Wer am Puls der Zeit bleiben möchte, muss stets aufgeschlossen sein für Neues – für neue Erfahrungen, herausfordernde Projekte und außergewöhnliche Aufgaben. <b>Ein Porträt von Alexander Zingerle</b><h3> Neues, reizvolles Kapitel</h3>Greti Ladurner gehört zur Gattung Mensch, die ein Leben lang neugierig und anpassungsfähig ist – das lässt sich deutlich aus ihrem Lebenslauf herauslesen. Deshalb empfindet sie die Berufung zur Präsidentin der Messe Bozen als neues, reizvolles Kapitel, das natürlich erst noch geschrieben werden will. „Ich habe mir für einige Zeit gut überlegt, ob ich diese zusätzliche Tätigkeit übernehmen will, denn schließlich bin ich sehr wohl ausgelastet“, gibt sie zu bedenken. Doch letztlich überwog der Reiz, bei einer bedeutenden Körperschaft wie der Messe Bozen neue Impulse setzen zu können. Gerade darauf hat sich die 50-Jährige in ihrem beruflichen Werdegang spezialisiert: Strategien für Unternehmen und Körperschaften erarbeiten, eine Marke mit den dazugehörigen Kernbotschaften aufbauen, die Kommunikation mit allen beteiligten Interessengruppen pflegen.<BR /><BR />Greti Ladurner ist seit bald zehn Jahren als selbstständiger Strategiecoach tätig und betreut in dieser Funktion eine beachtliche Anzahl an Kunden. So hat sie beispielsweise das Tourismuskonsortium Alta Badia bei der Festigung der Markenstrategie unterstützt. Und auch für den Tourismus Initiative München e. V. hat sie ein Tourismuskonzept ausgearbeitet. Das ist ihre eigentliche Tätigkeit, der Chefsessel des Verwaltungsrates der Messe Bozen AG kommt sozusagen als Zusatzjob dazu. Dort befindet sich die Eppanerin noch in der Einarbeitungsphase. <h3> Nachhaltigste Messe Italiens</h3>Mit vielen Gesprächen und mit analytischer Herangehensweise will sie sich ein Bild von den Abläufen und Angeboten in der Messe Bozen machen, wobei sie heute schon einige Schwerpunkte umreißt: „Wir wollen die Position der Messe Bozen als Wirtschaftsstandort und Branchentreff weiter stärken, hierbei denke ich an neuartige Formate und klare Zielsetzungen. Wir wollen auch neue Wege der Digitalisierung gehen und die nachhaltigste Messe Italiens werden.“ <BR /><BR />Bereits jetzt leben auf dem begrünten Dach zwei Bienenvölker, die Photovoltaik-Anlage mit der Größe eines Fußballfeldes liefert grünen Strom, die klassischen Teppiche zu Ausstellungszwecken werden aus Gründen der Ressourcenschonung nicht mehr benutzt. Mit dem globalen Anbieter EarthCheck wird eine entsprechende Zertifizierung angestrebt – man will in Umwelt- und Klimafragen vorangehen und nicht hinterherhinken. Bereits unter ihrem Vorgänger Armin Hilpold hat sich die Messe Bozen laufend weiterentwickelt, diesen Kurs will die neue Präsidentin im Verbund mit Direktor Thomas Mur und dem Messeteam fortsetzen. <h3> Lieber mit Inhalten statt mit leeren Auftritten überzeugen</h3>Keine Frage, Greti Ladurner ist eine Frau der Wirtschaft. Ihre Steckenpferde sind seit jeher die Branchen Tourismus, Marketing und strategische Kommunikation, dazu sind Fähigkeiten wie konzeptionelles Denken, lösungsorientiertes Handeln und natürlich überzeugendes Präsentieren gefragt. Sie legt zwar Wert auf Form, nicht aber auf Äußerlichkeiten, die von ihrer eigentlichen Persönlichkeit ablenken. <BR /><BR />Sie will lieber mit Inhalten als mit leeren Auftritten überzeugen und ihr Umfeld mit durchdachten Konzepten und Klarheit für sich gewinnen. „Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass man hier mich meint, wenn jemand „Frau Präsidentin„ sagt. Aber davon abgesehen werde ich meinen Stil nicht ändern. Es geht darum, hier etwas zu bewegen, und nicht darum, aufzufallen“, meint sie lächelnd. <h3> Eigenen Stil vorleben</h3>Mit dieser Haltung hängt auch ihr Credo zusammen, dass es als Frau in Spitzenpositionen Mut, Flexibilität und Ausdauer brauche. Vor allem Mut, die Rollen und Funktionen so zu leben, dass man sich darin auch wohlfühlen kann. Sie findet, dass es als Frau in leitenden Positionen nicht ratsam ist, althergebrachte männliche Stereotype zu kopieren, sondern vielmehr, einen eigenen Stil zu finden und vorzuleben. Grundsätzlich ist sie der Auffassung, dass es in Unternehmen und generell in der Wirtschaft die richtige Mischung aus männlichen und weiblichen Kompetenzen und Haltungen braucht. Das