Montag, 24. August 2020

Kindergarten und Grundschule: Andreas Conca über den Neustart

Was Kinder, Lehrer, Eltern nach dem Lockdown jetzt brauchen, um gut ins neue Bildungsjahr zu starten

"Wir sitzen alle im selben Boot", sagte Dr. Andreas Conca bei der gestrigen Tagung im Bildungshaus Lichtenburg © ugc / Sabine Kaufmann
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"Wir sitzen alle im selben Boot", sagte Dr. Andreas Conca bei der gestrigen Tagung im Bildungshaus Lichtenburg © ugc / Sabine Kaufmann - Foto: © Sabine Kaufmann
Stellen sie sich vor sie machen eine Schiffreise und erleiden einen Schiffsbruch. Die Rettungsboote erweisen sich als nicht nützlich, die Angst steigt, jeder rät was Anderes, alles gerät in Schieflage. Mit der Metapher wir sitzen alle im selben Boot veranschaulichte Andreas Conca, Koordinator für Kinder und Jugendpsychiatrie, den zahlreichen Mitarbeitern aus dem Bildungswesen die Situation mit dem Lockdown. Es sind nicht die Auswirkungen des Virus Covid-19, die uns so zu schaffen machen es ist vielmehr der Lockdown selbst , bekräftigt Andreas Conca. Covid-19 hat alle überrascht und der Umgang mit den Auswirkungen besonders für Kinder, Schüler, Eltern und Lehrer kristallisiert sich zunehmend als Stresstest heraus.

Jetzt geht es darum, die Ist-Situation zu erfassen, daraus zu lernen und sich bestmöglich für den Neustart im Herbst zu rüsten. Gemeinsam diskutierten und erforschten die Teilnehmer heute im Bildungshaus Lichtenburg mit welchen Veränderungen der kognitiven, emotionalen und sozialen Fertigkeiten zu rechnen ist und was Kinder nach diesem radikalen Abbruch für ihre Entwicklung nun brauchen. Wie kann es gelingen, dass Kinder nach dem Lockdown und der etwas anderen Sommerpause in den Alltag zurückfinden? ·

Diskutiert wurde wie es gelingen kann gruppendynamische Stärkung, individualisierte Wahrnehmung und spezifische pädagogische Kompetenzförderung zu gewährleisten. Die beste Voraussetzung für gute Leistungen und Wachstum ist eine gute Beziehung zwischen Kindern, Lehrpersonen und Eltern. Im Herbst wird sich zeigen, ob es gelingt eine gute Beziehungsbasis zu erarbeiten und sich zu vertrauen , weiß Co-Referentin Katja Decó.

Andreas Conca erinnerte die Lehrer und Kindergärtnerinnen daran, dass sie zwar in Normen eingebettet sind, sich an Regeln halten müssen, dabei aber nicht vergessen dürfen, dass sie alle ganz klare Freiräume für ihre Aktivität haben. Diese müssen, wollen, sollen, können jetzt genutzt werden. Gerade in Krisensituationen entwickeln Menschen besonders kreative und konstruktive Ideen. Es geht aber auch darum sich selbst zu stärken, zu hinterfragen, was kann ich den Kindern anbieten, wie kann es mir gelingen jeden Tag die Beziehung zu Schülern und Kindergartenkinder zu leben, erklärte Conca. In seinem Referat erinnerte Conca nochmals an die Eckdaten wie es zum Lockdown gekommen ist: zuerst waren da untypische Lungenentzündungen im Dezember, China war noch weit weg, dann kam das Virus nach Italien, in die Lombardai.

Erste Tote im Jänner, Ende Februar plötzlich die Erkenntnis es kann auch uns in Südtirol treffen und dann im März plötzlich die Schließung. Das Bildungssystem war von heute auf morgen eine große Unbekannte. Was ist passiert? Eine hoch emotionale Situation, die unser Befinden veränderte: Angst, Schlafstörungen, Zwangsentwicklungen, Denkweltveränderung.

Die Folge des Lockdown

Kinder mussten daheimbleiben, Frauen wurden an den Herd verbannt, alte Menschen weggesperrt, Armut machte sich breit und die Kultur wurde vernichtet, so Conca. Der Lockdown war und ist ein Stresstest für das Bildungssystem. Nach der Schließung der Schulen und Kindergärten kam der Schock, dann das Gefühl wir schaffen das, gefolgt von der Honeymoon Denke alles wird gut , bis zum Auflösen dieser Illusion. Was also tun, wenn es nun zum zweiten Mal losgeht? Wir müssen mit der Erfahrung beginnen, die wir jetzt gesammelt haben, so Conca. Denn wie beim Schiffsbruch, kann man auch das Positive sehen, unbekannte Inseln entdecken und Schätze finden.

sabine kaufmann