Dienstag, 03. November 2015

Instagram: Wenn die eigene Beliebtheit zur Last wird

Jahrelang haben Millionen Menschen sie auf Instagram beobachtet, ihr Leben auf Schritt und Tritt verfolgt. Und so wollte Essena O'Neill es auch. Bis sie nicht mehr konnte.

Sie hat sich für den Schritt in die andere Richtung entschlossen: Essena O'Neill
Sie hat sich für den Schritt in die andere Richtung entschlossen: Essena O'Neill

Das heute 18-jährige Model verdiente tausende Dollars durch Fotos, die sie auf Instagram stellte. Designer bezahlten sie dafür, Kleider ihrer Marke zu tragen, sich zu fotografieren und so zahlreiche junge Mädchen zu inspirieren, sich genau das gleiche Kleid zu kaufen.

Rund 580.000 Follower hatte Essena O'Neill auf Instagram. Bis sie die Notbremse zog.

Vor etwa einer Woche hat die 18-jährige Australierin 2000 Fotos von ihrem Account gelöscht und ihrem Profil einen neuen Namen gegeben: "Social Media Is Not Real Life" (Social Medias sind nicht das wahre Leben).

Mit dieser Aktion machte sie Schluss mit einer Selbstinszenierung, die schon fast krankhafte Züge angenommen hatte. Essena kehrte dem Schein den Rücken zu und beschloss, ihre Karriere als das aufzuzeigen, was sie ist: (Selbst-) Betrug.

Sie bearbeitete die Einträge zu ihren Fotos und schildert den wahren Hintergrund. Erzählt vom Hungern, vom stundenlangen Posieren.

"NICHT DAS WAHRE LEBEN - Ich habe ungefähr 100 Fotos in ähnlichen Posen gemacht, damit mein Bauch gut aussieht. Ich habe an diesem Tag fast nichts gegessen. Ich habe meine kleine Schwester angebrüllt, weiter Fotos zu machen, bis ich auf eines stolz sein konnte. So viel zu meinen Zielen."

 

Ich war 16 auf diesem Foto. 16!!! Ich habe dieses Outfit nicht außerhalb des Hauses getragen, nur für das Foto. Warum ist jeder so fixiert darauf, älter auszusehen, sexier?

 

Ich hatte Akne auf diesem Foto, ich trage nur gewaltig viel Makeup. Ich lächle weil ich denke, dass ich gut aussehe. Aber glücklich zu sein weil man gut aussieht erstickt jedes Potential, das man sonst auf dieser Welt hätte.

Sie habe sich alleine gefühlt, isoliert, verunsichert. Es sei kein richtiges Leben, wenn man nur in einer Scheinwelt lebt, so Essena O'Neill.

"Ich lebte nicht in der wirklichen Welt, sondern in einer zweidimensionalen Welt. Jeden Morgen nach dem Aufwachen verbrachte ich Stunden damit, die Kommentare zu meinen Fotos auf Instagram zu lesen, dachte darüber nach, warum ich bei einem Foto mehr, bei einem anderen Foto weniger Likes bekam. Ich ging auf Tumbler und las täglich bis zu 400-500 Fragen, die meine Follower mir stellten, ich ging auf Youtube und las die Kommentare dort. Ich wurde von der Welt der Social Media komplett verschlungen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich damit aufgehört habe", erklärt das Model in einem ihrer Youtube-Videos.

Heute hat sie ein Ziel gefunden: Sie bestärkt Jugendliche darin, der Social Media-Welt den Rücken zu kehren und will auf die wahren Werte des Lebens aufmerksam machen. 

stol/liz

stol