Wo Jakob Watschinger zugegen ist, geht zumeist richtig die Post ab. So beispielsweise beim Dreh der Krimiserie „Detective von Fock“, einer aufwendigen internationalen Produktion mit einem Budget von 3,7 Millionen Euro. „Ich habe den Typen gedoubelt, der von hinten angeschlichen kommt und den Protagonisten mit einer Schaufel niederschlägt“, sagt der Pusterer.<BR /><BR />Auch die dabei verwendete Schaufel wurde von seinem Team hergestellt. Sie wurde aus Hartschaum nachgegossen, denn mit einer handelsüblichen Metallschaufel sollte eine derartige Szene wegen des Verletzungsrisikos nicht durchgezogen werden. <BR /><BR />Bei einer anderen Szene fällt der Reiter vom Pferd, mit ihm haben die Pusterer Spezialisten durchgespielt, wie man einen solchen Sturz glaubhaft und verletzungsfrei hinbekommt. Und wieder in einer anderen Szene bekommt ein Darsteller eine Peitsche um den Hals geschlagen und wird dann damit über den Boden geschliffen. „Ein schwieriges Unterfangen, weil man immer schauen muss, dass die Szene den Vorstellungen des Regisseurs entspricht und gleichzeitig alles reibungslos abläuft“, erklärt Jakob Watschinger.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1059672_image" /></div> <BR />Der unerschrockene Innichner hat sich zusammen mit seinem Team auf Spezialeffekte, Pyrotechnik und Stunts spezialisiert, bereits vor 10 Jahren hat er zusammen mit Diego Marangoni die entsprechende Firma „Impact Productions“ mit Sitz in Innichen aus der Taufe gehoben.<BR /> Hubert Schöneggers Film „Tränen der Sextner Dolomiten“ war ein Ausgangspunkt, dort waren Explosionen, spezielle Requisiten und Feuer gefragt. Mit dem Feuer spielte Jakob Watschinger, der in London Film studiert hat, schon immer gerne – jahrelang gab er bei den Vorführungen der Skischule in Olang den brennenden Mann auf der Skipiste. <BR /><BR />In den Anfangsjahren fiel den beiden Freunden auf, dass es in ganz Südtirol keinen Anbieter für vielfältige Pyroeffekte gab. Und so haben sie sich in dieses Metier hineingefuchst, die entsprechenden Ausbildungen gemacht, sich einen riesigen Erfahrungsschatz angeeignet und natürlich vom boomenden Filmbusiness in Südtirol profitiert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1059675_image" /></div> <BR />Seitdem ist viel passiert, denn ihre Dienste werden im Metier geschätzt – bei Produktionen in Südtirol und längst auch darüber hinaus. Sie haben für die ganze Palette an Action in TV-Serien, Spielfilmen, Serien und auch Werbespots gesorgt, das Curriculum reicht von „Iceman“ (2016), wo Nebel, Schnee und Feuer gefragt waren, über die Netflix-Serie „You vs. Wild“ (2020), als die Explosion eines Fliegers und eines Bunkers durchzuführen waren, bis hin zum Spielfilm „Mordach“ (2021), wo die Stunts zu organisieren waren und zum mehrfach prämierten Thriller „Die Theorie von Allem“ (2022) mit einer gehörigen Portion Wind, Schnee und Feuer. Die Filmografie ist beachtlich, die angebotenen Dienste sind es noch mehr. <BR /><BR /><b>Eine Frage von Timing, Präzision und Sicherheit</b><BR /><BR />„Wer denkt, dass Spezialeffekte nur noch am Computer generiert werden, der irrt“, spricht Jakob Watschinger einen Schwerpunkt an. Natürlich komme es stets auf die Machart und die jeweilige Produktion an, aber vielfach seien Effekte direkt vor Ort am Filmset einfacher und zudem günstiger. <BR /><BR />Mit dem nötigen Wissen und der richtigen Planung sind die Effekte in der Regel schnell realisiert, sie verleihen den Filmen Authentizität. Besonders auf der Hut müsse man bei der Durchführung von Explosionen sein, neben dem gewünschten Effekt muss das Timing stimmen. Vom platzenden Autoreifen bis hin zum explodierenden Auto ist die Bandbreite groß. Kawumm. Besonderes Knowhow erfordern Schüsse und Einschüsse, denn wenn einem schon die Kugeln um die Ohren fliegen, dann soll das in Form von Funken, zischenden Lauten, zerborstenen Scheiben und womöglich Blut auch Eindruck hinterlassen. Absolute Präzision und Sicherheit sind natürlich oberste Priorität bei allen Effekten, andernfalls bleibt man nicht lange in diesem Geschäft. <BR /><BR /><b>Stuntman, Pyrotechniker und Wettermacher</b><BR /><BR />Ein Fach für sich ist indessen die Rolle eines Stuntman, der besonders gefährliche Szenen ausführen bzw. die Darsteller in gewissen Sequenzen doubeln muss. Auch darauf hat sich das Team von Jakob Watschinger und Diego Marangoni spezialisiert. Durch eine Scheibe springen und sich dann im Garten abrollen? Kein Problem. Von einem Auto angefahren werden und über die Straße fliegen? Ein fast schon alltäglicher Job. Ob haarsträubende Salti, krachende Kampfszenen oder brennende Menschen – den Pusterer Actionspezialisten ist kein Job zu heiß. „Jeder von uns hat seine Talente, ich selbst habe weit mehr Frauen als Männer gedoubelt“, sagt der 36-Jährige und muss dabei schmunzeln. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1059678_image" /></div> <BR /><BR />Geht es um Stunts, dann kommen oftmals Michele und Stefano Seclì zum Einsatz, beide fester Bestandteil des Teams. Stefano gilt als der Waghalsige, der schon zum Frühstück seine Portion Adrenalin braucht, Michele dagegen ist der Zielsichere, der nur einen Schuss braucht, um ins Schwarze zu treffen. Bumzack. Grundlage für die Stunts sei die Kampfsporterfahrung, welche sich die Männer im Laufe der Jahre antrainiert haben. <BR /><BR />Von der reinen Action einmal abgesehen, kommt ein oftmals unterschätzter Bereich dazu: das Wetter bzw. die atmosphärischen Bedingungen. „Der Großteil unserer Arbeit betrifft insofern die Natur, als dass wir für Regengüsse, aufsteigenden Nebel, dahinrieselnden Schnee oder Wind sorgen“, sagt Jakob Watschinger. Folglich dürfen sich die Pusterer auch als Wettermacher bezeichnen. Regen in all seinen Varianten braucht es ziemlich oft, Nebel und Schnee in unseren Gefilden sowieso. „Auch in diesem Bereich müssen von der Größe der Tropfen oder der Richtung der Nebelschwaden alle Details stimmen, wobei manche Regisseure schon mit unrealistischen Vorstellungen daherkommen“, gibt der Pusterer zu bedenken. Die Physik habe nun mal ihre Grenzen. Dann müsse man sich eben fachmännisch austauschen – es habe noch immer für jeden Wunsch eine Lösung gegeben.