Schloss Ambras erzählt eigentlich eine romantische Geschichte. Nein, Pfauen spielen darin keine Hauptrollen. Sondern Erzherzog Ferdinand II., Landesfürst von Tirol, und die schöne Philippine Welser, Tochter eines reichen Kaufmanns in Augsburg. Richtig, eine Bürgerliche. Es war wahre Liebe zwischen dem Habsburgerspross und der reichen Patriziertochter, und so heiratete das Paar 1557 heimlich. <BR /><BR />Diese Liebesheirat beförderte den Kaisersohn ins politische, gesellschaftliche und dynastische Abseits. Denn als Kaiser Ferdinand I. von der nicht standesgemäßen Ehe seines Zweitgeborenen erfuhr, gestattete er zwar nachträglich die Heirat. Er bestand allerdings darauf, dass alle Kinder der beiden von der habsburgischen Erbfolge ausgeschlossen wurden. Im Gegenzug sollten sie durch den „Ankauf von Herrschaften“ versorgt werden und das Wappen der Habsburger führen dürfen. <BR /><BR />Als Wohnsitz schenkte Ferdinand II. seiner Philippine Schloss Ambras, um dort fernab von der Hofburg in Innsbruck mit der Familie zu leben. Der Vorläufer des Schlosses, die Burg, wurde schon im zehnten Jahrhundert errichtet, zerstört und wieder aufgebaut. Im 14. Jahrhundert erbten die Habsburger die Burg, Kaiser Maximilian nutzte sie als Jagdschloss. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215189_image" /></div> <BR /><BR />Erzherzog Ferdinand II. ließ die mittelalterliche Burg in den 1560er-Jahren in ein Prunkschloss der Renaissance ausbauen, ging hier seiner Sammelleidenschaft nach (Kunst- und Rüstkammer beispielsweise sind ein Juwel).<h3> Symbol für Schönheit und Exotik</h3> Die prachtvolle Parkanlage von Schloss Ambras ist ein etwa 20 Hektar großer Renaissancegarten, sprich: künstlich angelegte Natur. Der Wasserfall und die Bacchusgrotte sind heute noch ein Highlight im Park; der Paradies- und Arzneimittelgarten wurde schon von Philippine angelegt, sie war sehr erfahren in der Kräuterlehre.<BR /><BR />Es heißt, Philippine hätte auch eine Schwäche für Pfauen gehabt und ließ sie – als Symbol für Schönheit und Exotik – auf dem Gelände halten. Und hier kommt das herrschaftliche Federvieh ins Spiel.<BR /><BR />Der Blaue Pfau (Pavo cristatus) ist eine Vogelart aus der Familie der „Fasanenartigen“ (Phasianidae). Er gehört zur Ordnung der Hühnervögel und ist neben dem Fasan und dem Haushuhn einer der bekanntesten Vertreter dieser Vogelgruppe. Neben den Blauen Pfauen gibt es auch die Ährenträgerpfauen (Pavo muticus, auch: Grüne Pfauen), die Kongopfauen (Afropavo congensis) sowie verschiedene Mutationen und Kreuzungen.<BR /><BR />Auffallendstes Merkmal aller Pfauenhähne ist die lange Schleppe aus bis zu 200 Schwanzfedern. Je länger die Schleppe, desto gesünder und kräftiger der Hahn. Das wissen natürlich auch die Weibchen und suchen sich bewusst so einen Hahn als Vater für ihren Nachwuchs aus. <BR /><BR />Wie so oft in der Tierwelt muss sich auch bei den Pfauen das Weibchen mit dem einfarbig braunen Federkleid begnügen. Aber diese Farbe kommt den Weibchen beim Brüten zugute: Wäre es so blau wie das Männchen, würde sie ein gefundenes Fressen für jeden Feind sein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215192_image" /></div> <h3> Pfauen nehmen es mit Tigern auf</h3>Ursprünglich stammen die Vögel aus Südasien – also Indien, Sri Lanka, Nepal und Pakistan. Dort leben sie bevorzugt in hügeligem Gelände im Dschungel, besonders in Wassernähe. Der Pfau als Wildvogel ist ein durchaus lebenstüchtiger Dschungelbewohner, der mit Gefahren wie Tigern und Leoparden fertig werden muss. <BR /><BR />Vor diesen Großkatzen warnen Pfauen durch ihre schrillen Rufe, die – wie bereits seit der Antike immer wieder betont wurde – in krassem Gegensatz zu ihrer Schönheit stehen. Sie erfüllen in der Natur jedoch eine wichtige Funktion und gaben bereits vor Jahrtausenden für Mensch und andere Dschungelbewohner ein Warnsignal vor herannahenden Gefahren. <BR /><BR /> Pfauen sind in Indien aber auch beliebte Haustiere, weil zu ihren Lieblingsspeisen unter anderem junge Kobras gehören. So helfen die Vögel mit, die Häuser ihrer Besitzer von diesen gefährlichen Schlangen freizuhalten. Und: In Indien werden die Laute, die Pfauen – übrigens die Nationalvögel des Landes – von sich geben, als „Minh-Ao!“ gedeutet. Das heißt so viel wie „Regen kommt!“. Tatsächlich ertönt der charakteristische Schrei oft vor Unwettern.