Was die Faszination des Schnöllens ausmacht, schildern Landesobmann Gilbert Stillebacher, der Villnösser Bürgermeister Peter Pernthalter und die schnöllende Landesrätin Rosmarie Pamer. <BR /><BR />Die Pusterer tun es anders als die Vinschger oder Eisacktaler, aber in jedem Bezirk und jeder Talschaft tun sie es gerne: Goaßlschnölln. „Ich vergleiche das Schnölln mit den verschiedenen Mundart-Typen in unserem Land, die unterschiedlichen Gepflogenheiten ergeben ein großes Gesamtbild“, sagt Gilbert Stillebacher. Der 50-jährige aus Prad am Stilfserjoch ist Obmann der Goaßlschnöller Prad, Obmann des Landesverbandes und vor allem einer der eifrigsten Bewahrer dieser alpenländischen Tradition. <BR /><BR />Mit sechs Jahren hat es ihm der Großvater beigebracht, seitdem gehört das Schnölln für ihn zum Leben wie die Luft zum Atmen. Zusammen mit fünf oder sechs Gleichgesinnten hat er vor vielen Jahren in Prad den Goaßlschnöllverein begründet, heute umfasst der Verein der Obervinschger eine Armada von 70 schnöllenden Mitgliedern. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1188753_image" /></div> <BR /><BR />Dieser Sprung ist exemplarisch für die Entwicklung des Goaßlschnöllens im gesamten Land. Einst lediglich von einigen Hirten und Bauern auf den Almen praktiziert, gehört das Goaßlschnölln heute fast schon zum guten Ton auf Veranstaltungen aller Art – Festen, Kirchtagen, Umzügen, Hochzeiten, Märkten und Tourismusevents sowieso. Woraus folgt: Das Schnölln hat sich längst von seinem einst hinterwäldlerischen Image emanzipiert, gilt heute als lässig und sexy. Es wird von allen Altersgruppen und in allen gesellschaftlichen Schichten praktiziert, zudem schwingen immer mehr Frauen und Mädchen die Goaßl. Angesichts der Zahlen kann man von einem Trendsport sprechen: „In unseren Vereinen zählen wir heute landesweit mehr als 900 aktive Schnöller, vor allem kommen viele junge Schnöller nach“, zählt Gilbert Stillebacher auf. <BR /><BR /><b>500 Aktive schnölln um die Wette</b><BR /><BR />Der Begriff Trendsport ist gezielt gewählt, gibt es im Jahresverlauf doch diverse Veranstaltungen mit Wettkampfcharakter. Gerade der Wettkampfgedanke sei Teil des Aufschwungs. Der jährliche Höhepunkt findet am heutigen Samstag am malerischen Ranuier Boden in Villnöß statt: die Goaßlschnöll-Landesmeisterschaften. Es ist eine Art Volksfest für diesen neuen Volkssport. An die 500 Aktive messen sich in mehreren Altersgruppen und Kategorien, so etwa Zweier-, Dreier- und Viererformationen. <BR /><BR />Eine Jury bewertet in erster Linie Takt bzw. synchrone Abstimmung sowie Lautstärke und Körperhaltung. 30 Sekunden lang heißt es für die Schnöller, die perfekte Darbietung mit der Goaßl abzurufen. Es braucht schon einiges an Übung und Konzentration, um mit einer Kreisbewegung die bis zu sieben Meter lange Goaßl durch die Luft zu schwingen, auf dass der Schmitz am hintersten Teil den typischen krachenden Knall erzeugt. Bei Wettkämpfen und Auftritten legen die Schnöller Wert auf traditionelle Kleidung, als Wahrzeichen dient der charakteristische blaue Schurz mit dem Logo des Vereins oder der Gruppierung. Lederhose und Hut oder Dirndl runden das ideale Outift ab.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1188756_image" /></div> <BR />Vom Wettkampfgeist einmal abgesehen, ist Goaßlschnölln vor allem Ausdruck von Traditionsbewusstsein und Heimatverbundenheit. Das unterstreicht etwa auch der Villnösser Bürgermeister Peter Pernthaler. „Schnölln ist für mich nicht bloß eine handwerkliche Fertigkeit, sondern auch eine lebendige Verbindung zu unserer Geschichte und unseren regionalen Wurzeln“, erklärt er, der selbst seit nunmehr 30 Jahren die Goaßl schwingt. Besonders freue ihn das große Interesse der Kinder und Jugendlichen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1188759_image" /></div> Die Freizeitbeschäftigung bringe nicht bloß Adrenalin mit sich, man könne dadurch auch „wichtige Werte wie Disziplin, Genauigkeit und Ausdauer“ verinnerlichen. Eigenschaften wie diese vermögen die persönliche Entwicklung und das Verantwortungsbewusstsein der heranwachsenden Generation zu fördern, ist Peter Pernthaler überzeugt. Er selbst geht seinem geliebten Hobby am liebsten im Takt der Vierergruppe „Sass Rigais“ nach. <BR /><BR /><b>Pamer und Pernthaler als begeisterte Schnöller</b><BR /><BR />Als unverzichtbaren Teil des gelebten Brauchtums wertet auch Landesrätin Rosmarie Pamer das Goaßlschnölln. Sie verbindet damit Kindheitserinnerungen auf der Alm genauso wie den kuriosen Brauch der Schnöllerwoche im Passeiertal. „Vor der kirchlichen Trauung wird dem Hochzeitspaar eine Woche lang mit der Goaßl die Ehre erwiesen, das ist die Voraussetzung, um überhaupt zur Marende eingeladen zu werden“, beschreibt sie die Gepflogenheit. <BR /><BR />In ihrer Kindheit hat sie sich mit Schnölln ein nettes Taschengeld verdient, in ihrer Zeit als Lehrerin hat sie an der Mittelschule Goaßlschnölln als Wahlpflichtfach angeboten. „Das Interesse der Schüler war groß, mir war es immer wichtig, diesen Brauch weiterzugeben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1188762_image" /></div> <BR />Das Schnalzen der Goaßl begleitet viele unserer Feste, verbindet Generationen und macht einfach Freude“, sagt sie, die sich beim Schnölln so manchen „Brenner“ zugezogen hat und sich auch vor zwei Jahren an einer Meisterschaft in Völs beteiligt hat. Väter geben den Brauch an ihre Kinder weiter, durch das Schnölln bilden sich Freundschaften, über das Schnölln findet man zueinander ins Gespräch – die Viehhirten von einst hätten wohl nie gedacht, dass ihr rudimentäres Mittel zur Verständigung im Gefahrenfall mal eine derartige Karriere hinlegen würde. Vor allem nicht in Zeiten von Handy und Internet.