Donnerstag, 03. September 2020

„Intima amiga“: Sie hütete die Geheimnisse des spanischen Königs

Wenn von amourösen und finanziellen Affären von Spaniens Altkönig Juan Carlos I. die Rede ist, fällt häufig ihr Name: Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Wer aber ist die Frau, die den Madrider Zarzuela-Palast ins Wanken gebracht hat, den erzkatholischen Juan Carlos an Scheidung denken ließ und nun in einem Exklusiv-Interview mit der BBC pikante Details über ihre frühere Beziehung zum untergetauchten Ex-König preisgegeben hat?

Sie brachte den spanischen Königspalast ins Wanken: Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.
Sie brachte den spanischen Königspalast ins Wanken: Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. - Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Neilson Barnard
Jahrelang hat Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (55) ladylike geschwiegen. Doch jetzt hat die Deutsche medial ausgepackt.

Im Zuge des Schmiergeld-Skandals um Altkönig Juan Carlos I. von Spanien (82), in dessen Zusammenhang immer wieder auch ihr Name fällt, hat die Unternehmerin der BBC ein indiskretes Interview gegeben.

Und darin bestätigte sie: Ja, sie hätte eine tiefe und bedeutungsvolle Beziehung zum Skandal-König gehabt; ja, der König hätte sich für sie von Königin Sophia (81) scheiden lassen wollen; ja, Juan Carlos habe ihr 65 Millionen Euro „geschenkt“.

Telefonierten 10 Mal am Tag

Prinzessin Corinna sprach im Exklusiv-Interview mit der BBC auch darüber, dass sie durch ihre Liaison mit dem Altkönig in den Fokus des spanischen Geheimdienstes geraten sei. Und dass sie trotz schwieriger Momente die Erfahrungen nicht missen möchte.

Kennengelernt haben sich die Unternehmensberaterin und der Altkönig 2004 bei einer Jagdveranstaltung in Kastilien-La Mancha. Als sie ihm beim Hantieren seiner Schrotflinte behilflich gewesen sei, sei er schwer beeindruckt gewesen, sagte sie der BBC.

Bald darauf sollen sie bis zu 10-mal am Tag telefoniert haben. Schließlich sei sie nach Madrid gereist, habe mit dem König Zeit in einem „kleinen Cottage“ auf dem Land verbracht und sei seine „intima amiga“ (innige Freundin) geworden.

2009 wurde der König sogar beim Vater seiner Geliebten vorstellig und hielt um deren Hand an. Schon zuvor hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht. Wenig später trennten sich die beiden allerdings. Der Grund: Der König hatte neben ihr noch eine weitere Geliebte, und das schon seit 3 Jahren.

Nach dem Ende der Beziehung hielt der Kontakt der beiden an, mehr noch. Man wurde zu „guten Freunden“, so Corinna zur BBC. Sie ging im Zarzuela-Palast ein und aus, begleitete das Königspaar sogar auf Reisen.

König Juan Carlos „schenkte“ der Prinzessin 65 Millionen Euro

Die inopportune Safari in Botswana im Jahr 2012 samt Schuss auf den 50 Jahre alten Elefantenbullen sei ein Geschenk an ihren Sohn Alexander gewesen – zu dessen 10. Geburtstag, erklärte Prinzessin Corinna.

Das Bild vom toten Bullen ging wenige Wochen später um die Welt – darauf zu sehen war der spanische König, wie er vor dem Kadaver mit einem Gewehr posiert. 2 Tage später stürzte Juan Carlos in Botswana, brach sich sein Hüftgelenk und musste im Privat-Jet nach Madrid zurückgeflogen werden.

Durch den Unfall wurden brisante Einzelheiten der Reise bekannt, die zu einem Zeitpunkt stattfand, als eine Wirtschaftskrise Spanien schwer erschütterte. Unter anderem kam die Affäre mit der Deutschen ans Licht, über die die spanische Presse jahrelang diskret geschwiegen hatte.

Noch im selben Jahr habe er ihr ungefragt 65 Millionen Euro auf das Konto überwiesen, erzählte die Prinzessin. Angeblich Geld, mit dem sich der König für den Beistand während seiner Krankheit habe bedanken wollen. Die Behörden hatten laut BBC allerdings einen anderen Verdacht.

Rund 100 Millionen Euro Schmiergeld soll Juan Carlos 2008 in der „Wüstenzug“-Affäre ergaunert haben, damit ein spanisches Baukonsortium die Express-Strecke zwischen Mekka und Medina bauen durfte (Auftragswert: 60 Milliarden Euro). Wollte er das Geld im Steuerparadies Monaco bei zu Sayn-Wittgenstein-Sayn verstecken?

Verdächtig: 2014 habe er die riesige Summe zurückgefordert. „Als er merkte, dass ich es nicht zurückgeben würde, drehte er komplett durch. Er wollte alles wiederhaben“, so die ehemalige Geliebte. Aufgrund dieses angeblichen Geldwäscheskandals hat Juan Carlos nun Spanien verlassen, er versteckt sich im Luxushotel „Emirate Palace“ in Abu Dhabi.

Wer ist Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein?

Adlig kam Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein übrigens nicht auf die Welt. Ihr Curriculum vitae in Kurzform: aufgewachsen als Corinna Larsen in der hessischen Kleinstadt Bad Soden am Taunus, Mutter Ingrid ist Deutsche, Vater Finn Bönning Larsen Däne und Europa-Direktor der brasilianischen Fluglinie Varig.

Corinna war ehrgeizig, spielte schon bald in der „Liga der Großen“ mit. 1989 heiratete sie den britischen Geschäftsmann Philip Atkins und ging mit ihm nach London; 1995 wurde die Ehe geschieden. Im Jahr 2000 gab sie Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (44) das Jawort. Damit wurde Corinna zur Prinzessin. 2005 kam die Scheidung, doch den illustren Nachnamen behielt die Geschäftsfrau bei.

Als Unternehmerin spezialisierte sie sich auf die Organisation von Treffen zwischen führenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft, um auf diese Weise bei der Anbahnung von Geschäftsabschlüssen mitzuwirken.

Besonderes Augenmerk widmete sie dabei Repräsentanten der ölreichen Staaten im Nahen Osten. Ihre Firma Apolonia Associates (Steuersitz ist Malta) ist im Zusammenhang mit Offshore-Modellen zur Steuervermeidung in den Paradise Papers aufgeführt.

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