<h3> Pfauen faszinieren seit Tausenden Jahren</h3>Bereits vor über 3.000 Jahren wurde der Blaue Pfau von Herrschern in Kleinasien und im Alten Ägypten als Statussymbol gehalten. Aufgrund ihres auffälligen Aussehens zählen insbesondere die Männchen zu den ältesten bekannten Ziervögeln. Durch die Eroberungsfeldzüge Alexanders des Großen kamen Pfaue bereits in der Antike auch nach Europa. <BR /><BR />Der Pfau war das Symbol der Schönheit, des Reichtums, der Liebe, Leidenschaft, aber auch der Unsterblichkeit, Arroganz und der Eitelkeit. Um ihn rankten sich Mythen und Legenden verschiedener Kulturen und Epochen. In der griechischen Mythologie beispielsweise erschuf die Göttin Hera das „hundertäugige“ Federkleid des Pfaus aus dem vieläugigen Riesen Argos, der mit seinen Argusaugen Io bewachte und von Hermes getötet wurde. <BR /><BR />In der christlichen Symbolik verkörpert der Pfau die Unsterblichkeit, da sein Fleisch als unverweslich galt. Über ein diesbezügliches Experiment berichtet Kirchenvater Augustinus: Ein Stück Pfauenbraten blieb nach 30 Tagen und sogar noch nach einem Jahr genießbar.<h3> Kostbarkeit und Köstlichkeit</h3>Ein Pfau diente also nicht nur als Augenschmaus, sondern auch der Gaumenfreude. Die gehobene römische Gesellschaft hat ihn so gerne verspeist, dass er rund um Rom gezüchtet wurde. An den Fürstenhöfen Europas galt er noch Jahrhunderte später als Kostbarkeit und Köstlichkeit. Dies ist auch heutzutage einer von mehreren Gründen, weshalb der Ährenträgerpfau vom Aussterben bedroht ist.<h3> Truthähne „retten“ den Pfauen das Leben</h3>Im Mittelalter verbreitete sich die Pfauenzucht weiter, und die Tiere waren besonders in der Zeit Karls des Großen bekannt. Während der Renaissance blieb er ein beliebtes Element in der höfischen Kultur und auf Festtafeln, bis sich der aus der Neuen Welt eingeführte, schmackhaftere Truthahn durchsetzte.<BR /><BR /> Und hiermit schließt sich der Kreis zwischen Tirol und den Pfauen. Denn dem Zauber der Tiere war – wie viele andere europäische Herrscher – auch das Renaissance-Paar Ferdinand und Philippine in Ambras (bis 1938 eine eigene Gemeinde) verfallen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215195_image" /></div> <BR /><BR />Als Philippine 1580 starb, endete die Blütezeit des Schlosses. Auf Anordnung von Ferdinand II. erhielt sie ein Grabmal in der ebenfalls vom Hofbaumeister Giovanni Luchese errichteten Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche. 15 bewegte Jahre später starb auch Ferdinand. Beerdigt wurde er in der Nähe von Philippine, so waren sie im Tode wieder vereint.<BR /><BR />In den folgenden Jahrhunderten wechselte Schloss Ambras mehrmals seinen Besitzer, wurde Kaserne und Lazarett, und 1913 sollte es Sommersitz der Familie von Thronfolger Franz Ferdinand werden. Durch dessen Ermordung in Sarajewo wurden diese Pläne nie in die Tat umgesetzt. 1919 fiel das Schloss durch die Abschaffung der Monarchie an die Republik Österreich; heute gehört Schloss Ambras dem Kunsthistorischen Museum Wien und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. <h3> Pfauen „terrorisieren“ ihre Nachbarschaft</h3>Habsburger gibt es heute auf Schloss Ambras also keine mehr. Aber immer noch die majestätischen Blauen Pfauen. Und die sind kaum zu übersehen – oder zu überhören –, wenn sie stolz über den Rasen schreiten, sich auf Balustraden sonnen oder lautstark ihre Anwesenheit verkünden. Besonders während der Balzzeit im Frühjahr bieten sie ein eindrucksvolles Schauspiel, wenn die Hähne ihr imposantes Rad schlagen und ihre schillernden Schwanzfedern in voller Pracht zur Schau stellen. <BR /><BR />Besondere Attraktion ist seit 2012 der strahlend weiße Pfau „Weißkunig“ – benannt nach dem gleichnamigen Buch Maximilians I. Bei dem prächtigen Tier handelt es sich nicht um einen Albino, sondern um eine gezüchtete Variante. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215198_image" /></div> <BR />Im vergangenen Sommer sorgten die gefiederten Botschafter von Schloss Ambras allerdings für etwas Unmut. Auf elf Stück war die Anzahl der Pfauen angestiegen, und einige Tiere machten die Nachbarschaft in Aldrans und Sistrans unsicher – inklusive Kot auf Terrassen, Kratzern auf Autos und Schlaf raubendem Gekreische. Mittlerweile – das bestätigte Schlosspark-Verwalterin Claudia Reimair der „Tiroler Tageszeitung“ – wurde die Pfauenschar im Schlosshof von über einem Dutzend Tieren auf vier junge Hennen und zwei Hähne reduziert. Der Rest wurde aufs „Altenteil“ zu einem Bauern geschickt.