„Als mich das Jenesier Faschingskomitee um einen Beitrag für eine digitale Unterhaltung bat, versuchte ich mich zum ersten Mal, vor der Kamera zu exponieren“, sagt Veronika Gutmann von der Heimatbühne.<BR />Die Influencerin Vroni mit ihren guten Tipps war geboren: Zuerst nur für den Fasching, dann für die Facebook-Seite der Heimatbühne Jenesien, seit April 2021 im eigenen YouTube Kanal. <BR />Wir sprachen mit Veronika über die Not in schwierigen Zeiten, die erfinderisch gemacht hat. Dabei betont sie durchaus, dass ihre digitalen Tipps als vorwitzige Influencerin zwar nicht die richtigen Theaterauftritte wie zu Vor-Corona-Zeiten ersetzen können, aber dass dies ein gangbarer Weg ist. <BR />Vielleicht könnten sich andere Theaterbühnen in Südtirol ein Beispiel daran nehmen – denn kreative Köpfe gibt es in Theatervereinen landauf, landab sehr viele.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Das Theater lebt vom Publikum und befindet sich seit 2 Jahren coronabedingt in Krise. Wie erlebte die Heimatbühne Jenesien diese schwierige Zeit?</b><BR /><BR />Veronika Gutmann: So wie die meisten Theatervereine lebt auch die Heimatbühne Jenesien seit Anfang März 2020 in Abstinenz. In absoluter Abstinenz. Eine Woche vor der geplanten Premiere kam das Aus. <BR />Zuerst das Verschieben der Aufführungen, dann das Hoffen und Umplanen, das neue Suchen und Finden von Spielern, dann den Neustart planen. Und jetzt?: Für den Frühling gibt es schon wieder ein großes Fragezeichen.<BR /><BR /><b>Bei Musikkapellen hört man in Südtirol seit dem Ausbruch der Coronakrise, dass so manchen Musikanten wegen fehlender Auftritte die Freude am Musizieren vergangen ist, besteht diese Gefahr auch beim Theaterspielen?</b><BR /><BR />Gutmann: Musikanten müssen übers Jahr kontinuierlich proben, mindestens einmal pro Woche, was ich so höre. Bei den Theaterspielern ist das anders. Sie proben vor den Produktionen intensiv, drei-, viermal die Woche, gegen Ende hin auch öfter, aber dafür nur vor den Aufführungen. Da bleiben übers Jahr viele freie Wochen. <BR />Wer bei der laufenden Produktion gerade nicht im Dienst ist, hilft sonst mit. Noch hat sich kein Mitglied der Heimatbühne Jenesien wegen fehlender Aufführungen abgemeldet, aber es ist klar: Wer gern Theater spielt, braucht die Bühne und das Publikum.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="739166_image" /></div> <BR /><b><BR />Überall ist eine Verlagerung in digitale Medien zu beobachten. Not macht oft erfinderisch, ist da Vroni mit ihren Ratschlägen eine solche originelle Erfindung?</b><BR />Gutmann: Als damalige Obfrau der Heimatbühne Jenesien und als eine, die gerne Theater spielt und herumkaspert, litt ich wohl unter Bühnenabstinenz. Als mich im Februar 2021 das Jenesier Faschingskomitee um einen Beitrag für eine digitale Faschingsunterhaltung bat, versuchte ich mich zum ersten Mal vor der Kamera zu exponieren, ohne anwesendes Publikum. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53006092_quote" /><BR /><BR />Die Influencerin Vroni mit ihren guten Tipps war geboren. Zuerst nur für den Fasching, dann für die Facebook-Seite der Heimatbühne Jenesien, seit April 2021 im eigenen YouTube Kanal. So kann sich mancher doch hin und wieder mit der „Influencerin Vroni“ amüsieren.<BR /><div class="img-embed"><embed id="739169_image" /></div> <BR /><BR /><b>Könnten dank neuer Medien in Zukunft die Theaterzuschauer stärker in eine Handlung eingebunden werden?</b><BR />Gutmann: Auf der Bühne vor Publikum zu spielen, ist lebendiges Theater, da prickelts. <BR />Es ist spannend, in der Gruppe zu arbeiten, Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen und gemeinsam vor Lampenfieber zu glühen. Sich vor der Vorstellung knieschlotternd über die Schulter zu spucken und sich nachher über das Meistern von Hängern, Patzern und sonstigen unvorhergesehenen Pannen zu amüsieren.<BR /> Die Kommunikation mit dem Publikum wird auch für das Theater immer wichtiger und die sozialen Netzwerke sind ein dazu geeignetes Mittel. Kommentare und Anregungen geben auf jeden Fall Impulse. <BR />Aber die unmittelbare Begegnung zwischen Publikum und Akteuren, die Reaktionen, das Lachen, die Stille, den Applaus, all das kann kein noch so gutes Medium ersetzen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="739172_image" /></div>