Wir haben uns mit Jonas auf einem seiner kurzen Heimatbesuche zum Gespräch getroffen, und interessante Einblicke in sein Leben und sein Erfolgsgeheimnis erhalten. <b>von Alexandra Geyr</b><BR /><BR /><b>Wie kommt man zum Beruf Barman/Bartender?</b><BR />Jonas: Nach zwei Jahren an der Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe Emma Hellenstainer in Brixen habe ich an der Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran meinen Abschluss zum Hotelkaufmann gemacht. Mein Plan war eigentlich eine Karriere als Koch zu verfolgen, aber während des Sommerpraktikums in der Küche hat mich der Lehr- und Arbeitsstil des Chefkochs wenig überzeugt, somit habe meinen Plan verworfen. Während meiner Schulzeit in Meran entdeckte ich durch meinen damaligen Servicelehrer Hannes Gamper (ex HGJ Obmann) die Leidenschaft zum Bartending. Hier konnte ich meine Fähigkeiten, die ich in der Küche und im Service erlangt hatte, kombinieren.<BR /><BR /><b>Wie ging es dann weiter?</b><BR />Jonas: Nach der Matura habe ich eine Sommersaison in Südtirol gearbeitet und bin dann anschießend für die Wintersaison nach Andermatt in die Schweiz. Nach mehreren Schulungen und Kursen, alle auf Kaffe und latte-art bezogen habe ich die European Bartending School in Sydney, Australien besucht und als Klassenbester abgeschlossen, und da stand für mich fest, dass dies meine Berufung ist. Bis zum Ende meines Visums hatte ich in Perth als Bartender gearbeitet und kurz darauf bin ich nach London gezogen, wo ich ein Jahr in sehr renommierten Cocktailbars arbeitete. Von 2018 bis 2020 war ich in der Bar de Paris – Le Lion in Hamburg als Senior Bartender hinter der Bar. Zwischenzeitlich war ich für kurze Zeit als Show-Bartender im High Five in Tokyo, und ich hatte zwischenzeitlich bei verschiedenen Bartender-Wettbewerben mit anderen Bartendern erfolgreich gemessen. Nach meiner Zeit in Hamburg wollte ich eigentlich nach Asien, bzw. nach Singapur ziehen, ich hatte da schon einen konkreten Plan, aber Corona kam mit den Lockdowns dazwischen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1112253_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wo hast Du den Lockdown verbracht?</b><BR />Jonas: Die nächsten zwei Jahre gezwungenermaßen daheim, und in der Zeit habe ich im Nature Spa Resort Quelle als Barmann gearbeitet. In Südtirol sah ich jedoch keine Perspektive mehr für mich, weshalb ich mich im Ausland umsehen musste. Schon während meiner Zeit in Hamburg wollte ich nach Asien bzw. Singapur ziehen, und ich hatte bereits einen konkreten Plan. Leider hatte Singapur inzwischen die Visa Gesetze geändert, und somit war dieser Plan vom Tisch. Japan war, und ist immer noch im Prozess mit Italien die Arbeitsvisumsituation zu erleichtern, also war das auch sehr schwierig. China war sowieso noch im Lockdown und auch Thailand war nicht besonders offen gegenüber ausländischen Mitarbeitern. Mein „Work&Travel“ Visum hatte ich schon in Australien genützt, und natürlich war ich da alles andere als glücklich. Durch eine Freundin in Berlin kam ich zu einem Jobangebot in Indien, das mich dann, letztendlich auch nach Indien gebracht hat.<BR /><BR /><b>Indien, ist das nicht ein Kulturschock für einen Südtiroler?</b><BR />Jonas: Der Umzug von Südtirol nach Indien war zweifellos eine intensive und prägende Erfahrung – ein echter Kulturschock, der mich gleichermaßen fasziniert und inspiriert hat. Indien ist ein Land der Kontraste: pulsierend, chaotisch und gleichzeitig voller Farben, Spiritualität und tief verwurzelter Traditionen. Für jemanden wie mich, der aus einem ruhigen, kleinen Dorf stammt, waren die ersten Eindrücke überwältigend. Das tägliche Leben in den Straßen – voller Menschen, Tuk-Tuks, Gerüche und Geräusche – ist ein komplettes Gegenteil zur Beschaulichkeit und geordneten Lebensweise in meiner Heimat. Doch trotz des anfänglichen Kulturschocks bin ich von der Kultur Indiens tief begeistert. Die Vielfalt der Sprachen, Religionen und Bräuche spiegelt eine unglaubliche Lebendigkeit wider. Gleichzeitig beeindruckt mich die indische Offenheit und Herzlichkeit, mit der ich empfangen wurde. Besonders im beruflichen Kontext spürt man, wie sehr das Land im Wachstum begriffen ist. Indien ist eine dynamische Nation, die durch Technologie, Innovation und Unternehmergeist eine starke Entwicklung erlebt. Hier hat man als Fachkraft die Möglichkeit, viel zu bewegen und voranzutreiben, denn Ideen und Tatkraft stoßen oft auf offene Ohren. Was jedoch überraschend ist: Es gibt tatsächlich viele Parallelen zu Italien – und speziell zu Südtirol. Die enge Verbindung zur Familie, die Liebe zu gutem Essen und Gastfreundschaft sowie die Bedeutung von Traditionen sind Werte, die beide Kulturen teilen. So fühlte ich mich oft ein Stück weit „zu Hause“, wenn ich bei indischen Familien zu Gast war und das gemeinsame Essen im Mittelpunkt stand – fast wie bei uns in Südtirol oder Italien. