Dienstag, 01. Dezember 2020

Kuss der Giganten, Mars und Goldener Henkel: Astro-Highlights im Dezember

Der Dezember hält einige spektakuläre Himmelshighlights für uns parat, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Dominiert wird der Nachthimmel derzeit vom unserem rostroten Nachbarplaneten Mars, der die nächsten Tage besonders hell und auffällig strahlt. Außerdem steht auch ein extrem seltenes Ereignis kurz bevor. David Gruber, Vize-Präsident des Vereins der Amateurastronomen Max Valier EO, erklärt gegenüber STOL, wann sich der Blick gen Himmel besonders lohnt.

Der Mars ist der Erde gerade sehr nahe und dominiert mit seiner Helligkeit den winterlichen Nachthimmel. - Foto: © Dieter Seiwald
Der Sternenhimmel im Dezember

Im Winter können wir sehr viele helle Sterne beobachten, so etwa das Wintersechseck, ein Hexagon dessen Spitzen von den sechs (sogar sieben) Sternen Sirius (im großen Hund), Prokyon (im kleinen Hund), Kastor und Pollux (in den Zwillingen), Capella (im Fuhrmann), Aldebaran (im Stier) und Rigel (im Orion, das Leitsternbild des Winterhimmels) gebildet wird.



Diese Sterne gehören zu den hellsten Objekten, die wir von der Erde aus, außerhalb unseres Sonnensystems sehen können und es ist daher besonders auffällig am Sternenhimmel sichtbar. Im Sternbild Orion befindet sich auch der Orionnebel (siehe Foto). Dieser ist, als Teil des „Schwertes des Orion“, sogar freiäugig zu sehen. Dabei handelt es sich um ein Sternentstehungsgebiet in rund 1350 Lichtjahren Entfernung.




Schön am Abendhimmel zu beobachten ist nach wie vor der rostrote Nachbarplanet Mars, der - obwohl seine Entfernung zur Erde nun wieder zunimmt - immer noch auffällig und heller als alle Sterne leuchtet und den Nachthimmel dominiert.

Wie David Gruber gegenüber Stol erklärt, kann es sein, dass man den roten Planeten flackernd und leicht in Bewegung wahrnimmt. Die Ursachen dafür sind mehrere oder ein Zusammenspiel dieser, unter anderem etwa eine unruhige Erdatmosphäre oder auch Wolkenschleier, die zu einer Art optischer Täuschung führen können.

Video aus Klerant

Auch über Klerant/Brixen strahlte der Mars am Montagabend gelb-orange und strahlend hell. Durch das starke Zoomen beim Filmen des Planeten erscheint der Mars auf diesen Handy-Aufnahmen von Sandra Fink (siehe Video) eher wie ein unbekanntes Objekt, wie ein explosionslustiger Feuerball, der sich zudem noch schnell um seine eigene Achse dreht. Auch wenn das in der Realität nicht so ist: Faszinierende Bilder sind es allemal.

14. Dezember: Meteorstrom der Geminiden

Im Gegensatz zu anderen Sternschnuppenschauern lassen sich die Geminiden, die an diesem Tag ihr Maximum erreichen, bereits in den frühen Abendstunden beobachten. Bis zu 140 Sternschnuppen pro Stunde können gezählt werden und wer Glück hat, sieht eindrucksvolle helle, gelb-weiß leuchtende Meteore. Der Ursprung des Schauers, der so genannte Radiant, scheint im Sternbild der Zwillinge (Gemini) zu liegen, daher ihr Name. In diesem Jahr haben wir zusätzliches Glück, da kein heller Mond stört, weswegen auch die lichtschwächeren Sternschnuppen zu sehen sein werden.


21. Dezember: Das astronomische Highlight des Jahres


Die zwei Riesenplaneten Jupiter und Saturn werden sich, von der Erde aus gesehen, am 21. Dezember so nahe stehen, dass sie mit bloßem Auge kaum mehr voneinander zu unterscheiden sein werden.




So eine Begegnung - die Astronomen sprechen von einer Großen Konjunktion - kommt zwar rund alle 20 Jahre vor, allerdings ist es sehr selten, dass sich beide Planeten so extrem nahe kommen. Das letzte Mal war dies im Jahr 1623 der Fall und das nächste Mal werden sich Jupiter und Saturn erst im März 2080 wieder so nahe stehen.



Eine sehr berühmte Große Konjunktion war jene des Jahres 7 vor unserer Zeitrechnung. Kein geringerer als der Astronom Johannes Kepler hat spekuliert, ob diese nicht vielleicht der „Stern von Betlehem“ sein könnte, von dem im Matthäus-Evangelium die Rede ist und der weitläufig als Schweifstern dargestellt wird. Ob es wirklich dieser biblische „Stern“ ist, mag bezweifelt werden, ein schöner Anblick durch ein Fernglas ist es allemal. Das Planetenpaar ist in den frühen Abendstunden flach am südwestlichen Horizont zu beobachten.


25. Dezember: Der Goldene Henkel

In den frühen Morgenstunden des Weihnachtsfesttages kann auf dem zunehmenden Mond der „Goldene Henkel“ beobachtet werden. Es handelt sich dabei um ein Licht- und Schattenspiel eines Berggebiets, das sich eigentlich noch auf der Nachtseite des Mondes befindet, dessen Bergspitzen auf Grund ihrer Höhe aber schon von der Sonne beleuchtet werden. Galileo Galilei konnte aus ähnlichen Beobachtungen die Höhe der Mondkrater abschätzen.





Sternbildlegende im Dezember

Orion, Sohn des Meeresgottes Poseidon und ein ausgesprochen guter und übernatürlich starker Jäger, wollte einst alle Tiere der Erde erlegen. In ihrer Wut wollte Gaia - Mutter Erde - Orion töten. Ein von ihr ausgesandter Skorpion fügte Orion einen tödlichen Stich zu. Der Göttervater Zeus versetzte daraufhin beide Kontrahenten an den Sternenhimmel. Allerdings an gegenüberliegenden Orten, sodass nie beide zusammen gleichzeitig am Himmel aufzufinden sind. Wenn also der Skorpion im Osten aufgeht, muss Orion im Westen untergehen.



Die Amateurastronomen Max Valier


Die Südtiroler Amateurastronomen „Max Valier“ unter der Präsidentschaft von Präsident Bernhard Ebnicher sind eine Gruppe von derzeit 144 Personen jeden Alters mit einem faszinierenden Hobby - Astronomie. Vereinsaktivitäten bestehen in der Form von monatlichen Vereinstreffen, Beobachtungsabenden, Fahrten, Vorträgen, Kursen u. ä. Die Aktivitäten dienen dem gegenseitigen Austausch von gesammelten Erfahrungen und der Fortbildung. Viele Mitglieder, aber durchwegs nicht alle, besitzen eigene Teleskope. Ein großer Teil der Tätigkeit nimmt die Führung der Sternwarte Max Valier in Gummer in Anspruch. Dort werden für die interessierte Bevölkerung Führungen angeboten. Leider ist die Sternwarte zurzeit corona-bedingt geschlossen.

vs