Südtirols Tierheime sind übervoll, „keine Box mehr leer“ heißt es etwa aus dem Tierheim in der Sill. Und die Urlaubszeit verschärft sich das Problem noch. Denn mit Hund oder Katze an den Strand, das geht halt nicht. „Und mit einem 12 Jahre alten Hund kann man auch nicht mehr jeden Berggipfel stürmen “, fügt Tappeiner vom Tierheim Naturns mit Sitz in Ulten hinzu – und wieder ist das Tier im Weg. <BR /><BR /><b>„Die Tiere werden oftmals einfach ausgesetzt“</b><BR /><BR /> „Das ist schon sehr auffallend, immer wenn sich die Sommerferien nähern, nehmen die Anfragen zu. Vor allen Dingen für Hunde“, sagt Tierheimleiterin Nadja Tappeiner. Anfragen für Katzen gebe es auch, aber weniger. Der Grund? „Hunde haben einen Mikrochip, über den der Besitzer ermittelt werden kann. Die kann man also nicht einfach so aussetzen, die sind besser geschützt als Katzen.“ <BR /><BR />Letztere hingegen landen im Sommer vermehrt auf der Straße. Die Tiere werden oftmals einfach ausgesetzt, wenn sie Glück haben, findet sie wer und liefert sie ab, ansonsten verwildern sie, sind sie nicht kastriert oder sterilisiert, vermehren sie sich auch – und nicht alle der ausgesetzten Tiere überleben. <BR /><BR /><b>Ein Tier auszusetzen, ist verboten</b><BR /><BR />Ein Tier auszusetzen, ist verboten. Wer erwischt wird, bezahlt Strafe. Und dank des obligatorischen Chips bei Hunden landet daher so gut wie kein Hund mehr auf der Straße. Aber im Tierheim. „Gerade Familien/Personen, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind, denen ist die Tierpension, die Hunde während des Urlaubes aufnehmen, dann zu teuer“, weiß auch Sepp vom Tierheim Obervintl. Dann soll das Tier ins Heim. Für ihn ein Zeichen, dass die Menschen keinen Respekt vor dem Tier haben. <BR /><BR /><b>„Es gibt die schwarzen Schafe, die ihr Tier vor dem Urlaub abgeben, und sich danach ein neues besorgen“</b><BR /><BR />„Und auch keinen Bezug zu ihren Tieren, denn wer einen Bezug zu seinem Hund hat, der kann ihn nicht einfach wegen einer Urlaubsreise abgeben“, wundert sich Sepp. Nicht dass das die Regel wäre, in den allermeisten Fällen werde ein Haustier geliebt, gehegt und gepflegt. Aber „es gibt halt auch die schwarzen Schafe, die ihr Tier vor dem Urlaub abgeben, und sich danach ein neues besorgen“, so Sepp. <BR /><BR />Derzeit, so weiß er, kommt aber noch ein weiteres Problem hinzu: Die Corona-Pandemie und die enorm gestiegenen Preise. Während ersterer haben sich einige Personen ein Haustier angeschafft, um mit Lockdown und Einsamkeit besser fertig zu werden. Jetzt, wo der Alltag wieder funktioniert wie zuvor, braucht es das Tier nicht – und auch von den „Corona-Tieren“ landet das ein oder andere im Heim. „Das Phänomen ist in Südtirol nicht so ausgeprägt wie vielleicht in bundesdeutschen Großstädten, aber es gibt es auch bei uns“, sagt Sepp. <BR /><BR /><b>„Wieder steht das Tierheim als letzter Ausweg“</b><BR /><BR />„Aber es gibt auch die Fälle, in denen sich die Menschen ihr Tier nicht mehr leisten können“, weiß der Tierschützer. Denn die Lebenshaltungskosten sind enorm gestiegen – auch die Preise für Futter und Tierarztspesen. „Da kommt schon was zusammen übers Jahr, wenn man nur 3 Euro am Tag an Futter und anderen Kosten rechnet, dann ist das am Ende eine schöne Summe“, so Sepp. Und wieder steht das Tierheim als letzter Ausweg. <BR /><BR />Was das Problem im Sommer zusätzlich verschärft, ist die Tatsache, „dass auch so gut wie keine Tiere vermittelt werden können in dieser Zeit. Die Leute haben daran im Sommer – wohl wegen der Urlaubspläne – kein Interesse“, erklärt Nadja Tappeiner. Also viele Hunde sollen rein, so gut wie kein Tier kommt raus. „Das ist jeden Sommer die gleiche Katastrophe, einfach schlimm“, bedauert die Leiterin des Tierheimes Naturns (nach einem Umzug befindet sich die Struktur nun allerdings in Ulten), wo man derzeit Wartelisten hat, weil ebenfalls alle Boxen voll sind. <BR /><BR />Während kleine und junge Hunde meist nur eine kurze Verweildauer im Tierheim haben, sind ältere und große Hunde ein echtes Problem. So wie Shanti, die 12-jährige Schäferhündin, die seit 6 Jahren im Tierheim Naturns auf ein neues Zuhause wartet. „Keiner will sie, dabei ist sie eine supertolle Hündin.“<BR /><BR /><b>Wer Interesse hat, einem der Tiere eine Zukunft zu geben, kann sich unter 324/61 35 959 im Tierheim Naturns, unter 0472/86 81 72 im Tierheim Obervintl oder unter 0471/32 98 00 im Tierheim in der Sill melden und einen Termin vereinbaren.</b>