Freitag, 06. März 2020

In den Fußstapfen der Römer: Via Appia wird europäischer Wanderweg

Von Rom bis zur süditalienischen Adria-Stadt Brindisi wird der legendäre Weg römischer Soldaten, Kreuzritter und Pilger führen. 2330 Jahre nach Baubeginn soll die „verlorene Straße“ als europäischer Wanderweg eine Zukunft haben.

Der Bau der Via Appia begann vor über 2000 Jahren. Nun soll sie als europäischer Wanderweg wieder aufgewertet werden.
Der Bau der Via Appia begann vor über 2000 Jahren. Nun soll sie als europäischer Wanderweg wieder aufgewertet werden. - Foto: © Shutterstock
Die Via Appia ist die „Königin“ der großen europäischen Straßen. Über 540 Kilometer führt die legendäre Römerstraße von Rom ins süditalienische Brindisi, dem Tor zum Osten und zum südlichen Mittelmeerraum. Jahrhunderte der Vernachlässigung haben sie beinahe zerstört. 2330 Jahre nach Baubeginn soll die „verlorene Straße“ als europäischer Wanderweg eine Zukunft haben.

20 Millionen Euro macht Italien für das ehrgeizige Projekt locker. Der Betrag wird zur Wiederherstellung der „Mutter aller Straßen Europas“ in ihrem ganzen Verlauf dienen, die in den Jahrhunderten demoliert, verwahrlost, vergessen und zubetoniert wurde. Dabei ist die Via Appia, die 1000 Jahre älter als der Jakobsweg ist und schon von Horaz beschrieben wurde, die Straße römischer Soldaten, der Handelsleute, Pilger, Geistlichen und der Kultur, die Rom mit dem nordafrikanischen Mittelmeerraum verband.

Aus 29 Etappen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads wird die Wanderung auf der „Regina Viarum“, der Königin aller Straßen, bestehen, berichtete Kulturminister Dario Franceschini bei der Vorstellung des Projekts in Rom.

Die Finanzierungen dienen der genauen Nachzeichnung der Straße, der Beschilderung, sowie der Suche nach Lösungen für Teile des antiken Wegs, die bebaut wurden. Dies gilt unter anderem für einen Teil des Weges in der süditalienischen Stadt Tarent, auf dem die Öfen des Stahlwerks Ilva entstanden sind. Geplant ist auch die Restaurierung einiger Denkmäler entlang der Via Appia, die bereits in 2 Jahren als europäischer Wanderweg vorgestellt werden soll.

Die Initiative zur Wiederbelebung der Via Appia ist auf den italienischen Reisejournalisten Paolo Rumiz (72) zurückzuführen. An der Spitze eines vierköpfigen Forschungstrupps zog der aus Triest stammende Rumiz im Frühjahr 2015 los, um zu Fuß von Anfang bis zu ihrem Ende die Straße wieder zu entdecken, die in Römerzeiten Soldaten, Händler und später Kreuzritter und Pilger beschritten.

Insgesamt eine Million Schritte

29 Tage dauerte der Marsch, insgesamt eine Million Schritte. Sein Abenteuer auf den Spuren des Heiligen Petrus, der Langobarden, Sarazenen und Normannen beschreibt Rumiz in seinem Werk „Via Appia – Auf der Suche nach einer verlorenen Straße“, das 2019 im Folio-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist.

Rumiz, der in seiner langen Karriere als Journalist und Reiseautor unter anderem die Strecke von Triest bis Istanbul mit dem Fahrrad zurücklegte, hat sich in den letzten Jahren stark eingesetzt, damit die Via Appia, dieses „auf skandalöse Weise vernachlässigte Gut Italiens“, zu neuem Leben erwacht. Seit der Veröffentlichung seines Buches 2016 haben die Menschen begonnen, Wanderungen auf der Via Appia zu unternehmen.

Dem Kulturministerium legte der Autor die genaue Nachzeichnung der Straße vor, die er nach seiner Reise entworfen hat. Mit seiner Lebensgefährtin Irene Zambon organisierte er eine Ausstellung mit Fotos, Videos und Dokumenten zum Thema „Die wiedergefundene Via Appia“, die in mehreren Städten entlang der legendären Straße gezeigt und in 3 Jahren von über 60.000 Personen besucht wurde.

„Die Via Appia durchquert 4 Regionen – Latium, Kampanien, Basilika und Apulien. Auf diesem Weg spürt man, dass man auf einem legendären Weg wandelt“, sagte Rumiz bei der Vorstellung des Projekts. Italiens Kulturminister Franceschini sieht für die Via Appia eine Zukunft als großer europäischer Wanderweg nach Vorbild des Jakobswegs.

„Die 'Regina Viarum' vereint Regionen mit außerordentlichem kulturellen, archäologischen und landschaftlichen Reichtum. Sie hat alle Eigenschaften, um zu einem beliebten europäischen Wanderweg zu werden. Daher haben wir beschlossen, in dieses Projekt zu investieren. Kultur kann zur wirtschaftlichen Entwicklung Süditaliens beitragen“, sagte Franceschini.

apa