Freitag, 15. März 2019

Legendäres Bed-In von John und Yoko jährt sich

Das Brautpaar trug Weiß, die langen Haare waren sorgsam geföhnt, als es aus dem creme-farbenen Rolls Royce stieg. Es war fast Mitternacht, und doch drängten sich Dutzende von Fotografen vor dem Hilton-Hotel in Amsterdam: Die Blitzlichter flackerten auf. Es war der 24. März 1969, der Beginn eines der legendärsten Happenings der 60er-Jahre. Das „Bed-In“ von John Lennon und Yoko Ono.

John Lennon und Yoko Ono verbrachten ihre Flitterwochen im Bett und protestierten damit gegen Krieg und Gewalt.
John Lennon und Yoko Ono verbrachten ihre Flitterwochen im Bett und protestierten damit gegen Krieg und Gewalt. - Foto: © shutterstock

Der Beatles-Star und die japanische Konzeptkünstlerin hatten wenige Tage zuvor geheiratet und waren von Paris aus mit der Luxus-Limousine nach Amsterdam gefahren, um dort das zu tun, was Frischverliebte am allerliebsten tun: im Bett bleiben. Und das 7 Tage lang. Doch sie schlossen nicht etwa Türen und Vorhänge, sondern luden die Weltpresse ein.

Ihre Flitterwochen sollten eine Demonstration gegen den Krieg sein, vor allem den in Vietnam. „Wir bleiben im Bett für den Frieden“, erklärte Beatle Lennon vom breiten Doppelbett aus. Die Suite 902 war bis auf das Bett fast völlig leer geräumt. Täglich hielt das berühmte Paar Audienz. Dutzende Journalisten aus aller Welt saßen auf der Bettkante, dazu kamen zahlreiche Fans, sie wollten Autogramme oder brachten Geschenke wie ein Fahrrad und Tulpen.

Honeymoon-Suite kann gemietet werden

An das goldene Jubiläum des Happenings wird nun mit Ausstellungen und Konzerten in Amsterdam erinnert. Und Augenzeugen – Fotografen, Reporter oder auch frühere Zimmermädchen – erzählen, wie das damals zuging in Suite 902.

Die vollen Aschenbecher, Essensreste, Poster und Zeichnungen an den Wänden sind natürlich längst verschwunden. Heute ist die Honeymoon-Suite schick gestylt, mit echten Lennon-Zeichnungen an den Wänden, und äußerst begehrt bei Gutbetuchten. Unzählige Fotos und Filme bezeugen diese skurrile Friedensdemo. Lennon selbst setzte ihr musikalisch mit der „Ballad of John und Yoko“ ein Denkmal.

Weltfriede oder Selbstinszenierung?

Das mit dem Weltfrieden nahm schon damals kaum ein Reporter dem Pärchen ab. Viele sahen die Aktion als schamlose Selbstinszenierung. Lennon verteidigte sich: „Im Bett bleiben ist die effektivste Weise, um für Frieden zu demonstrieren.“ Tja, wenn man es sich leisten kann, konterten die Kritiker. „Das ist kein Luxus, sondern harte Arbeit, den ganzen Tag eure Fragen zu beantworten“, sagte Lennon und empfahl eine billigere Methode: „Lasst eure Haare wachsen.“

Nach sieben Tagen verließen John und Yoko Bett und Hotel. Den Weltfrieden hatten sie zwar nicht geschaffen. Aber Amsterdam hatte sie auf den Geschmack gebracht. Nur wenige Monate später schrieb Lennon bei einem zweiten Bed-In im Queen Elizabeth Hotel im kanadischen Montreal den Song „Give Peace a Chance“, bis heute eine Hymne der Friedensbewegung.

apa/dpa

stol