Freitag, 21. August 2015

Glanz und Glamour zum letzten Geleit: Mafiaboss beerdigt

Ein Trauerzug aus Rolls Royces, Rosenblütenblätter aus dem Hubschrauber und die Filmmusik des "Paten": Die glamouröse Beerdigung von Mafiaboss Vittorio Casamonica erzürnt Rom.

Casamonica wurde mit einer großen Zeremonie beerdigt. Was manchen Römern überhaupt nicht passte, denn er galt als mächtige Figur in der organisierten Kriminalität.
Casamonica wurde mit einer großen Zeremonie beerdigt. Was manchen Römern überhaupt nicht passte, denn er galt als mächtige Figur in der organisierten Kriminalität.

Was nach Dreharbeiten zu einem neuen Teil des "Paten" aussieht, war am Donnerstag in Rom Realität. Ein Oberhaupt des italinischen Mafiaclans Casamonica wurde - nicht ohne Ehren - beerdigt

Sechs schwarze Pferde mit goldenen Tressen zogen die Kutsche mit seinem Sarg. Der Kutsche folgte ein schier endloser Trauerzug mit vielen Luxuslimousinen, etlichen Rolls Royce darunter, aber auch Pick-ups, die mit riesigen Blumenkränzen beladen waren.

Vor der großen Don-Bosco-Kirche standen Hunderte Menschen, weinten, applaudierten und zollten damit dem Toten ein letztes Mal Respekt.

Es war eine schöne Beerdigung, am Donnerstag im römischen Stadtteil Tuscolano. Sicher ganz im Sinne des mit nur 65 Jahren verstorbenen Vittorio Casamonica.

 

Sechs schwarze Pferde mit goldenen Tressen zogen die Kutsche mit dem Sarg. - Foto: APA/epa

Niemand hätte es für möglich gehalten, dass sich die Anhänger des Clans noch so mutig auf die Straße trauen würden.

Polizei sorgt für freies Geleit

Gegen die Mitglieder gibt es schwerwiegende Vorwürfe. Schutzgelderpressung und Vertreiben von Wucherkrediten werden ihnen nachgesagt. Nach Angaben der Stadtverwaltung in Rom war auch der Verstorbene selbst Ziel von vielen Untersuchungen, die in kriminelle Kanäle in Rom führten.

Stattdessen regnete es rote Rosen aus einem Hubschrauber mitten am Tag. 

Kaum war die schöne Beerdigung vorbei, brach allerhand Ärger los. Denn der Mann im Sarg war Ziel "vieler Ermittlungen gegen die römische Kriminalität", wie ein Sprecher des örtlichen Rathauses zerknirscht kundtat. Andere drücken es etwas salopper aus: Der nette Vito sei ein mächtiger Mafiaboss gewesen. 

Und die Polizei sorgte für freies Geleit. Bei den verantwortlichen Behörden will aber niemand etwas von einer derartigen Zeremonie gewusst haben. Bei der Kirche ebenfalls nicht.

"Konig von Rom" ging zur Messe

Don Giancarlo Manieri hingegen, der Salesianer-Priester, der die Beerdigungsmesse für den verstorbenen Paten geleitet hat, sieht keinen Grund für Selbstzweifel. Vom zweifelhaften Ruf des Verstorbenen habe er nichts gewusst.

Erst seit drei Jahren leitet er die Gemeinde, in der auch der überaus gläubige "König von Rom" zur Messe ging.

dpa/reuters/stol

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