Sonntag, 06. November 2016

Ihr Weg zurück ins Leben

Vor zwei Jahren stürzte die deutsche Bergsportlerin und Model Gela Allmann (32) in Island rund 800 Meter über einen steilen, eisigen Hang. Mit letzter Kraft konnte sie den Sturz stoppen und überlebte schwerst verletzt. Gestern war sie für einen Motivationsabend in Bozen und erzählte der „Zett“ ihre Geschichte.

Foto/copyright: zett.it
Foto/copyright: zett.it

Zuerst zerschellten ihre Knie, dann die Schulter. Muskeln rissen, Bänder, Sehnen und die Hauptarterie des rechten Beins auch. Denn das Model rutschte während eines Fotoshootings auf einem Berg in Island in 1000 Metern Höhe plötzlich ab. „Ich hatte den Fotografen im Auge, deshalb achtete ich nicht genug darauf, wo ich hintrete“, erzählt die Dachauerin.

Ein falscher Schritt, dann kam es zum fatalen Sturz. „Ich bin über das Eis gerutscht, gerollt und auf Felsen geknallt. Ich fühlte mich wie ein Crashtestdummie.“ Während des Sturzes realisierte Allmann, wie Knochen für Knochen brach. Schmerzen hatte sie während des 800-Meter-Rutsches keine. „Warum werde ich nicht bewusstlos?“, fragte sie sich. „Warum muss ich das alles miterleben?“

Es hatte seinen Sinn, denn so entging Gela Allmann um Haaresbreite dem sicheren Tod. Mit letzter Kraft konnte sich die damals 30-Jährige in den Schnee krallen und kam zum Stehen – hinter ihr der Abgrund. Dann schossen die Schmerzen ein. „Die waren wirklich grausam“, erzählt die Bergsportlerin heute. Wahnsinniges Glück Heute, zwei Jahre später, geht Allmann wieder auf Berge, fährt Mountainbike, Rennrad und schwimmt. Nur der Abstieg funktioniert noch nicht ganz. „Deshalb kann ich nur auf Berge mit Seilbahnen.“

Trotzdem hatte sie wahnsinnig großes Glück. Und sie hat es wohl ihrer Kämpfernatur zu verdanken, dass sie heute wieder voll im Leben steht.

„Es war ein langer Prozess, bis ich akzeptiert hatte, was passiert ist. Dann wurde mir klar, dass das ein Wunder war.“ Dieser Gedanke veranlasste sie dazu, die Chance auf ein neues Leben zu nutzen. Völlig bewegungslos Neun Stunden lang dauerte die Notoperation. Nach zwei Wochen im Krankenbett konnte sie gerade mal einen ihrer Finger bewegen. Damit schrieb sie auf ihrem Laptop bereits Tagebuch, das später Teil ihres Buches wurde.

Ihr Partner und ihre Familie standen Allmann stets zur Seite. „Ohne deren Unterstützung hätte ich es sicherlich sehr viel schwerer gehabt“, sagt sie. Allmann hatte immerzu das Bild von sich im Kopf, wie sie wieder – wie früher – Berge besteigt. Das trieb sie an.

Ihre positive Lebenseinstellung will Allmann auch an andere weitergeben. Deshalb tourt sie momentan durch Deutschland, Österreich und Italien – unter anderem war sie vorgestern in Bruneck und gestern in Bozen. Sie möchte vermitteln, dass es sich lohnt, um sein Glück zu kämpfen. Eine positive Lebenseinstellung sei dafür grundlegend. Sie hilft damit Menschen, die in einer Krise stecken. Und wen, wenn nicht sie, könnte man sich da zum Vorbild nehmen?

Z/ast

stol