Montag, 02. November 2015

Kein "Life Ball" im Jahr 2016

Der Wiener Life Ball wird 2016 nicht stattfinden. Wie die Organisatoren am Montag bekannt gaben, will sich die Veranstaltung „in jeder Hinsicht neu erfinden und auf die nächste Stufe heben“. Nach der kreativen Pause wird das nächste Charity-Event 2017 im Wiener Rathaus stattfinden.

Foto: © APA/EPA

Die Veranstaltungen Red Ribbon Celebration Concert und First Ladies Luncheon werden im Jahr 2016 aber über die Bühne gehen. „Zeitgleich wird das Team seine Kräfte bündeln“, so die Organisatoren. „Es ist mir besonders wichtig klar zu sagen, dass unsere österreichischen HIV/Aids-Hilfsprojekte finanziell abgesichert sind.

Das war mir in all meinen Überlegungen ein großes Anliegen. Hier liegt ganz klar meine Priorität“, sagte Gery Keszler.

Life Ball – Vom „schwulen Aufschrei“ zum Megaevent

Seit 1992 sammelt das Team rund um Gery Keszler auf dem Life Ball Spenden in Millionenhöhe für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids. 23 Bälle sind es bisher geworden. Im Folgenden ein Überblick, wie der Life Ball von einem „schwulen Aufschrei“ zum größten Aids-Charity-Event gewachsen ist.

Gemeinsam mit seinem Freund Torgom Petrosian gründet Gery Keszler 1992 den Verein Aids Life. Nachdem Petrosian an Aids erkrankt, beschließen seine Freunde, in Österreich einen Charity-Event zu organisieren. Der Life Ball war geboren. Petrosian sollte aber nur den ersten Life Ball erleben.

Dieser geht am 29. Mai 1993 über die Bühne. Für das Event bringt Gery Keszler, der früher als Visagist tätig war, Stardesigner Thierry Mugler nach Wien. Der damalige Bürgermeister Helmut Zilk setzt sich dafür ein, dass die Aids-Benefizgala im Rathaus stattfinden kann. Der Life Ball ist somit die einzige Veranstaltung zugunsten von Aids-Organisationen, die in einem „politischen“ Gebäude stattfindet.

Schon damals konnte sich die Gästeliste sehen lassen: Helena Christensen und Vivienne Westwood waren ebenso gekommen wie heimische Prominente wie Chris Lohner und Alfons Haider. „Am Anfang war der Life Ball wirklich ein schwuler Aufschrei“, erinnerte sich Haider.

Aufgrund des großen Erfolges des ersten Life Balls und der enormen Nachfrage beschließen die Organisatoren rund um Keszler 1994 eine „Wiederholung“. Danach ist der Hype nicht mehr aufzuhalten. Karten für das Fest sind binnen Minuten vergriffen, die Spendensummen werden immer höher.

Mit der fünfte Ausgabe am 10. Mai 1997 mausert sich der Life Ball zum Megaevent. „Queen of Punk“ Vivienne Westwood kommt erneut nach Wien, um die diesjährige Modeshow auszurichten. Als Mitternachtseinlage singt Falco im Rathaus, einer seiner letzten Auftritte in Österreich vor seinem Unfalltod im Februar 1998.

Keszler spricht erstmals über seine HIV-Infizierung

Mit jedem Jahr wird das Fest aufwendiger und pompöser, die Eröffnungszeremonie samt Modeschau auch für Zaungäste im Rathausplatz geöffnet. Auch die Gästeliste wird immer prominenter: Elton John, Neil Tennant, der Sänger der Pet Shop Boys, Ex-Spice-Girl Emma Bunton, Liza Minelli, Heidi Klum, Sharon Stone, Milla Jovovich, Topmodel Naomi Campell, Antonio Banderas, Sean Penn, Whoopi Goldberg, die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit oder der Geiger David Garrett – alle kommen sie zu dem Fest.

Doch nicht nur das Publikum, auch die Hilfsprojekte werden internationaler: Seit 2006 kooperiert der Life Ball mit der American Foundation for Aids Research (amfAR). Auch die Clinton Foundation HIV/Aids Programme (CHAI) wird unterstützt, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton dadurch zum Stammgast. 2010 bildet der Life Ball den Auftakt der Welt-Aids-Konferenz in Wien.

2015 war der vielleicht persönlichste Ball von Organisator Gery Keszler. Völlig unerwartet berichtete Keszler bei seiner Rede davon, sich selbst in Australien in seinen 20ern mit dem HIV-Virus infiziert zu haben. „Ich war einer der ersten in Österreich, der sich mit Aids infiziert hat“, sagte er.

apa

stol