Mittwoch, 24. Juni 2020

Lebensräume für Familien schaffen

Ein Eltern-Kind-Zentrum (Elki) für alle! Das ist die Vision der Elkis in Südtirol. Doch welche Familien sind wirklich mitgedacht? Wie kann die angestrebte Vielfalt gefördert werden? Um das herauszufinden und den Blick für verschiedene Familienbilder zu schärfen, lud das Netzwerk der Eltern-Kind-Zentren am 12. Juni zum Austausch am virtuellen runden Tisch ein.

runder Tisch zum Thema Vielfalt der Familien und Inklusion in Eltern-Kind-Zentren © ugc / Sara Passler
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runder Tisch zum Thema Vielfalt der Familien und Inklusion in Eltern-Kind-Zentren © ugc / Sara Passler - Foto: © Sara Passler
Unter der Moderation von Sabina Frei wagte die Runde, bestehend aus MitarbeiterInnen, Fachleuten und Partnerorganisationen, einen mutigen und kritischen Blick auf die Eltern-Kind-Zentren in Südtirol. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Elkis Familien in ihrer Vielfalt Raum beziehungsweise Räume geben können und wie den unterschiedlichen Bedürfnissen begegnet werden kann.

„Wenn wir ein Elki für alle sein wollen, dann müssen wir unser Blickfeld erweitern, unser Tun kritisch hinterfragen und uns gemeinsam auf den Weg in Richtung inklusive Gesellschaft machen.“, so die Präsidentin des Netzwerkes der Eltern-Kind-Zentren Sandra Moszner.


Wie breitgefächert, komplex, tiefschichtig und emotional ambivalent das Thema ist, wurde in der Diskussion schnell deutlich. Kritisch aber konstruktiv war der Blick der Gäste auf die Arbeit der Eltern-Kind-Zentren. „Inklusion müsse auf allen Ebenen stattfinden und in der Haltung der Menschen verankert sein. Es nütze nichts, sie von oben zu erzwingen“, betonte Fouzia Kinjanyui, Schwarze Feministin und Aktivistin bei Human Rights International.


So unterschiedlich die spezifischen Bedürfnisse der Runde auch waren, so einfach war die Grundbotschaft dahinter. Jeder Mensch will gesehen, gehört und angenommen werden, in Kontakt treten und zeigen dürfen wer er/sie ist.

Die Elkis erhielten viele Impulse, konkrete Vorschläge und Ideen für ihre Arbeit. Vom Pflegen der Willkommenskultur, zur Gestaltung der Räume, zur Mitarbeiterfortbildung bis hin zum Männerförderplan und zum Ausbau einer Lobby- und Beratungsstelle für Familien, reichten die Anregungen. Ein Elki kann für alle Menschen da sein, es muss aber nicht den Anspruch haben alles für alle zu machen. Viel mehr ginge es darum, Platz für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu schaffen, Räume zur Verfügung zu stellen und somit Schutzraum, Spielraum und Entfaltungsraum zu sein.

Es diskutierten: Alda Xharo (Mitarbeiterin bei Donne Nissa), Astrid Ceol (Mitarbeiterin der Plattform für Alleinerziehende), Fouzia Kinjanyui (Schwarze Femministin und Aktivistin, Human Rights International), Katharina Avi (Oberschullehrerin, Verein kinderreiche Familien), Michael Bockhorni (Sozialarbeiter und Supervisor, väter aktiv), Sara Passler (Kultur- und Sozialpsychologin, Mitarbeiterin des Netzwerks der Elkis), Urban Nothdurfter (Professor, Freie Universität Bozen). Verena Harrasser (Mitarbeiterin der Lebenshilfe Südtirol).

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projektes "Elkis all Inklusiv - Eltern-Kind-Zentren auf dem Weg zu inklusiven Einrichtungen für Familien" statt. Das Projekt wird von der Autonomen Provinz Bozen und vom Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik gefördert.

sara passler