Dabei erzählt er, wie er auch in den schwierigsten Phasen durchzuhalten imstande war, welche außergewöhnlichen Eindrücke hängen geblieben sind und wie es jetzt weitergeht. Tatsächlich gönnt er sich vorerst keine Erholungspause. <BR /><BR /><b>Herr Santifaller, am 27. März sind Sie im Südwesten Portugals gestartet und sind seitdem jeden Tag einen Marathon gelaufen. Nun sind Sie am am Nordkap. Wie fühlt es sich jetzt an?</b><BR />Stefan Santifaller: Es ist überwältigend. Nach 7700 Kilometer am Nordkap zu stehen, erfüllt mich mit einer Mischung aus Stolz, Demut und tiefer Dankbarkeit. Es war nicht nur ein physischer Kraftakt, sondern eine Reise in mein Innerstes. <BR /><BR /><b>Was haben Sie zuallererst getan, als Sie am 24. September um 12.58 Uhr das Ziel erreicht hatten?</b><BR />Santifaller: Mein erster Impuls war, in mich hineinzuhorchen. Es war dieser Moment der absoluten Stille und des Friedens. Ich stand dort, sah in die unendliche Weite des Nordens und ließ die unglaubliche Reise Revue passieren. Danach nahm ich mir die Zeit, mein Team zu umarmen – ohne sie hätte ich es niemals geschafft. Mein Vater hat seine lebenslange Flugangst überwunden und mich mit meinem Bruder den letzten Tag begleitet. Dieser Moment war magisch, voller Emotionen und Dankbarkeit.<BR /><BR /><b>Wie viele Paar Laufschuhe haben Sie verbraucht?</b><BR />Santifaller: 10 Paar Laufschuhe haben mich durch die 7700 Kilometer getragen. Jeder Kilometer war ein neuer Schritt in Richtung Ziel, und jeder Schuh trug mich ein Stück meiner Reise. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077036_image" /></div> <BR /><BR /><b>Hat die Idee mit dem Solarpanel gut funktioniert?</b><BR />Santifaller: Das Solarpanel war mein ständiger Begleiter, und ja, es hat super funktioniert, bis ich in Skandinavien war. Aufgrund des Sonnenstandes sowie der raschen Wetterwechsel habe ich es in Göteborg zurückgelassen. Es zeigt auch, wie wir mit der richtigen Planung die größten Herausforderungen bewältigen können.<BR /><BR /><b>Welche Gedanken und Eindrücke haben sich im Laufe der Tour am stärksten eingebrannt?</b><BR />Santifaller: Das waren die Menschen, die ich auf dem Weg getroffen habe, und die unglaubliche Natur. Aber auch die Momente, in denen ich ganz allein war – diese Stille und Einsamkeit haben mich so viel gelehrt. Es war nicht nur eine physische Reise, sondern eine zu mir selbst.<BR /><BR /><b>Gab es Momente, in denen Sie dachten: Basta, ich schaffe es einfach nicht mehr weiter?</b><BR />Santifaller: Nein, es gab keinen Moment, an dem ich dachte, ich schaffe es nicht mehr. In Phasen von extremer Erschöpfung oder schlechten Wetterbedingungen habe ich die Chance des Wachstums gesehen. Schlussendlich machen genau diese Rückschläge das Projekt so besonders. Gerade in diesen Momenten habe ich am meisten über mich selbst gelernt – wie tief man graben muss, um weiterzumachen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077039_image" /></div> <BR /><b>Wie schwierig war es denn, immer den exakten Weg zu finden?</b><BR />Santifaller: Es war oft herausfordernd, besonders in abgelegenen Gebieten ohne klare Wegmarkierungen. Hier war mein GPS unverzichtbar. Aber manchmal musste ich improvisieren, wenn der geplante Weg unpassierbar war, sei es durch Wetterbedingungen oder andere Hindernisse.<BR /><BR /><b>Mussten Sie öfter mal improvisieren, weil unvorhergesehene Dinge dazwischenkamen?</b><BR />Santifaller: Ja, es gab viele unvorhergesehene Ereignisse – von plötzlichen Wetterumschwüngen bis hin zu technischen Problemen. In diesen Momenten war Flexibilität gefragt. Ein Beispiel war ein gesperrter Weg, den ich spontan umplanen musste, was einen Umweg von 25 Kilometern bedeutete.