Sonntag, 06. März 2016

Kampf um den Schatz von Neapels Schutzpatron San Gennaro

Etwa 3.000 Neapolitaner haben gegen Versuche der katholischen Kirche protestiert, die Kontrolle über den Schatz ihres Stadtheiligen zu erlangen.

Foto: © LaPresse

Bei einer Kundgebung am Samstag knoteten sie weiße Taschentücher an den Eingang des Museums, in dem die wertvollen Gaben für San Gennaro (Heiliger Januarus) aufbewahrt werden. Auf Zetteln stand „Hände weg von dem Schatz“ und „Der Schatz gehört dem Volk“.

Der Schatz des San Gennaro soll wertvoller als die britischen Kronjuwelen sein. Zu ihm gehört unter anderem eine mit 3326 Diamanten, 164 Rubinen und 200 Smaragden verzierte goldene Mitra, die traditionelle Kopfbedeckung der Bischöfe.

Nach einer Reihe von Katastrophen baute die Stadt im 16. Jahrhundert im Dom von Neapel eine Kapelle für die Reliquie ihres Schutzpatrons – eine Phiole mit seinem Blut. Könige und Adlige und reiche Gläubige stifteten die Beigaben.
Über den Schatz und die Reliquie wacht seitdem ein Rat aus zwölf Bürgern und dem Bürgermeister.

Laut einem neuen Erlass von Innenminister Angelino Alfano sollen einige Ratsmitglieder künftig durch Kirchenvertreter ersetzt werden – ein erster Schritt, um den Schatz komplett unter die Kontrolle der Kirche zu stellen, wie viele befürchten.

„Wir schützen eine jahrhundertealte Institution und dulden keine Einmischung von Kirche und Regierung“, sagte Museumsleiter Paolo Jorio. Nach seinen Angaben versucht die Kirche seit Jahrhunderten, die Kontrolle über Reliquie und Schatz zu übernehmen.

Er denke, Alfano habe mit seiner Initiative dem Druck des Erzbischofs von Neapel nachgegeben, der auf diese Weise seinen „Einfluss auf einer der bekanntesten Symbole der Volksreligion ausweiten“ wolle, sagte Jorio.

apa/afp

stol