Moritz Sigmund und Patrick Tirler sind 2 junge Kletterer, von denen noch öfters zu hören sein wird. Die Sektion Brixen des Alpenvereins Südtirol hat die beiden für den Alpinen Förderpreis nominiert. Zudem stellt das Duo am 3. März um 20 Uhr im Haus Voitsberg Vahrn seine Abenteuer mit Freunden in Kara-Su (Kirgistan) vor. <BR /><BR /><b> Sie sind am 4. September gemeinsam die Tour „Der fliegende Milchmann“ mit einem Schwierigkeitsgrad von VIII- am Santner erstbegangen. Wie gehen Sie bei einem solchen Projekt bis zur Vollendung vor?</b><BR />Patrick Tirler: Die Route auf dem Santner war eine sehr spontane Aktion. Ich hatte diese Linie schon vor einigen Jahren entdeckt und im Hinterkopf behalten. Es war ein Freitagabend, als wir die Idee hatten, am nächsten Tag die Erstbegehung am Santner zu versuchen, und so sind wir am nächsten Tag ohne große Erwartungen eingestiegen. Wir kamen sehr schnell voran, vor allem da wir nur 2 Normalhaken schlagen mussten und den Rest mit mobilen Sicherungsmitteln absichern konnten. So konnten wir die Route noch am selben Tag vollenden. Am nächsten Tag kamen wir nochmals zurück, um die Route frei zu klettern.<BR /><BR /><b> Was waren bisher Ihre größten Herausforderungen?</b><BR />Moritz Sigmund: Die vermutlich größte Herausforderung stellte für uns die Route CAXAPOBA am Peak Odessa in Kirgistan dar. Wir wurden noch nie zuvor, in jeglichen Bereichen, so gefordert wie beim Besteigungsversuch dieser Route. Vom Zustieg über die Logistik, der puren Schwierigkeit und der mentalen Stärke forderte die Tour alles von uns. Und auch wenn wir scheiterten, bescherte uns diese Tour ein wohl unvergessliches Erlebnis.<BR /><BR /><embed id="dtext86-58416559_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Wie kann man sich ein solches Abenteuer im Süden von Kirgistan in den nördlichen Ausläufern des zentralasiatischen Gebirgszugs vorstellen?</b><BR />Tirler: Es war als würde man vor 50 Jahren in den Alpen klettern gehen. Nach einer mehrtägigen Anreise mit Pferden als Gepäckträger haben wir ein Zeltlager auf einer wunderschönen Almwiese aufgebaut und für 4 Wochen Kletterrouten auf den umliegenden Bergen unternommen. Die Berge dort sind viel höher und steiler als bei uns zuhause und weitgehend unbekannt. Wir waren vollkommen auf uns alleine gestellt und konnten einige sehr schöne Routen klettern. <BR /><BR /><b> Was waren die größten Erfolge der Reise?</b><BR />Sigmund: Das gesamte Erlebnis würde ich als größten Erfolg bezeichnen. Die ganzen großartigen Momente, die wir zusammen als Gruppe in diesen 4 Wochen erlebt haben, und der Einblick in diese komplett andere Welt waren eine Bereicherung für jeden von uns. Auf das rein Klettertechnische bezogen sind sicher die Besteigungen der Granitriesen Kotina und Asan sowie unsere 2 Erstbegehungen primär zu nennen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="869009_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b> Was hat Sie auf der Reise überrascht?</b><BR />Tirler: Die ganze Reise war eine ständige Überraschung. Die Anreise war extrem spannend, weil wir nie wirklich wussten, was uns im nächsten Moment erwartet. Die Kletterei war ebenfalls sehr abenteuerlich. Es gibt nur einzelne Berichte von vergangenen Expeditionen, und so hatten wir nur wenig Informationen über bereits bestehende Routen und Abstiege. Ansonsten hat uns überrascht, wie herzlich wir von den Kirgisen empfangen wurden und wie gut sich, vor allem unsere Köchin, um uns kümmerte. Wir haben zudem viele Freundschaften mit russischen Kletterern geschlossen und eine ganz andere Perspektive auf das Weltgeschehen kennengelernt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-58416980_quote" /><BR /><BR /><BR /><b> Was raten Sie jemanden, der ein solche Projekt plant?</b><BR />Sigmund: Sich gut zu informieren und Informationen zu sammeln von Menschen, die vor kurzer Zeit am gleichen Ort oder an einem benachbarten waren, ist immer hilfreich. In unserem Fall war eine Besonderheit, dass wir Militärbescheinigungen benötigten, da sich unser Ziel in der Nähe zum Nachbarland befand und es nicht selten zu Konflikten kommt. Des Weiteren ist es immer hilfreich, sich einige Grundkenntnisse der lokalen Sprache und Gestik anzueignen, da man selten mit Englisch das gewünschte Resultat erzielt.<BR /><BR /><b> Sind Sie bereits Profikletterer oder ist noch ein Berufsbrot notwendig. Denn wie viel trainieren Sie, und wie finanzieren Sie die Reisen? </b><BR />Tirler: Wir sind keine Profikletterer und haben eine professionelle Kletterkarriere auch nicht als Ziel. Moritz hat bereits einen Vollzeitjob in Brixen, und ich studiere Informatik in Innsbruck. Ich habe daher etwas mehr Zeit zum Klettern und gehe daher regelmäßig in die Kletterhalle und in die Klettergärten der Umgebung. In Innsbruck habe ich die Möglichkeit mit vielen, sehr starken Kletterern zu trainieren, was mir genauso viel Spaß bereitet, wie die alpinen Abenteuer. Andererseits ist es als Student natürlich deutlich schwieriger solch große Reisen zu finanzieren, und ich bin daher angewiesen auf Ferialjobs und vor allem auf Unterstützung vonseiten der Familie, dem Alpenverein und meinem Sponsor MountainSpirit.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="869012_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b> Welche neuen Projekte haben Sie derzeit im Auge?</b><BR />Sigmund: Im Moment planen wir eine neue Expedition für diesen Sommer. Auf diesem wird wohl unser Hauptaugenmark in nächster Zeit liegen. Ansonsten werden wir uns sicher in einigen lokalen Erstbegehungen und Begehungen von wilden, kaum bis gar nicht wiederholten Dolomitentouren versuchen.<BR /><BR /><b> Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?</b><BR />Tirler: Wir leben grundsätzlich eher von Moment zu Moment. Wir freuen uns schon unglaublich auf unsere nächsten Projekte, und ich kann mir keine bessere Zukunft vorstellen als so weiterzumachen wie bisher. Das Klettern und Bergsteigen wird sicherlich immer Teil unseres Lebens sein, und wir werden einen Weg finden, dieser Leidenschaft weiterhin zu folgen.