In diesem Jahr ist die Frage nach dem Winter besonders spannend. Weil Energie teuer ist, treiben bitterkalte Monate die Heizkosten für die Haushalte steil nach oben; auf der anderen Seite würden sich Skigebiete freuen, denn tiefe Temperaturen helfen, bei der Erzeugung von Schnee viel zu sparen. Wie also wird der Winter in Südtirol?<BR /><BR />Zuerst ein Blick auf die wissenschaftliche „Großwetterlage“: Was beeinflusst den Verlauf des Winters in Mitteleuropa? Dafür sorge sei ein „Blumenstrauß an Phänomenen“, erklärt Klimawissenschaftler Klaus Pankatz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Eine relativ große Rolle spielt ein Phänomen in der Stratosphäre über dem Nordpol: der Polarwirbel. Dieser kann die Westwind-Zirkulation beeinflussen, die milde feuchte Luft vom Atlantik Richtung Mitteleuropa transportiert. Wird diese Zirkulation beeinträchtigt, kann kalte Luft zu uns gelangen.<BR /><BR />„Wenn der Polarwirbel instabil ist – was im Winter regelmäßig vorkommt -, stört er die Stabilität der Westwind-Zirkulation. Dadurch macht er die Wahrscheinlichkeit für Kälteeinbrüche größer“, sagt Pankatz. Die gute Nachricht: „Im Moment ist der Polarwirbel auf absehbare Zeit sehr stark und stabil.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="830603_image" /></div> <BR /><BR />Zudem hat etwa die Schneebedeckung in Sibirien und Zentralasien Einfluss auf den Verlauf des nächsten Winters. Der Klimawissenschaftler erklärt: „Eine hohe Schneebedeckung im Frühwinter verstärkt das sibirische Kältehochdruckgebiet. Es kann sich im Spätwinter weiter nach Westen ausbreiten und uns in der Folge kalte Ostlagen bescheren.“ Bei dieser Großwetterlage strömt kontinentale Luft von Osten nach Mitteleuropa.<BR /><BR />Wie kommen saisonale Vorhersagen zustande? Dafür simulieren Computer auf Grundlage spezieller Klimamodelle mit einer riesigen Menge Daten verschiedene mögliche Wetter-Szenarien. So berechnen sie, mit welcher Wahrscheinlichkeit die kommende Jahreszeit nasser, trockener, wärmer oder kälter als im langzeitlichen Mittel wird. Es werden also immer relative Aussagen getroffen und niemals absolute Werte wie etwa konkrete Temperaturen genannt. „Saisonale Vorhersagen sind Klimavorhersagen, keine Wettervorhersagen“, erklärt DWD-Klimaforscher Andreas Paxian.<h3> Was saisonale Aussagen bedeuten</h3>Also ein großer Unterschied! Denn <b>saisonale Vorhersagen</b> arbeiten mit dem „Gedächtnis“ langfristiger Prozesse, sagt Pankatz. Die Simulationen der Wissenschaftler beziehen sich auf wiederkehrende und länger anhaltende klimatische Muster, die sich über große Gebiete erstrecken. „Bei der <b>Wettervorhersage</b> schaut man sich einzelne Tage an, etwa deren Höchst- und Tiefsttemperatur. Aber sobald man über den Zeitraum von 10 Tagen bis 2 Wochen hinaus ist, muss man anfangen zusammenzufassen, zu mitteln“, beschreibt der Klimawissenschaftler.<BR /><BR />Bei der saisonalen Prognose ist es ein Drei-Monats-Mittel, das mit dem der Referenzperiode verglichen wird. „Auf der saisonalen Vorhersage-Skala macht es keinen Sinn, einzelne Tage anzuschauen.“ Und genau das ist „wichtig für die Aussage“, betont Pankatz. „Wenn wir sagen: Es gibt eine Tendenz für wärmere Zustände für das Drei-Monats-Mittel, dann können einzelne Tage, Wochen oder sogar ein ganzer Monat in diesem Zeitraum kalt sein.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-56883432_quote" /><BR /><BR />Wie sicher sind die Ergebnisse? Die Wissenschaftler lassen enorm viele Werte in ihre Simulation einfließen, von denen ein Teil auf Hochrechnungen basiert. „Da gibt es natürlich eine große Unsicherheit“, sagt Paxian. Eine weitere Schwierigkeit: Man kenne längst nicht alle Prozesse und Wechselwirkungen von Atmosphäre, Ozean, Landoberfläche und Meereis. Somit fließen diese nicht in die derzeitigen Simulationen ein. Zudem stoßen Computer bei den komplexen Berechnungen schnell an Kapazitätsgrenzen. Paxian fasst zusammen: „Die Qualität der Vorhersage hängt davon ab, welcher Zeitraum, welcher Ort und welche Variable betrachtet wird.“<BR /><BR />Wie sieht es also für Südtirol aus? Wie Landesmeteorologe Dieter Peterlin auf Anfrage von s+ erklärt, erstelle das Land als kleiner lokaler Wetterdienst keine eigenen Wetter- bzw. Klimamodelle, die Daten kommen von den großen Wetterdienstleistern, darunter vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) in England und von MeteoSchweiz. „Die saisonalen Klimaprognosen sind hingegen noch eine recht junge Wissenschaft, man versucht hier so grobe Aussagen abzuleiten wie der Winter wird wärmer oder kälter als normal. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass deren Trefferquote noch eher bescheiden ist“, sagt Peterlin.<h3> Welche Prognosen verlässlich sind</h3>Weitaus zuverlässiger ist die klassische Wetterprognose, vor allem für die nächsten 1 bis 3 Tage. Peterlin: „Im Durchschnitt lässt sich das Wetter bei uns im Alpenraum eine knappe Woche relativ gut vorhersagen, alles darüber hinaus wird ziemlich schwierig weil zu unsicher.“ Im Internet fänden sich zwar unzählige Prognosen, die auch weiter als 7 Tage hinausreichen, manchmal sogar mehrere Wochen, „aber wer diese aufmerksam verfolgt wird feststellen dass sich diese häufig ändern und damit nicht wirklich zu gebrauchen sind.“ <BR /><BR /> Einen Blick in die Wetterzukunft wagt Meteorologe Peterlin dann doch: Für den kommenden Winter sei jedenfalls ein „zu milder“ Winter etwas wahrscheinlicher als ein „zu kalter“, was aber schon allein aufgrund der stetig fortschreitenden Klimaerwärmung so zu erwarten sei. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />