Das Erzbistum Mailand bestätigte gegenüber der katholischen Tageszeitung Avvenire, dass Ravagnani aus dem aktiven priesterlichen Dienst ausgeschieden ist. Seit seiner Weihe im Juni 2018 hatte er sich vor allem durch seine Online-Präsenz eine große Bekanntheit aufgebaut und galt besonders bei jungen Gläubigen als Symbol für eine moderne Kirche.<BR /><BR />In einem Interview im italienischen Podcast „PoretCast“ äußerte sich Ravagnani selbst zu seiner Entscheidung. „Der Zug ist derselbe – aber die Gleise haben sich verändert“, erklärte er. Er wolle weiterhin für Gott leben und der Botschaft Jesu folgen, allerdings nicht mehr in der Rolle eines Priesters. Das Amt sei für ihn zu eng geworden: „Das Leben als Priester genügt mir nicht mehr, ich passe nicht mehr hinein. Das Priestertum ist eine soziale Rolle mit Erwartungen, Verpflichtungen und einem begrenzten Handlungsspielraum.“<h3> Kritik nach Werbevideo für Nahrungsergänzungsmittel</h3>Für Unruhe sorgte im Herbst 2025 ein von Ravagnani veröffentlichtes Werbevideo für Nahrungsergänzungsmittel. Darin stellte er die provokante Frage: „Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln eine Sünde?“ Die Zusammenarbeit begründete er mit dem Wunsch, trotz hoher Belastung körperlich leistungsfähig zu bleiben: „Ich bin 32, habe viele Pläne und Menschen, die ich liebe. Um das alles zu schaffen, muss ich fit sein.“<BR /><BR />Seine Aussage „Beten reicht nicht aus, meine Lieben“ stieß innerhalb kirchlicher Kreise auf teils scharfe Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, kommerzielle Interessen mit geistlicher Autorität zu vermischen. Ravagnani verteidigte sich später damit, dass die Einnahmen kirchlichen Projekten zugutegekommen seien.<BR /><BR />Auf Social Media zeigte sich der Geistliche oft auch von seiner privaten Seite – ohne Talar, ohne Kanzel. Nun beginnt für Alberto Ravagnani ein neues Kapitel – außerhalb des Priesteramts, aber weiterhin im Dienst seiner Überzeugungen.