Mit einer Anfrage wollte Paul Köllensperger, Landtagsabgeordneter des Team K, Licht ins Dunkel bringen: „Es gibt viele Vorteilskarten für Touristen. Manche basieren beispielsweise auf dem Südtirol GuestPass, der die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht“, schreibt er. <BR /><BR />Zur Mobilität sind in einigen Tourismusdestinationen Zusatzleistungen inkludiert, sodass der Südtirol GuestPass noch weitere Vorteile bietet. „Ich wollte Klarheit schaffen, aber leider hat Landesrat Walcher eine ausweichende Antwort gegeben“, findet Paul Köllensperger. <BR /><BR />Walchers Antwort sieht so aus: Keine Übersicht über die einzelnen Karten, sondern der Hinweis darauf, dass die jeweiligen Informationen bei den Tourismusvereinen aufliegen. „Das Land verteilt Geschenke, um Touristen nach Südtirol zu locken“, wettert daraufhin Paul Köllensperger, „das haben wir nicht nötig; wir müssen im Tourismussektor dringend umdenken.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-69331387_quote" /><BR /><BR />Die Touristiker argumentieren anders. „Es handelt sich nicht um Geschenke, sondern um Angebote, die direkt vom gastgewerblichen Betrieb und indirekt vom Gast bezahlt werden“, präzisiert Tourismuslandesrat Luis Walcher in seiner Antwort. Manche Gemeinden, die ein solches Angebot haben, müssten hart kämpfen, um die touristischen Präsenzen zu halten. <h3> „RittenCard ist ein Auslastungsbeitrag“</h3>Am <Fett>Ritten</Fett> beispielsweise gibt es die RittenCard, ein Südtirol GuestPass mit Zusatzleistungen. 90 Prozent der Betriebe haben sie im Übernachtungspreis inklusive. Urlauber können damit nicht nur die Öffis nutzen, sondern bekommen auch freien Eintritt in die Schwimmbäder von Oberbozen und Klobenstein und das Seebad am Wolfsgrubener See. „Konventionen zwischen Betreibern von gastgewerblichen Betrieben und öffentlichen Schwimmbädern haben den Vorteil, dass nicht jeder Betrieb ein Schwimmbad baut“, heißt es in der Antwort von Landesrat Luis Walcher auf Köllenspergers Anfrage. Es sei eine Bewerbung des lokalen Zusatzangebots und ein Auslastungsbeitrag, meint der Tourismusverein Ritten. Finanziert werden die Zusatzleistungen von den Mitgliedsbetrieben, die eine Abgabe pro Nächtigung entrichten. <BR /><BR /> Gleichzeitig gibt es den RittenPass, den Einheimische erwerben können, um das lokale Freizeitangebot günstiger zu nutzen (siehe unten). <h3> Zanotti: „Win-win-Situation“</h3>„Mit der BrixenCard binden wir die Gäste an einen Ort und an die regionalen Freizeiteinrichtungen und stärken letztere. Das ist eine Win-win-Situation“, sagt auch Werner Zanotti, Geschäftsführer von <Fett>Brixen</Fett> Tourismus. Neben der kostenlosen Nutzung der Öffis kann man mit der BrixenCard drei lokale Museen besuchen und für drei Stunden in der Acquarena schwimmen (ausgenommen Sonn- und Feiertage). Insbesondere für Unterkünfte, die weder mit einem Hallenbad noch mit einer Sauna aufwarten können, sei das ein tolles Produkt. Bezahlt wird das Ganze über eine Umlagefinanzierung: „Die Betriebe bezahlen für die Nächtigung, unabhängig davon, ob der Gast die Karte nutzt oder nicht“, erklärt Zanotti. <BR /><BR />Im <Fett>Burggrafenamt</Fett> beinhaltet der Südtirol GuestPass nur die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Man wollte eine einheitliche Regelung für alle Destinationen im Meraner Land machen. „Die Mobilität reicht vollkommen. Viele unserer Unterkünfte haben Schwimmbäder dabei“, so Klaus Mair, Präsident des Tourismusvereins Dorf Tirol. <h3> Erneuter Vorstoß</h3><div class="img-embed"><embed id="1149588_image" /></div> <BR />Günstige Tarife und ein Freizeitticket für Südtirolerfordert auch der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion, Bild). Er hat bereits im letzten Jahr einen Beschlussantrag im Landtag eingereicht, der knapp abgelehnt wurde. Jetzt startet er erneut einen Versuch: „Die lokale Bevölkerung soll Aufstiegsanlagen, Museen, Schwimmbäder und andere vom Land mit Steuergeldern finanzierte Einrichtungen zu einem günstigen Tarif nutzen dürfen.“ Das sei eine kleine Entschädigung für die vom Tourismus mitbefeuerten hohen Lebenshaltungskosten.<h3> Von „my card“ bis „GaudiCard“ – so wird Einheimischen ein günstigerer Freizeitspaß ermöglicht</h3>Auf Vorbild der „GuestPass BrixenCard“, einer Vorteilskarte für Urlauber, entstand „myCard“, eine Karte für die Brixner Bevölkerung. „Das Projekt wird über die Gemeinden querfinanziert und ist dem Freizeitticket im Bundesland Tirol sehr ähnlich“, erklärt Werner Zanotti, Geschäftsführer von Brixen Tourismus. „Die Karte wird sehr gut angenommen.“ Man kann sie für den Winter und/oder den Sommer erwerben. Die „myWintercard“ kostet für einen Erwachsenen, der auch Inhaber der „mySummercard“ ist, 499 Euro. <BR /><BR />Ähnliches gibt es am Ritten. Personen, die in der Gemeinde den Erstwohnsitz haben, können den „RittenPass“ kaufen. Er wird von der Rittner Horn Bergbahn AG ausgegeben. Im „RittenPass“sind der Eintritt in diverse Schwimmbäder und eine Saisonkarte der Bergbahn Rittner Horn inkludiert. Die Preise für 2025 sind noch nicht bekannt, im Vorjahr bezahlte ein am Ritten ansässiger Erwachsener 119 Euro. <BR /><BR />Seit November gibt es landesweit die „GaudiCard“, die nach dem 1+1-Gratis-Prinzip funktioniert. Egal ob Skifahren, wellnessen oder ein Besuch in der Pizzeria – bei jedem Besuch in einem Partnerbetrieb erhalten „GaudiCard“-Besitzer einen freien Eintritt dazu. Die Karte kostet aktuell 122 Euro. „Wir verdienen nur am Kartenverkauf. Die Betriebe sind alle kostenlos dabei“, erklärt Unternehmer Raphael Gasser das Prinzip. Würden alle Kunden alle zusätzlichen Erlebnisse einlösen, käme man auf eine Summe von 8.000 Euro. Die „GaudiCard“ ist ein Jahr gültig und nur digital erhältlich. „Knapp 3.000 Leute nutzen die Karte bereits“, erzählt Gasser. Wöchentlich kommen neue Partnerbetriebe hinzu und man hat noch viel vor. „Das ist ein sich entwickelndes Projekt und bisher sind wir sehr zufrieden“, so Gasser. <h3> Bundesland Tirol: Vorbild mit Problem</h3>Seit 2006 gibt es im Bundesland Tirol das „Freizeitticket“. Skigebiete, Eislaufplätze, Hallen- und Freibäder und andere Freizeiteinrichtungen können relativ günstig ein Jahr genutzt werden. Dann klagte der Verein für Konsumenteninformation 2024, weil das Ticket nur Einheimischen vorbehalten war. Das verstieß gegen die von der EU vorgegebene Gleichheitsbehandlung (Geoblocking). Die Klage wurde zurückgezogen, aber das Ticket für alle verteuerte sich – von 755 auf 872 Euro. Tirol sucht nach Lösungen. Landeshauptmann Anton Mattle reiste vergangene Woche nach Brüssel. Er beharrt darauf, dass Einheimischen-Tarife gerechtfertigt seien, um (touristische) Belastungen auf faire Art auszugleichen.