Montag, 08. Januar 2018

Kampfansage der Frauen bei den 75. Golden Globes

Es war Hollywoods Nacht der starken Frauen in schwarzen Roben: Die 75. Golden-Globe-Gala war eine leidenschaftliche Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligung. Der Schlachtruf „Time's Up“ (Die Zeit ist um) wurde zum Slogan der Trophäengala. Und die Preise gingen an Filme mit starken Frauenrollen und einer politischen Botschaft.

Nicole Kidman, Zoe Kravitz, Reese Witherspoon, Laura Dern, Shailene Woodley und Jean-Marc Vallee von der Serie  „Big Little Lies“.
Nicole Kidman, Zoe Kravitz, Reese Witherspoon, Laura Dern, Shailene Woodley und Jean-Marc Vallee von der Serie „Big Little Lies“. - Foto: © APA

Die Geschichte einer kämpferischen Mutter, die endlich den Mord an ihrer Tochter aufgeklärt haben will und dabei auf Polizeiwillkür und Rassismus stößt, war der Abräumer des Abends. Für den Film mit dem sperrigen Titel „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ von Regisseur Martin McDonagh gab es vier Globes, darunter den Top-Preis als bestes Drama und die Auszeichnung für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin. „Es gibt keinen Weg zurück. Nein, wir gehen nur nach vorne“, jubelte McDormand Backstage nach ihrem Sieg mit Blick auf den Wandel, der im Zuge der #MeToo-Bewegung gerade in Hollywood geschieht (STOL hat berichtet).

Schwarze Roben als Protest 

Das wurde schon vor der Preisgala auf dem roten Teppich deutlich, der diesmal eher ein „schwarzer Teppich“ war. Denn statt Farbe und Glitter trugen die Promis Schwarz, solidarisch als Protest gegen sexuellen Missbrauch. Stars wie Emma Watson und Michelle Williams wurden von Frauen-Aktivistinnen zu der Gala begleitet, darunter Tarana Burke, die die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe gestartet hatte.

Auf der Bühne ging die Kampfansage unvermindert weiter. „Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht“, sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk – und rührte viele im Saal zu Tränen. „Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren.“ Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer „Me too“ sagen muss, mahnte Winfrey.

Nach Winfreys emotionalem Auftritt kam es im Netz prompt zur Forderung, sie solle 2020 als Kandidatin im Präsidentschaftswahlkampf antreten. 

Politische Preise

Wie politisch die Preise bei der diesjährigen Ausgabe waren, belegte auch ein anderer Aspekt: Als symbolische Auszeichnung spendete Hollywoods Verband der Auslandspresse, der die Globes verleiht, nämlich zwei Millionen Dollar (knapp 1,7 Millionen Euro) an zwei Journalisten-Vereinigungen. Jeweils die Hälfte der Spende gehe an das International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ) und an das Committee to Protect Journalists, teilte Verbandspräsidentin Tatna mit. Damit wolle man Journalisten angesichts der zunehmenden Attacken auf ihre Arbeit verteidigen.

apa/dpa/afp 

stol