Montag, 17. September 2018

Innsbrucker Forscher bringen Krebszellen zum Leuchten

Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck wollen Krebszellen im Dickdarm mittels Nanopartikeln zum Leuchten bringen, um Tumore besser sichtbar zu machen.

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Die Forschungsgruppe hat in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt nach Wegen gesucht, um Krebszellen mit leuchtenden Substanzen zu markieren, um bei einer vorsorglichen Darmspiegelung auch kleinste Tumore erkennen zu können.

Dickdarmkrebs ist die in unseren Breiten am zweithäufigsten auftretende Variante von Krebs. Im Frühstadium lasse sich der Dickdarmkrebs gut therapieren, da sich der Tumor einfach entfernen lässt. Meist werde der Krebs aber erst sehr spät entdeckt, in einem Stadium, in dem die Behandlung bereits sehr schwierig sei, teilte die Med-Uni Innsbruck in einer Aussendung mit.

„Das Darmkrebs-Screening ist eigentlich eine sehr gut Vorsorge. Doch es gibt hier eine Lücke, weil einige Prozent der Karzinome nicht erkannt werden“, erklärte der Biologe Paul Debbage von der Med-Uni. Um diese Lücke zu schließen, entwickelten unter der Leitung von Debbage Forscherteams in Portugal, Norwegen und Innsbruck fluoreszierende Nanopartikel, die sich an die Zell-Membranen der Krebszellen binden sollten. „Bei einer Darmspiegelung sieht der Mediziner, der die Untersuchung durchführt, eine rosafarbene Welt. Hier müssen die Krebszellen stark aufleuchten, um gerade im frühen Stadien des Krebses gut erkennbar zu sein“, so Debbage.

Bei dem in Innsbruck gewählten Zugang basieren die Nanopartikel auf einem Bestandteil des Blut-Serums. „Sie tragen auf der einen Seite einen Farbstoff und auf der anderen Seite einen Antikörper des Immunsystems“, sagte Gudrun Thurner, Mitglied der Innsbrucker Gruppe. Antikörper können bestimmte Eiweißstrukturen erkennen, um im Körper Krankheitserreger auszuschalten. Die hier verwendeten Antikörper sollen ein bestimmtes Eiweiß in der Zellmembran der Krebszellen erkennen und sich daran binden. Dies sei jedoch nicht der einzig mögliche Zugang. Das Team in Portugal arbeite mit Nanopartikel aus Gold und jenes in Norwegen mit solchen aus Kunststoff. Allen drei Teams sei es gelungen, an Mäusen zu zeigen, dass die Methode funktioniere.

Die Umsetzung sei jedoch schwierig. „Nanopartikel sind komplex wie kleine Maschinen. Der Gesetzgeber verlangt zu Recht nach der Testung auf Toxizität“, meinte Debbage, der hinzufügte, dass dies jedoch einige Millionen Euro koste. Die Methode wäre aber breit einsetzbar. Sie ließe sich auch auf Krebs der Haut, der Nase, des Magens oder auf Lungenkrebs anwenden – also generell bei Krebsarten, die von außen zugänglich seien. An diese komme man mit Nanopartikeln heran, ohne sie in die Blutbahn einleiten zu müssen, erläuterte der Wissenschafter.

apa

stol