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Schritt nach Indien nicht nur eine persönliche Bereicherung war, sondern auch aus professioneller Sicht eine einzigartige Chance bietet, an einem Ort zu wirken, der vor Energie und Entwicklung nur so strotzt. Der Kulturschock war real, aber er hat mich wachsen lassen und mir neue Perspektiven eröffnet – in einem Land, das einen mit offenen Armen empfängt und unzählige Möglichkeiten bietet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1112256_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was zeichnet einen guten Bartender aus?</b><BR />Jonas: Barkeeper oder Bartender beraten Gäste bei der Getränkeauswahl und sollten ein umfangreiches Wissen über alle Spirituosen besitzen. Ein guter Barkeeper beherrscht das korrekte Mixen und Servieren von gebräuchlichen Barmixgetränken, Weinen, Kaffee-Spezialgetränken und alkoholfreien Drinks. In gehobener Position befassen sie sich auch mit der Gestaltung der Bar-Karte, mit Inventurlisten und -kontrollen. Körperliche und psychische Belastbarkeit, Diskretion sowie eine große Kommunikationsfähigkeit werden vorausgesetzt, und auch mehrere Fremdsprachen sollte ein Barmann beherrschen. Barkeeper sind das Aushängeschild gastronomischer Betriebe, und neben einem zusätzlichen Einfühlungsvermögen, sollten auch akrobatische Showeinlagen im Service nicht fehlen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1112259_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was machst Du derzeit?</b><BR />Jonas: Aktuell befinde ich mich auf der Suche nach meiner nächsten großen Herausforderung. Zuvor hatte ich die unglaubliche Gelegenheit, im Copitas im Four Seasons Bengaluru zu arbeiten – eine Erfahrung, auf die ich sehr stolz bin. Während meiner Zeit dort hat die Bar die<BR />Auszeichnung als „Best Hotel Bar in India“ erhalten und belegte Platz 4 der 30 besten Bars in Indien. Ein besonderes Highlight war zudem, dass ich persönlich von The Times of India als „Mixologist of the Year“ ausgezeichnet wurde. Da mein Visum kürzlich abgelaufen ist, freue mich auf die nächste spannende Herausforderung in meiner Karriere.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1112262_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ziehst Du es in Erwägung, nach Südtirol zurückzukommen?</b><BR />Jonas: Ich bin der Idee, nach Südtirol zurückzukehren, nicht abgeneigt – schließlich ist es meine Heimat und hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Bis jetzt habe ich allerdings noch kein Projekt gesehen, das mein Interesse wirklich geweckt hat oder das mit den spannenden<BR />Herausforderungen und Angeboten mithalten konnte, die ich im Ausland gefunden habe. Das Ausland hat mich bisher sowohl beruflich als auch persönlich überzeugt, vor allem durch die Möglichkeit, in dynamischen und wachstumsstarken Umfeldern zu arbeiten. Trotzdem ist es definitiv mein Ziel, in Zukunft nach Südtirol zurückzukehren.<BR /><BR /><b>Wie sehen Deine Pläne für die nahe Zukunft aus?</b><BR />Jonas: Meine Pläne für die nahe Zukunft sind darauf ausgerichtet, wieder nach Asien zu gehen. Die Bar-Community dort gehört zu den stärksten und dynamischsten weltweit, was unglaublich inspirierend ist und viele Möglichkeiten für persönliches und berufliches Wachstum bietet.<BR />Hinzu kommt, dass die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu anderen Regionen relativ gering sind, was den Alltag angenehmer macht und gleichzeitig die Freiheit schafft, sich auf die Karriere zu konzentrieren. Gerade in Asien sehe ich aktuell die besten Karrieremöglichkeiten, um mich weiterzuentwickeln, innovative Konzepte umzusetzen und in einer Szene zu arbeiten, die international immer mehr an Bedeutung gewinnt.<BR /><BR /><b>Hast du einen Tipp für junge Südtiroler, die auch eine Karriere in der Hotellerie im Ausland anstreben?</b><BR />Jonas: Mein wichtigster Tipp für junge Südtiroler, die eine Karriere in der Hotellerie im Ausland anstreben, ist: Einfach anfangen und den ersten Schritt wagen. Es spielt keine Rolle, wo man startet – jede Erfahrung bringt einen weiter. Der Schlüssel ist, sich ein starkes Netzwerk<BR />aufzubauen, denn gerade in der Hotellerie und Gastronomie spielt der persönliche Kontakt eine entscheidende Rolle. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass das Risiko in unserer Branche sehr gering ist. Wir haben<BR />das Privileg, dass es immer genügend Möglichkeiten gibt, wieder Arbeit zu finden, auch wenn man sich entscheidet, in die Heimat zurückzukehren. Gerade in Südtirol sind gut ausgebildete Fachkräfte in der Gastronomie und Hotellerie stets gefragt. Wer mutig ist und ins Ausland geht, sammelt nicht nur wertvolle berufliche Erfahrungen, sondern wächst auch persönlich und kulturell enorm – und genau das wird einem später<BR />überall Türen öffnen.