Jodeln diene als „kraftvoller Ausdruck der Identität und einer Einheit stiftenden Kulturpraxis“, hat die Schweiz in ihrer Bewerbung geschrieben und ist damit auf offene Ohren beim zuständigen Ausschuss der UNESCO gestoßen. <BR /><BR />Dieser hob vorgestern vor allem die tiefe Verankerung des Jodelns in der Bevölkerung sowie die Ausbildung von Jodlern aller Altersgruppen hervor. In der Tat gehört dieses alpenländische Kulturgut zum Selbstverständnis der Eidgenossen wie ihre Uhren, ihr Käse oder das Matterhorn. Jodeln wird in Familien, Vereinen oder spontan unter Sängern praktiziert, es gibt sogar ein eigenes Studienfach an der Hochschule für Musik in Luzern. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1249452_image" /></div> Dem Eidgenössische Jodelverband sind mehr als 700 Gruppen mit über 12.000 Jodler und Jodlerinnen angeschlossen. <BR />Von derartigen Dimensionen ist man in Südtirol zwar weit entfernt, allerdings erfreut sich das Jodeln auch hierzulande eines großen Zuspruchs, wie etwa Heidi Clementi zu berichten weiß. <BR /><BR />„Es gibt mehrere Jodelstammtische, Jodelwanderungen und Jodelworkshops, das Jodeln befreit und strahlt eine bemerkenswerte innere Kraft aus“, sagt Clementi, die seit nunmehr fünf Jahren zusammen mit der Kulturschaffenden Brigitte Knapp das Jodelduo Huja bildet. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1249455_image" /></div> Das innige, direkte, textlose Singen gehe unter die Haut, sei Ausdruck purer Lebensfreude und berge ein intuitives Gefühl von Heimat und Vertrautheit. Angesprochen auf etwaige Unterschiede zur Schweizer Art des Jodelns erklärt sie: „In der Schweiz tönt in der Regel die Gruppe die Akkorde, während ein oder zwei geübte Jodler bzw. Jodlerinnen den Überschlag intonieren. In Südtirol sind die zwei- oder dreistimmigen Ausführungen üblich.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1249458_image" /></div> <BR />Selbstverständlich werden auch hierzulande verschiedene Arten des Jodelns gepflegt, das Duo Huja verjodelt gerne Jazz, Klassik oder Volksmusik und schlägt Brücken zu anderen Kulturkreisen. Essenziell sei die Feinabstimmung zwischen Jodelnden, Clementi spricht vom „Zubisingen“ und „Zubijodeln“. <BR /><BR />Natürlich gibt es in Südtirol noch weitere bekannte Jodel-Interpreten wie etwa Markus Prieth, seines Zeichens treibende Kraft des OU Jodelfestes oder die Jodelkönigin Anneliese Breitenberger, die schon für Ronald Reagan, Silvio Berlusconi oder Papst Johannes Paul II. gejodelt hat. Sie alle dürfte die Adelung des Jodelns zum Weltkulturerbe freuen – Schweizer Eigenarten hin oder her.