<BR /><b><BR />Welche waren die schönsten Eindrücke auf dieser Tour quer durch Europa?</b><BR />Santifaller: Zu den schönsten Momenten zählten die Sonnenaufgänge über endlosen Landschaften, die Einsamkeit in der Natur und die Augenblicke, in denen ich völlig im Hier und Jetzt war. Besonders beeindruckend war die Ruhe in den Fjorden Norwegens – es war, als ob die Zeit stillsteht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077042_image" /></div> <BR /><BR /><b>Im Laufe dieser Wochen wurden viele Menschen auf Ihr Extrem-Abenteuer aufmerksam. Gab es besondere, außergewöhnliche Begegnungen?</b><BR />Santifaller: Die schönsten Erlebnisse waren neben der unfassbaren Vielfalt und Abwechslung der Natur auf jeden Fall der Austausch und das Kennenlernen von Menschen entlang der Strecke(n). Ich bin überwältigt, welch eine schöne Rolle ich durch die Marathon Odyssey einnehmen darf – jene des Inspirators und Motivators. Als ich beispielsweise in Frankreich von einem jungen Mann eingeladen wurde habe ich den Grund nicht ahnen können. Als ich dort ankam, wurde mir schnell klar warum. Der Mann durchlebte eine sehr monotone, depressive Zeit, verließ kaum noch sein Haus. Als ich - die offene, positive und energiereiche Person - ankam, schaffte ich es, die „dunkleren Räumlichkeiten wieder aufzuhellen“, „Fenster zu öffnen“, „Licht hineinzulassen“, dem Mann Schuhe anzuziehen und ihn nach längerem Überreden am nächsten Tag neben mir auf dem Fahrrad zu sehen. Laufen wollte er wegen des schlechten Wetters nicht. Jedoch war der wichtigste Schritt geschafft. <BR /><BR /><b>Und zwar?</b><BR />Der Schritt nach draußen - in die Natur. Das anfangs sehr ruhige Gespräch blühte plötzlich immer mehr auf und dann traute ich meinen Augen nicht, als er plötzlich vor mir fuhr und alle Fahrradfahrer und Läufer stoppte und sie ansprach. Natürlich nutzte er meine Geschichte - „der da hinten läuft nach Norwegen“ – und verwandelte sich damit in eine völlig andere Persönlichkeit. Wenn dir diese Person dann am Abend sagt, dass ich ihn motiviert habe und er das Gefühl hat, dass dies der schönste Tag in seinen letzten 5 Jahren war, weiß ich, die Route führte zur richtigen Zeit am richtigen Ort vorbei. <BR /><BR /><BR /><b>Welche Botschaft möchten Sie mit der Verwirklichung dieses Monster-Projekts kundtun?</b><BR />Santifaller: Meine Botschaft ist klar: Do. Believe. Yourself. Setze dir ein Ziel, glaube an dich und handle danach. Es spielt keine Rolle, wie groß oder klein das Ziel ist – wichtig ist nur, dass du den Mut hast, es anzugehen. Jeder kann seine Träume verwirklichen, wenn er an sich glaubt.<BR /><BR /><b>Wie geht es jetzt weiter?</b><BR />Santifaller: Am Morgen des 25. September geht es weiter mit dem Fahrrad zurück nach Portugal („Crossing Europe Twice“). Es ist nicht nur ein einzigartiges Projekt, sondern eine tiefe Botschaft an die Welt: Jeder Mensch hat die Fähigkeit, das Unmögliche möglich zu machen, wenn er bereit ist, es zu tun, an sich zu glauben und sich selbst an die erste Stelle zu setzen. „Do. Believe. Yourself.“ ist mehr als ein Motto – es ist ein Lebensstil, der das Potenzial hat, Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren.<BR /><BR /><b>Worauf freuen Sie sich am meisten daheim in Brixen?</b><BR />Santifaller: Gerade bin ich voll fokussiert auf die Rückfahrt mit dem Rad. Trotzdem freue ich mich schon auf meine Familie und die Ruhe der Heimat. Es sind die kleinen Dinge, die einem auf so einer Reise bewusst werden – ein gutes Essen, die Berge Südtirols, und vor allem das Gefühl von Geborgenheit und Heimat.