Die nach einer griechischen Göttin benannte Mission „Hera“ der europäischen Raumfahrtagentur ESA soll dazu beitragen – starten soll sie am 7. Oktober 2024 mit einer SpaceX-Falcon-9-Rakete von Cape Canaveral, Florida. <BR /><BR />Hera soll prüfen, was der im September 2022 erfolgte Einschlag der Sonde „Dart“ (Double Asteroid Redirection Test) der US-Raumfahrtagentur NASA auf Dimorphos, dem kleinen Mond des Asteroiden Didymos, angerichtet hat. Wie schaut der rund 160 Meter lange Brocken jetzt aus? Hat er einen Krater, wurde er verformt? Wie schwer ist er? „Diese Fragen wird Hera beantworten“, sagt der Asteroidenexperte Detlef Koschny, Professor für Lunare und Planetare Exploration an der Technischen Universität München. Die Mission sei damit ein wichtiger Beitrag zum Thema Planetenverteidigung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1078269_image" /></div> <BR /><BR />Hera wird Dimorphos untersuchen, um Wissenschaftlern zu helfen, zu verstehen, wie DART seine Oberfläche umgestaltet und seine Umlaufbahn verändert hat. Der Besuch des Asteroiden nach dem Einschlag wird es Hera auch ermöglichen, seinen Untergrund zu untersuchen und unser Verständnis von Asteroiden im gesamten Sonnensystem zu erweitern.<h3> Warum Hera wichtig ist</h3>Hera ist der Beitrag der ESA zu einem internationalen Planetenschutzprogramm namens Asteroid-Impact-and- Deflection-Assessment-(AIDA)-Collaboration. Dieses Doppelmissionsprogramm umfasst DART als ersten Schritt und Hera als zweiten.<BR /><BR />Der Zweck von AIDA besteht darin, mehr über die Ablenkung von Asteroiden zu erfahren, um sich auf ein mögliches zukünftiges Szenario vorzubereiten, in dem ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde entdeckt wird. Indem wir genau lernen, was passiert, wenn wir versuchen, einen Asteroiden zu bewegen, indem wir ein Raumschiff darauf prallen lassen, können wir diese Ablenkungstechnik verfeinern und unsere Chancen verbessern, einen gefährlichen Asteroiden in Zukunft erfolgreich von unserem Planeten wegzubewegen.<h3> Was Hera tun wird</h3>Nach dem Start Anfang des nun folgenden Oktobers wird Hera eine zweijährige Reisephase beginnen. Im März 2025 wird die Raumsonde am Mars vorbeifliegen und dabei die Schwerkraft des Planeten nutzen, um ihre Flugbahn in Richtung Didymos und Dimorphos anzupassen und zu beschleunigen. Hera wird ihre wissenschaftlichen Instrumente nutzen, um den Mars und den kleineren Mond Deimos des Planeten beim Vorbeiflug zu untersuchen.<h3> Hera bei Dimorphos</h3>Nach der Ankunft im Didymos-System wird Hera in eine Umlaufbahn um das Asteroidenpaar eintreten. Die Raumsonde wird hochauflösende visuelle, Laser- und Funkkartierungen von Dimorphos durchführen, um detaillierte Karten seiner Oberfläche und seiner inneren Struktur zu erstellen. Der gesamte Mond wird mit einer Auflösung von etwa einem Meter vermessen, mit einer noch höheren Auflösung in der Nähe des DART-Einschlags.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1078272_image" /></div> <BR /><BR />Hera wird auch die Masse von Dimorphos und seine Umlaufbahn um Didymos messen und so detailliertere Daten über die Folgen des DART-Einschlags liefern.<BR /><BR />Etwa sechs Wochen nach der Ankunft bei den Zielasteroiden wird Hera zwei CubeSats namens Milani und Juventas einsetzen. Diese CubeSats werden Hera dabei helfen, die chemische Zusammensetzung der Oberfläche von Dimorphos zu messen und seinen Untergrund zu untersuchen.<BR /><BR />Hera könnte seine Mission mit einer Landung auf Dimorphos beenden, obwohl diese Möglichkeit vom Missionsteam noch geprüft wird.<h3> Zeitleiste der Hera-Mission</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1078275_image" /></div> <BR />Eine Darstellung der Phasen der Hera-Mission, einschließlich einer möglichen Landung auf dem Asteroiden Dimorphos. Das Schaubild oben ist – wie in diesen wissenschaftlichen Bereichen üblich – in englischer Sprache abgefasst. <BR /><BR />Dabei gilt es, die wichtigsten Schritte in deutscher Sprache zu übertragen: „early characterisation phase - measuring Dimorphos mass and dynamics“ = frühe Charakterisierungsphase - Messung von Masse und Dynamik von Dymorphos, „Cubesat release“ – Aussetzung der Cube-Sat-Sonden, „detailed characterisation phase: measuring Dimorphus surface and interior properties“ = Detaillierte Charakterisierungsphase: Messung der Oberflächen- und Inneneigenschaften von Dimorphus, „very low altitude detailed investigation“ = detaillierte Untersuchung aus sehr niedrige Flughöhe, „autonomous proximity operations demonstration“ = Demonstration autonomer Operationen im Nahbereich. <h3> Bonus-Wissenschaft</h3>Während Heras Hauptziel darin besteht, unser Verständnis der Asteroidenablenkungstechnik mit kinetischen Impaktoren zu erweitern, wird die Untersuchung von Dimorphos einige Bonus-Wissenschaft hervorbringen.<BR /><BR />Zunächst einmal wird Hera unser Verständnis von Asteroiden im Allgemeinen erweitern. Anders als Planeten und Monde, die sich seit ihrer Entstehung alle verändert haben, sind Asteroiden seit den frühen Tagen des Sonnensystems größtenteils durch den Weltraum getrieben, unverändert durch tektonische oder atmosphärische Aktivitäten. Daher können sie als makellose Aufzeichnungen des frühen Sonnensystems dienen.<BR /><BR />Indem wir mehr über alle verschiedenen Arten von Asteroiden erfahren, können wir unser Verständnis der frühen Bedingungen des Sonnensystems erweitern. Dimorphos wird der kleinste Asteroid sein, der jemals von einem Raumfahrzeug besucht wurde, und möglicherweise neue Erkenntnisse über diese Klasse von Planetenkörpern liefern.<BR /><BR />Hera wird uns auch die Kollisionsphysik und das Kraterverhalten beibringen, die bisher nur auf der Erde in sehr kleinem Maßstab modelliert und getestet wurden. Indem wir mehr darüber lernen, wie Einschläge im Weltraum tatsächlich funktionieren, kann Hera Aufschluss darüber geben, wie Planetenkörper in den frühesten Stadien der Geschichte des Sonnensystems zusammenkamen.