sorge in der Regel nicht nur für ein gutes Betriebsklima, sondern auch für eine ausgewogene Unternehmenskultur. Die Messe Bozen macht es mit drei Frauen und drei Männern im Verwaltungsrat bereits vor. <h3> Rolle als Mutter gerecht werden</h3>In ihren beruflichen Stationen habe sie noch nie irgendwelche Vorbehalte gespürt. Auch dann nicht, wenn sie wie ehemals in der Geschäftsleitung der SMG (Südtirol Marketing Gesellschaft) bei vielen Entscheidungen die einzige Frau in leitender Position war. In jener Zeit kam auch ihre mittlerweile 12-jährige Tochter Tessa zur Welt, dabei durfte sie auf die Unterstützung ihres Mannes und ihrer Eltern bauen. Nach Ablauf der neun Monate dauernden Elternzeit optierte sie für eine Arbeitszeitregelung von 75 Prozent. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1072638_image" /></div> <BR /><BR />„Mir war es wichtig, meiner Rolle als Mama gerecht zu werden und für mein Kind da zu sein“, blickt sie zurück. Dieser Spagat zwischen Mutterrolle und Ansprüchen im Job erfordere zwar Disziplin und Flexibilität, allerdings solle man ihn auch selbstbewusster leben. Man müsse eben alles gut organisieren, dann wachse man da schon rein. In dieser Hinsicht kommt der neuen Messe-Präsidentin ihr Naturell zugute: „Ich plane meine Wochen gut durch, da mit der nötigen Struktur alles besser unter einen Hut zu bekommen ist. Das gilt sehr wohl auch für Familienleben und Freizeit, denn in der Selbstständigkeit tendiert man sowieso gerne zu vielen Überstunden.“ Greti Ladurner spricht aus Erfahrung, aus 30 Jahren Arbeits- und 50 Jahren Lebenserfahrung. <h3> Zeit für sich</h3>Zwischendurch braucht sie auch etwas Zeit für sich selbst. Dann nimmt sie entweder ein Buch zur Hand oder geht in den Garten. Gerade die körperliche Gartenarbeit sei ein guter Ausgleich zu ihrer kopflastigen Tätigkeit, das Ansetzen von Salaten und Gemüse könne man im wahrsten Sinne des Wortes als erdendes Gefühl beschreiben. <BR /><BR />„Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und möchte mich nicht einengen lassen.“ Dieses Wesensmerkmal war ein Grund dafür, dass sie 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und nun auch für ihre Zweifel, ob sie die neue Aufgabe als Messe-Präsidentin annehmen soll. In diesem Nachdenkprozess traten nach und nach Ideen und Möglichkeiten an die Stelle von Bedenken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1072641_image" /></div> <BR /><BR />Die Vorstellung, mit kompetenten Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an Konzepten zu feilen, gefiel ihr genauso gut wie etwa die Potenziale der Wirtschaftsplattform mit dem Mitarbeiterteam weiter auszubauen zu können. Und wo ein Wille, da war noch immer ein Weg – erst recht für eine selbstbewusste und ehrgeizige Frau, wie es Greti Ladurner ist.<h3> Zur Person:</h3>Greti Ladurner (50) ist seit 2015 als Strategie-coach mit den Schwerpunkten Marken- und Regionalentwicklung tätig. Anfang Mai 2024 wurde sie zur neuen Präsidentin der Messe Bozen AG, in dieser Position beerbte sie Armin Hilpold, dessen Mandat nach neun Jahren auslief. Nach dem Abschluss des Wissenschaftlichen Gymnasiums in Bozen absolvierte sie einen zweijährigen Lehrgang für Tourismusmanagement, ehe sie in ihrer Heimatgemeinde Eppan im Tourismusverein ihren ersten Job antrat. <BR /><BR />Es folgten Tätigkeiten im Tourismus und Hotelgewerbe. 2001 wurde Greti Ladurner von der Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) angeworben. Zwei Jahre später wurde sie dort zum Mitglied der Geschäftsleitung bestellt, von 2013 bis 2014 bildete sie zusammen mit Marco Pappalardo die Geschäftsführung der SMG (später wurde die SMG in die neu gegründete IDM einverleibt). Nach dem Ausscheiden aus der SMG im Jahr 2014 machte sie sich als Strategiecoach selbstständig. Greti Ladurner wohnt mit ihrer Familie in St. Michael/Eppan. <BR /><h3> Zur Messe Bozen</h3>Seit dem Gründungsjahr 1948 fungiert die Messe Bozen als Veranstalter von Messen und Events. Das aktuelle Messequartier in Bozen Süd umfasst eine Ausstellungsfläche von 25.000 Quadratmetern, pro Jahr werden 16 Messen aus unterschiedlichen Bereichen sowie immerzu wieder neue Branchentreffs und Formate abgehalten. Die Gesamtwirtschaftsleistung des abgelaufenen Jahres betrug 9,8 Millionen Euro.