Mimmo Sergi ist aufgebracht. „Was sind das nur für Menschen, die einen Hund aussetzen?“ Der gebürtige Kalabrese, erschöpft von der langen Autofahrt, war gerade aus dem Urlaub zu Hause angekommen, als ihn der Anruf aus der STOL-Redaktion am frühen Freitagnachmittag erreichte. Im Gepäck: Ein süßer Mischling mit weichem Fell und lieben Augen. Ein Hund, der von seinen vorherigen Besitzern ausgesetzt worden war. Mimmo Sergi und Rocco auf einer Rastplatz nahe Rom - Foto: Facebook/Mimmo Sergi„Meine Frau und ich haben unseren Urlaub in einem kleinen Ort im Süden von Kalabrien verbracht. Dort fiel uns ein Hund auf, der herrenlos durch die Straßen lief. Zunächst dachten wir uns nichts dabei“, erzählte Sergi. Erst nach mehreren Tagen begann sich das Ehepaar zu wundern, dass der Hund so ganz alleine durch das Dorf spazierte. Die Bewohner gaben ihm zu fressen, wussten aber selbst nicht, wem der Hund gehörte. Irgendwann wurde klar: Der Mischling war ausgesetzt worden.„Wie können solche Menschen nur ruhig schlafen?“„Ich kann es nicht begreifen: Wie kann jemand seinen Hund aussetzen? Das ist doch, als würde man ein Familienmitglied verlassen.“ Auch zwei Tage später ist Mimmo Sergi aufgebracht. Für ihn und seine Frau war sofort klar: Sie können den Hund nicht einfach so aufgeben. „Meine Frau bestand darauf, dass wir ihn mit nach Hause nehmen – und genau das haben wir gemacht.“Während der Heimreise dokumentierte Sergi, was ihm und seiner Frau widerfahren war. In einem Facebook-Video zeigte er den im Auto schlafenden Mischling: „Ist er nicht süß? Wie kann man nur einen Hund aussetzen? Können diese Leute noch ruhig schlafen?“, fragte sich Sergi. Der Familienvater, der seit mittlerweile 40 Jahren in Tramin wohnt, hat bereits eine Hündin und zwei Katzen: „Ich freue mich, noch einen Hund zu haben. Jetzt hoffe ich nur, dass sich auch alle vertragen.“Jedes Haustier braucht ein ZuhauseRocco, so wurde der Mischling getauft, wurde bei der Ankunft in Südtirol sofort zum Tierarzt gebracht. Ihm fehlte nichts – außer ein Mikrochip: „Das tut mir ehrlich gesagt leid. Ich würde nur zu gerne wissen, wer den Hund ausgesetzt hat. Solche Leute sollte man anzeigen. Aber auch dann würde ihnen vermutlich nicht viel passieren, da die Strafen hierzulande meiner Meinung nach viel zu lasch sind“, so Sergi.Trotzdem lenkt der Tierliebhaber ein: „Es kann ja sein, dass die vorherigen Besitzer das Tier gar nicht freiwillig aufgegeben haben. Rocco ist gepflegt und definitiv ein Haushund, kein Straßenköter. Vielleicht gab es Umstände, die es unmöglich gemacht haben, den Hund zu behalten.“ Das Aussetzen eines Haustieres sei jedoch auf keinen Fall die Lösung: „Wer sein Haustier, aus welchen Gründen auch immer – Allergien, Umzug und ähnliches – nicht behalten kann, sollte versuchen, ein neues Zuhause dafür zu finden. Das wäre das Mindeste. Auch ein Tierheim sollte erst die allerletzte Instanz sein.“ stol/liz