überaus gelassen - mit seinen heute 75, .... ähm 25 Jahren.

stol/ker

stol