Es ist hochansteckend und schwer zu diagnostizieren: Keuchhusten (Pertussis). „Ja, die Infektionskrankheit zirkuliert zurzeit in Südtirol“, bestätigt Dr. Silvia Spertini. Die Erkrankung würde „quer durch die Bank gehen“ und alle Altersgruppen betreffen. <BR /><BR />Seit Jahresbeginn wurden hierzulande über 100 Fälle gemeldet. Einer der Gründe könnte laut der Expertin ein „Meldebias“ sein, also dass das Bewusstsein für Keuchhusten durch eine erhöhte Aufmerksamkeit gestiegen sei. „Es hat aber auch in anderen Jahren vor der Pandemie höhere Fallzahlen gegeben.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1027899_image" /></div> <BR />Ein solcher Anstieg sei also nicht außergewöhnlich, erklärt Dr. Spertini. „Seit 2023 steigen die Fälle wieder an. Alle 5 Jahre gibt es im Durchschnitt eine Pertussiswelle“, weiß Dr. Silvia Spertini. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64700571_quote" /><BR /><BR />Erst in den vergangenen Tagen warnte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Von 2023 bis April 2024 seien in Europa knapp 60.000 Keuchhusten-Fälle gemeldet worden, ein Anstieg um mehr als das Zehnfache im Vergleich zu 2022 und 2021. <BR /><BR />Aber nicht nur in der EU haben die Fälle zugenommen: In Großbritannien starben 2024 bislang 5 Babys an der Infektionskrankheit. „Am gefährlichsten ist Keuchhusten für Säuglinge unter 6 Monaten“, informiert Dr. Spertini. Bei ihnen sei das Risiko, dass Komplikationen auftreten könnten, am größten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64700575_quote" /><BR /><BR />Um diese Hochrisikogruppe zu schützen, werde schwangeren Frauen schon seit vielen Jahren empfohlen, sich ab der 28. Schwangerschaftswoche impfen zu lassen. „Mit der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten erhöht sich der Schutz der Schwangeren und diese geben ihn an ihr ungeborenes Kind weiter“, so Dr. Spertini. Damit seien die Neugeborenen in den ersten Monaten ihres Lebens geschützt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64700579_quote" /><BR /><BR />Aber gegen Keuchhusten sollten sich nicht nur schwangere Frauen impfen lassen, rät die Expertin. „Kleinkinder sollte man im 3., 5. und 11. Lebensmonat impfen; Kinder im 6. Lebensjahr und mit 15 Jahren.“<BR /><BR /> Danach empfiehlt es sich die Impfung alle 10 Jahre aufzufrischen. Denn, „der Impfschutz sinkt nach einigen Jahren und hält nicht ein Leben lang an.“ <h3> Der Husten kommt erst später</h3>Viele Betroffene wissen zu Beginn oft gar nicht, dass sie an Keuchhusten erkrankt sind – dabei ist er hochansteckend und wird durch Tröpfchen übertragen. „Am Anfang haben die Erkrankten Erkältungserscheinungen“, erläutert Dr. Silvia Spertini. Ein bis 2 Wochen später trete dann ein Husten auf, der bis zu 10 Wochen anhalten könne. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64700583_quote" /><BR /><BR />Laut Dr. Spertini sind die Betroffenen gerade im ersten – unspezifischem – Stadium der Erkrankung ansteckend. Die Ansteckungsgefahr besteht nicht mehr 3 Wochen nach dem ersten Auftreten des Hustens. „Durch die Einnahme von Antibiotikum ist es außerdem möglich, die Dauer der Ansteckungsfähigkeit zu senken.“ <BR /><BR />Engen Kontaktpersonen der Betroffenen werde empfohlen vorbeugend Antibiotikaprophylaxe einzunehmen – um einen Ausbruch von Keuchhusten zu vermeiden. <BR /><BR />In den vergangenen Jahren habe es in Südtirol keine Todesfälle gegeben, schließt Dr. Silvia Spertini. „Aber in den Jahren vor der Pandemie wurden einige Neugeborene auf der Neugeborenenintensivstation in Verona aufgrund von Keuchhusten behandelt.“