Freitag, 24. März 2017

„Hatte keine Ahnung, wer die Chippendales sind“

Gestählte Muskeln, enge Outfits, verführerische Bewegungen: Nach 4 Jahren kehren die weltbekannten Tänzer der Las Vegas Chippendales nach Südtirol zurück. Mit im Gepäck: jede Menge Testosteron und Männertypen für jeden Geschmack. Tänzer Joey Peña lässt im STOL-Interview hinter die Kulissen einer der heißesten Shows der Welt blicken.

Eine Mischung aus gestählten Männerkörpern, tollen Tanzbewegungen und super Showeinlagen: Das sind die Chippendales.
Eine Mischung aus gestählten Männerkörpern, tollen Tanzbewegungen und super Showeinlagen: Das sind die Chippendales. - Foto: © shutterstock

Es klingelt lange, bis Joey Peña am anderen Ende der Leitung antwortet. Er müsse nur schnell das Interview am anderen Telefon beenden, erklärt der Chippendale. Nach 10 Sekunden ist er wieder am Hörer. Es ist später Vormittag im kalifornischen San Diego, und Joey kocht Frühstück. Eier, um genau zu sein. Ein spätes Frühstück ist nicht ungewöhnlich für das ehemalige Model: „Ich habe eine lange Nacht hinter mir, da frühstücke ich schon öfters gegen 11 Uhr“, lacht der 33-Jährige. Zwischen Herdplatte und Salzstreuer nimmt er sich aber trotzdem Zeit für ein Gespräch. Seit 4 Jahren ist Joey bei der Tanzgruppe aus Las Vegas, mittlerweile ist er einer der alten Hasen. Auf Südtirol freut er sich besonders – und auf den Wein.

STOL: Joey, du hast einen ziemlich einzigartigen Job. Wie wird man ein Chippendale?

Joey Peña: Normalerweise werden die Jungs im Zuge von Vorstellungsgesprächen ausgewählt. Zu jedem Termin melden sich im Durchschnitt 100 bis 200 Leute, aus denen schließlich einer ausgewählt wird. Ich hatte etwas mehr Glück: Mein Model-Agent verschaffte mir ein privates Vorsprechen, womit ich dem ganzen Zirkus entgehen konnte. Das Lustige ist: Ich wusste damals nicht einmal, wer oder was die Chippendales sind.

STOL: Also war es eigentlich nie dein Plan, ein Chippendale zu werden?

Peña: Nein, das war es wirklich nicht. Wie gesagt, ich wusste ja nicht einmal, was das überhaupt sein sollte. Also riet mir mein Agent, ich solle mir einfach eine Show ansehen. Das habe ich dann auch getan. Und es war fantastisch! Die Jungs waren absolut unglaublich und vor allem sah es so aus, als hätten sie wahnsinnig viel Spaß auf der Bühne. Und nach 4 Jahren kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: Es macht wirklich viel Spaß.

STOL: Es ist fast 11 Uhr an einem Donnerstag, du bist daheim und frühstückst gerade, weil du eine lange Nacht hattest. Ist das ein normaler Tag im Leben eines Chippendale?

Peña: Ehrlich gesagt ist das heute überhaupt kein normaler Tag für mich, weil ich endlich mal wieder zu Hause bin. Das passiert mir sonst nicht oft. Wir sind 300 Tage im Jahr unterwegs, und wenn wir reisen, ist jeder Tag mehr oder weniger der gleiche. Wir wachen auf, steigen in den Bus und fahren in die Stadt, in der wir den nächsten Auftritt haben. Wir geben Interviews, gehen ins Fitness-Studio, bereiten uns auf die Show vor, manchmal treffen wir Fans. Und dann ist es auch schon Zeit, sich für den Auftritt vorzubereiten. Wir treten auf, machen ein paar Fotos, gehen auf die Aftershowparty – und dann geht es auch schon wieder von vorne los.

STOL: Was ist der schönste Aspekt daran, Chippendale zu sein?

Peña: Definitiv das Reisen. Ich kann gar nicht sagen, wie viele wunderschöne Orte ich während meiner Zeit als Chippendale schon bereisen durfte. Wir haben zwar meistens einen straffen Terminkalender, aber manchmal haben wir auch die Zeit, uns die Orte anzusehen, vor allem in größeren Städten oder in Ländern, wo wir mehr Zeit verbringen.

STOL: Was war ein persönliches Highlight?

Peña: In meiner Zeit als Chippendale würde ich jetzt sagen: Tahiti. Und Norwegen. Norwegen war wunderschön.

STOL: Als Kalifornier in Norwegen? Wie hast du denn die kalten Temperaturen ausgehalten?

Peña: Gar nicht (lacht). Ich trug immer eine dicke – und ziemlich teure – Jacke und feste Stiefel und bin trotzdem armselig erfroren.

Ist bereits ein alter Hase bei den Chippendales: Joey Peña. - Foto: The Chippendales

STOL: Gibt es denn auch schlechte Seiten an deinem Beruf?

Peña: Das wäre wieder das Reisen. Oft hat man eine tolle Zeit, die Anreise läuft super, das Hotel ist spitze, alles passt. Und dann gibt es Reisen, wo du nach 25 Stunden endlich im Hotel ankommst – und dann ist dein Zimmer noch nicht bezugsfertig. Wir haben oft schon stundenlang im Eingangsbereich gewartet. Manchmal kommen wir spät abends an und dann ist alles geschlossen, man kriegt nichts mehr zu essen. Deshalb sagen wir mittlerweile: „Don’t fight travel day“. Das bedeutet: Sei auf alles vorbereitet. Nimm etwas zu essen mit, etwas Wasser, lade alle Geräte auf und bereite dich einfach auf einen schrecklichen Reisetag vor, dann wirst du nicht überrascht.

