Am Montag, 5. Dezember ist es soweit. „Legende meets Klassik“ ist das Motto der diesjährigen Gala im baden-württembergischen Breisach, wo dem 1903 im holländischen Amersfoort geborenen Schauspieler und Sänger auch der zehnte Bambi überreicht wird.Dann schmettert der heute mit seiner über 45 Jahre jüngeren Frau, der Schauspielerin Simone Rethel-Heesters, am Starnberger See lebende Charmeur und Grandseigneur der Operette mit noch erstaunlich kräftiger Stimme seine Lieder wie „Ich knüpfte manche zarte Bande“ oder „Man müsste Klavier spielen können“.Doch damit nicht genug. Gerade ist ein neuer Kurzfilm mit ihm in der Rolle des „Petrus“ herausgekommen und das neueste Filmprojekt ist die Verfilmung einer Geschichte von Anton Tschechow („Wankas heiliger Abend“) mit Dreharbeiten in Magdeburg, im Harz und in Berlin.„Jopie“ blickt nach vorn„Jopie“ blickt nach vorn. Der einstige Ufa-Filmstar („Hallo, Janine“) will spielen bis zum Ende. „Soll ich zu Hause sitzen und warten, bis man mich holt?“ hatte die lebende Operettenlegende schon früher mal gesagt und damals bescheiden hinzugefügt: „Ich möchte 100 Jahre alt werden, das wäre was, dann gibt es das größte Fest auf Erden! Wenn es die Leute auch wundert, dass ich so närrisch noch bin, aber da möchte ich wirklich noch hin.“Das ist längst geschafft. Und heute? „Natürlich habe ich auch Angst, dass es mal aufhört“, sagt der inzwischen erblindete Heesters der Nachrichtenagentur dpa anlässlich seines 108. Geburtstages.„Ich möchte schon, dass es noch ein bisschen länger dauern darf, das wäre natürlich sehr schön.“ Dafür trainierte „Graf Danilo“ bisher sogar noch jede Woche regelmäßig mit Fitnessgeräten.Ein kleiner Genever-Schnaps darf auch mal sein, früher gab es auch ein Zigarettchen, damit ist aber schon länger Schluss, „meiner Frau zuliebe“, „Popje“, wie er sie liebevoll nennt.Und es gab auch gesundheitliche Rückschläge zu verkraften, wie der Sturz in seinem Tiroler Feriendomizil am Neujahrstag 2008, als er mit Rippenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Aber „Heesters singt schon wieder“, hieß es schon Tage später.Heesters, der eigentlich Priester und dann Bankkaufmann werden wollte, blickt auf eine sagenhafte Karriere mit Höhen und Tiefen, mit viel Licht, aber auch Schatten zurück.In Berlin hatte sie 1935 auf den großen Bühnen der Metropole begonnen, dann auch in Wien, was ihn schnell zum Leinwandstar machte mit Filmen wie „Gasparone“, „Hallo Janine“ und nach dem Krieg „Hochzeitsnacht im Paradies“, „Im weißen Rössl“ oder „Bühne frei für Marika“ mit Marika Rökk.Johan Marius Nicolaas Heesters, den schon bald alle nur „Jopie“ nannten, wurde mit seinem Charme und dem „gewissen Etwas“ in der Stimme und in den Augen zum umschwärmten Publikumsliebling. Später war er auch im Fernsehen viel zu sehen. Aber die Bühne ließ ihn nicht los.Als greiser Casanova in Karl Gassauers „Casanova auf Schloss Dux“ ging Heesters ab 1986 erfolgreich auf Tournee. Ab 1996 stand er erstmals mit seiner Frau Simone Rethel auf der Bühne am Berliner Kurfürstendamm in dem eigens für ihn geschriebenen Stück „Ein gesegnetes Alter“ von Curth Flatow.Kometenhafter Aufstieg im Nazi-DeutschlandSein kometenhafter Aufstieg im Nazi-Deutschland wirft bis heute auch einen Schatten auf sein Leben, vor allem in seiner holländischen Heimat, wo ihm lange verübelt wurde, Hitlers „Lieblings-Danilo“ gewesen zu sein, obwohl Heesters ein eher distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachgesagt wurde. In der NS-Zeit gab es auch den umstrittenen, nach seinen Erinnerungen befohlenen Besuch im KZ Dachau.Erst 2008 war ihm eine Art späte Versöhnung gegönnt mit einem Auftritt in seiner holländischen Vaterstadt Amersfoort.Aber der Auftritt wurde getrübt von einem verunglückten Interview mit einem holländischen TV-Sender, in dem sich Heesters missverständlich über Hitler äußerte. Und einen Rückschlag gab es für Heesters im Frühjahr 2011, als er von einem geplanten Staatsempfang bei „seiner“ Königin Beatrix der Niederlande im Berliner Schloss Bellevue „aus Platzgründen“ wieder ausgeladen wurde. Dabei hatte doch ein Lebenswunsch von ihm in Erfüllung gehen sollen.„Ich hab mein Leben gelebt und hab mich stets bemüht, den Weg gerade zu gehn, auch durch den Sturm der Zeit“, sang Heesters in einem seiner späten Lieder, oder, wie er im „Jedermann“ als Gott der Herr sagte: „So viel ich vermocht, hab ich vollbracht.“dpa