Diese Doku ist ein Zeitdokument. Für Kaltern, für Südtirol. Eines mit einem nach über vier Jahrzehnten noch aktuellen Thema. Und mit einer der bekanntesten kritischen Stimmen Südtirols, die vor genau 20 Jahren für immer verstummt ist. „Ich arbeite nur acht Stunden, mir geht es gut. Fallbeispiel Kaltern: Wie die Kinder den Fremdenverkehr sehen“ aus dem Jahr 1981, Konzept und Regie (und Stimme): Elisabeth Baumgartner. Kamera: Fritz Pichler. Schnitt: Rudi Kaneider. Und dank Kaneider ist die verschollen geglaubte Doku wieder aufgetaucht, wurde der heutigen Technik angepasst und lief in Südtiroler Kinos.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1239312_image" /></div> <BR /><BR /> Zunächst im vergangenen Frühjahr im Bozner Filmclub, nun – auf Initiative von Gotthard Andergassen, Vorsitzender des Kalterer Vereins für Kultur- und Heimatpflege, und Helene Christanell, Vorsitzende des Filmtreffs Kaltern, sowie kuratiert von Renate Mumelter, Präsidentin der Filmschule ZeLIG – im Filmtreff Kaltern. <h3> Abhängigkeit und Angst um den Gast</h3>Die Dokumentation, zu der Baumgartner Ende der 1970er-Jahre durch ein „Theaterstück“ im Rahmen der Kinder- und Jugendspieltage einer Kalterer Mittelschulklasse inspiriert worden war, erzählt von den Schattenseiten des Fremdenverkehrs. „In diesem Film schildern Kinder aus Kaltern ihre Erfahrungen mit dem Fremdenverkehr – das Gefühl, gebraucht zu werden, mit anpacken zu müssen, aber auch das Erlebnis der Abhängigkeit, die Angst um den Gast, die Aggressionen gegen die Vereinnahmung des Heimatortes durch den Urlauberstrom“, hatte Baumgartner ihren Film damals beschrieben. <h3> Rai Sender Bozen „warnt“ vor dem Film</h3> Kuriosität am Rande: Vor der Ausstrahlung des Films im Rai Sender Bozen (heute Rai Südtirol) im Jahr 1981 musste Ansagerin Peppi Franzelin einen Text verlesen, in dem sich der Sender indirekt für den Inhalt des Films entschuldigt. Vermutlich waren es vor allem die Bilder von den wein-selig schunkelnden Urlaubern und die kritischen Kommentare von Kindern aus dem Off, die die Doku so „gefährlich“ machten. Diese lösten 1981 dann auch tatsächlich heftigste Polemiken aus.<h3> Die Hauptdarsteller von damals auf der Bühne</h3>„Ich arbeite nur acht Stunden, mir geht es gut“ – der Titel stammt übrigens aus dem Interview mit Walter Mössler aus Auer – inklusive Franzelins „Prolog“ wurden nun in Kaltern gezeigt. Und zwar am Tag, an dem die Journalistin und Kulturschaffende Baumgartner ihren 87. Geburtstag gefeiert hätte. Im Publikum und auf der Bühne: Rudolf Meraner, damals Mittelschullehrer in Kaltern, sowie Doris Pernstich, Patrizia Dissertori, Renate Andergassen und Walter Mössler, einige der damals blutjungen Protagonistinnen und Protagonisten der Doku, und Renate Mumelter. Ebenfalls gesichtet: Markus und Magdalena Scherer, Sohn und Enkelin von Elisabeth Baumgartner, sowie Anna Maria Ramoser, stellvertretende Vorsitzende des Kalterer Vereins für Kultur- und Heimatpflege.