STOL: Was macht die Chippendales deiner Meinung nach so besonders, was unterscheidet sie von anderen Gruppen?

Peña: Das ist eine tolle Frage und ich bin froh, sie gestellt zu bekommen. Wir haben einen ganz eigenen Zugang zu dem, was wir machen und legen uns mehr ins Zeug als die anderen. Aber was uns wirklich von anderen unterscheidet ist: Jeder von uns hat ganz eigene Qualitäten, ein eigenes Talent. Wir haben zum Beispiel Justin Rhodes, der bei der Show „America’s Got Talent“ aufgetreten ist und jetzt auf der Bühne der Chippendales singt. Wir haben Mozart, der in einer Band Gitarre gespielt hat. Ein trainierter Körper bringt dich nur durch die Tür, den Rest musst du mit Talent und Charme wettmachen, ansonsten wird man kein Chippendale. Und das ist auch unser Rezept: Wir nehmen all diese prächtigen Männer, mischen sie mit den neuesten Hits, geben sie in eine Broadway-Produktion und verzieren das Ganze mit etwas Verführung. Schon hat man die Chippendales.

STOL: Was ist dein besonderes Talent?

Peña: Naja (lacht). Also singen kann ich nicht. Besser gesagt: Ich kann singen, aber ich klinge wie Johnny Cash. Was mich von den anderen hervorhebt ist, dass ich ein guter Performer bin. Ich habe mein Publikum absolut in der Hand, bin eins mit unseren Gästen. Das macht mich aus.

STOL: Weil wir gerade beim Publikum sind: Die Chippendales ziehen vorwiegend Frauen an. Gibt es auch Männer in eurem Publikum?

Peña: Ja, da sind absolut auch Männer. Sicher, unsere Show ist auf Frauen ausgelegt. Aber wir freuen uns eigentlich über jeden Fan. Es macht unser Publikum vielfältiger.

STOL: Gab es denn einen Moment mit einem Fan, der völlig verrückt war?

Peña: In vier Jahren gab es massenweise solcher Momente. Da heißt es einfach lächeln und weitermachen, denn das gehört zum Leben eines Chippendale dazu. Da war einmal eine Frau, die plötzlich auf die Bühne stürmte und anfing, sich auszuziehen – vor 2000 Leuten. Sie hatte ihren BH in der Hand, bevor die Sicherheitsmänner sie überhaupt erreichen konnten.

STOL: Aber es ist nie was Schlimmes passiert?

Peña: Schlimm eigentlich nicht. Einmal kam ein Typ auf mich zu, der mir vorwarf, ich hätte mit seiner Freundin geschlafen. Dabei muss man bedenken: Ich hatte keine Ahnung wer er war, noch wer seine Freundin war. Vielleicht hatte sie ihm gesagt, sie hätte mit EINEM Chippendale geschlafen, und er ging einfach davon aus, dass ich es war. Irgendwann hat er dann verstanden, dass ich nichts mit seiner Freundin zu tun hatte – ich wusste ja nicht mal, von wem er sprach.

STOL: Habt ihr öfter mit eifersüchtigen Freunden zu tun?

Peña: Nein, das ist es ziemlich selten. Die meisten Mädels kommen, um zu feiern und haben ihren Freunden schon erzählt, dass sie zu den Chippendales gehen. Vielleicht stört das den einen oder anderen, aber das ist ja nicht unser Problem. Aber normalerweise gibt es nicht viele Jungs, die ihre Freundin davon abhalten würden, einen lustigen Abend mit ihren Mädels zu verbringen.

STOL: Wie ist es denn bei euch? Kann man als Chippendale eine normale Beziehung führen?

Peña: Das kommt darauf an. Es wird nie möglich sein, ein Mädchen zu finden, das mit unserem Job kein Problem hat und total locker damit umgehen kann. Aber wenn man eine Frau findet, kein Mädchen, sondern eine starke, aufgeklärte Frau, die weiß, wer sie ist, und wenn man auf absolute Transparenz in der Beziehung setzt, dann klappt es. Man muss nur sichergehen, dass man alles dafür gibt, dass die Beziehung funktioniert.

STOL: Wie lange bleibt man ein Chippendale?

Peña: So lange man will und so lange man sich wohl fühlt, würde ich sagen. Wir hatten einen Chippendale, der fast 50 Jahre alt war – und er hatte den Job besser drauf als die Jüngeren. Er sah einfach toll aus und war der Hit auf der Bühne.

STOL: Noch eine Frage zum Abschluss: Warst du denn schon mal hier in Südtirol?

Peña: Nein, ich war noch nie in Italien. Meine Mutter ist Sizilianerin und ich wollte immer schon mal in eure Gegend kommen. Ich werde mir eine gute Flasche Wein suchen und mit nach Hause nehmen.

Interview: Elisabeth Turker/Lisa Comploj

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Am 25. März gastieren die Chippendales im Bozner Waltherhaus. Kartenvorverkauf: in allen Athesia Buchhandlungen, Bazar (Bozen), Non Stop Music (Meran) und online unter www.ticketone.it. Infos unter der Nr. 0473 270256 oder [email protected]

stol