Warum er heute immer noch einmal im Monat freiwillig mithilft, erzählt er uns im Interview.<BR /><BR /><b><BR />Herr Oberrauch, Sie sind Vizepräsident eines der größten Unternehmen Südtirols mit über 1500 Angestellten. Wie finden Sie die Zeit für die Landestafel?</b><BR />Luis Oberrauch: Eigentlich bin ich ja ungewollt zur Landestafel gekommen. Im Unternehmen bin ich auch für die Arbeitssicherheit verantwortlich. Wegen eines kleinen Arbeitsunfalls im Betrieb wurden mir im Herbst 2021 Sozialstunden angeboten, um einer Verurteilung zu entgehen. Insgesamt 60 Stunden musste ich verrichten und suchte mir dazu die Landestafel aus. Dabei wurde mir klar, wie sinnstiftend diese Arbeit ist. Ich kam nach Hause und war gut drauf. Seitdem helfe ich einmal im Monat freiwillig mit. Ich habe ein gewisses Alter und im Betrieb läuft alles gleich weiter, auch wenn ich einen Tag nicht erscheine. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64092508_quote" /><BR /><BR /><BR /><b><BR />Was machen Sie bei der Landestafel konkret?</b><BR />Oberrauch: Einmal im Monat findet die Verteilung der Lebensmittel statt. Tonnen über Tonnen von Material müssen in einem Bozner Magazin verpackt und für den Versand vorbereitet werden. Manchmal ist das körperlich ganz schön anstrengend. Wir freiwilligen Helfer haben nämlich alle ein bestimmtes Alter. <BR /><BR /><b><BR />Wie alt sind Sie?</b><BR />Oberrauch: Ich bin 68 Jahre alt, und bei der Landestafel heißen sie mich alle den „Giovanotto“, weil ich zu den Jüngsten gehöre. Wir bräuchten unbedingt ein paar jüngere Leute, die mit anpacken. Es ist auch nur ein bis 2 Tage im Monat und es ist wirklich eine sinnvolle Tätigkeit. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Lebensmittel in Südtirol verteilt werden müssen, die dringend gebraucht werden.<BR /><BR /><b><BR />Leiden in Südtirol wirklich so viele an Hunger?</b><BR />Oberrauch: Ob es wirklich Hunger ist, weiß ich nicht. Es gibt auf jeden Fall einen großen Bedarf an Lebensmitteln – und das nicht nur in den Städten, wie einige vielleicht meinen. Unsere Lebensmittel gehen zu Organisationen bis hinein in die Täler.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64092682_quote" /><BR /><BR /><BR /><b><BR />Hat Sie das anfangs überrascht? Sie kommen immerhin aus einem gewissen Milieu.</b><BR />Oberrauch: Ich hatte immer Kontakt zur ganz normalen Realität im Land. Im ersten Moment hat es mich aber trotzdem erstaunt, dass diese Notwendigkeit da ist.<BR /><BR /><b><BR />Haben Sie daraufhin die Unternehmenskultur in Ihrem Betrieb, was Verschwendung angeht, geändert?</b><BR />Oberrauch: Das Unternehmen hat mit meiner Tätigkeit bei der Landestafel nichts zu tun. Ich bin aber sehr sensibel für solche Themen und wir sind sicher alle gefordert, vorsichtiger mit Lebensmitteln oder anderen Ressourcen umzugehen. Ich persönlich habe aber kein schlechtes Gewissen, weil ich immer versucht habe, mit Ressourcen vernünftig umzugehen. <BR /><BR /><b><BR />Was fehlt der Landestafel außer junge Freiwillige?</b><BR />Oberrauch: Bei der landesweiten Lebensmittelsammlung Ende November, wo in Geschäften Nahrungsmittel gespendet werden können, gibt es einen Rückgang. Es werden nicht mehr so viele Lebensmittel gespendet. Mein Hauptanliegen bleibt aber die Suche nach neuen Kräften bei der Landestafel: Wenn sich einige melden könnten, wäre das toll, um unseren Dienst aufrechterhalten zu können.<BR /><BR /><BR />