Nomen est omen, sagten die alten Lateiner, demzufolge ist der Name auch Programm. Oft kennzeichnet der Name eine Person oder eine Sache treffend, zuweilen kommen dabei Stilmittel wie Ironie oder Übertreibungen zum Tragen. <BR /><BR />Will man jedoch die Bedeutung von Namen – in diesem Fall Familiennamen – erfassen, so muss man sich mit der Entstehungsgeschichte befassen. Erst wenn man die Herkunft eines Namens kennt, geht einem oftmals ein Licht auf. Schwingshackl ist tatsächlich auf „Schwing das Hackl“ zurückzuführen, Peintner geht auf die im Pustertal geläufige „Peinte“ (umzäunte Wiese) zurück, während die Tarfusser aus Tarvisio kommen. <h3> Höfe als Namensgeber</h3>Nur 3 von vielen anschaulichen Beispielen, die der Namenskundler Johannes Ortner erwähnt, um den Ursprung von Südtiroler Familiennamen zu erklären. Sehr wohl geht er dabei mit Systematik vor. „Für viele Tiroler Familiennamen bilden Hof- und Flurnamen den Ausgangspunkt, denken wir nur an die allerhäufigsten Namen wie Mair, Hofer und Kofler oder Gasser, Gruber und Pichler“, erklärt er. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="950953_image" /></div> <BR /><BR />Es liegt auf der Hand, dass damit eine Vielzahl weiterer Namen zusammenhängen, beispielsweise Niedermayr, Oberhofer oder Pircher. Warum aber gibt es derart viele davon? „Nachdem der Ursprung dieser Familiennamen bei den Höfen liegt und es eben im gesamten Land viele Moar oder Pichl-Höfe gab, so hat sich diese Häufigkeit vom 16. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit gehalten“, weiß Ortner. <BR /><BR />Unterm Strich tragen heute mehr als 4000 Südtiroler den Familiennamen Mair. Wenn man all die Varianten dieses Namens summiert, dann erhöht sich diese Zahl sogar auf 7000 bis 8000 Personen. <h3> Aus dem Leiter Franz wird der Gruber Franz</h3>Der Hof- bzw. Flurnamen wird gemeinhin auch als Vulgonamen bezeichnet, er fungierte einst sozusagen als Rufnamen. So war klar, dass der Leiter Franz zum Leiterhof gehört. Sollte er aber im Laufe seines Lebens zum Gruberhof weiterziehen, um sich dort eine Existenz aufzubauen, dann wechselte er auch den Vulgonamen, dann war er eben der Gruber Franz. Aus heutiger Sicht undenkbar und verwirrend, bis ins 16. Jahrhundert hinein die normale Praxis. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="950956_image" /></div> <BR /><BR />Erst danach wurde es zum Usus, den Namen für ein Leben zu behalten. „Der Namen ist vererbbar, amtlich und hat lebenslangen Bestand“, erklärt Ortner den einschneidenden Wechsel. Allerdings fand dieser nicht überall zur selben Zeit statt, in Osttirol etwa erst im 18. Jahrhundert, in Norddeutschland sogar erst im 19. Jahrhundert, während in Island noch heute das Prinzip wechselnder Nachnamen gepflegt wird.<h3> Übrigbleibsel der Zünfte</h3>Viele Tiroler Familiennamen haben ihre Wurzeln in den mittelalterlichen Berufen bzw. alten Zünften. Ortner erklärt: „Wenn ein Geselle seine Meisterprüfung ablegte, dann bekam er im Zuge seiner lustigen Gesellenrede oft einen Übernamen verliehen – so etwa bekamen Schmiede den Übernamen Knollseisen, frei nach dem Befehl – knüll das Eisen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="950959_image" /></div> <BR /><BR /> Oder aber „Hol das Eisen“ führte zu Holzeisen. Und Hörtnagl ist auf „Hört den Nagel“ zurückzuführen. Nicht zu vergessen Eisenstecken, Eisenkeil, Eisendle und sogar der in Amerika bekannte Name Eisenhower, der auf Eisenhauer zurückgeht. Bei den Metzgern kam es zum Schwings-hackl, bei den Fassbindern wurde dagegen die Losung ausgegeben: „Treib den Reif“ – Treibenreif. Und unter den Wirten gab es häufig Ohnewein oder Leitgeb.<BR /><BR />Die deutlich am häufigsten Vornamen für Männer im Spätmittelalter waren Ulrich, Konrad und Heinrich – 30 Prozent aller Männer trugen einen dieser 3 Namen. Daraus bildeten sich eine Reihe von Familiennamen heraus, etwa Hainz, Huenz, Dariz oder Endrizzi oder aber Kainrath, Kuen, Kienzl sowie Corradini.<h3> Derben Humor im Namen</h3> „Natürlich gab es auch viele Spottnamen, die Leute hatten einen derben Humor, und es galt so einiges auszuhalten“, spricht Ortner einen weiteren Aspekt an und erwähnt passende Beispiele. Demzufolge hießen „vierschrötige Leute“ Klotz oder Brigl, überaus beleibte Menschen Knoll, während Leute mit starker Haarpracht zum Ungericht wurden (von „ungerichtete Haare). <BR /><BR />Natürlich diente oftmals auch das Naturell eines Menschen als Basis der Namengebung: Choleriker nannten sich Rösch oder Resch, was sich mit dem Adjektiv „reasch“ erklären lässt, Sanguiniker dagegen Köck (von keck), Heiss sowie Vögele oder Fink – sie alle waren stets flott unterwegs. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="950962_image" /></div> <BR /><BR />Als Herkunftsnamen dienten außerdem eine Reihe von Ortschaften: „Die Schwazer kommen aus Schwaz, die Nössing aus Jenesien, die Kamelger aus Comelico, die Visintainer aus Vicenza, die Tarfusser aus Tarvisio und die Romen von Romen am Nonsberg.“ In dieser Auflistung darf freilich der Anton aus Andalo nicht vergessen werden: „El Toni d’andel“ wurde schließlich zum heutigen Familiennamen Tonidandel verballhornt.<BR /><BR /> Unübersehbar auf diesem weiten Feld ist der Einfluss der ladinischen und rätoromanischen Sprache. Als passendes Beispiel zählt Ortner eine Reihe von Namen auf, die eine Mure bzw. einen Geländebruch zum Ursprung haben. Somit lässt sich von der „rovina“ ein ganzer Strauß heutiger Familiennamen ableiten: Raffeiner, Rubner, Rieper oder das näher ans Ladinische angelehnte Raffin. <BR /><BR />Granruaz ist die ladinische Bezeichnung für Großrubatscher, während der klingende Name Rufinatscha typisch für das Engadin und das obere Vinschgau ist. <h3> Nachname geht auf einen einzigen Hof zurück</h3>Natürlich gibt es aber auch im Pustertal eine Reihe von Familiennamen mit einem herausragendem Sound – man denke nur an Mair unter der Eggen oder Mairvongrasspeinten. Allein des Namens wegen dürften Behördengänge in fernen Ländern oder Passkontrollen sich ab und zu etwas länger hinziehen. „Diese Verbindungen in Kombination mit einem Hof haben tatsächlich überdauert“, erklärt Ortner. Es gibt auch Nachnamen, die auf einen einzigen Hof in Südtirol zurückgehen, so wie es bei Sachsalber der Fall ist: Der extrem abgelegene Hof Saxalb befindet sich im Schnalstal. <BR /><BR />Aus heutiger Sicht mutet auch die Vorstellung merkwürdig an, dass die Schreibweise der Namen lange Zeit nicht festgelegt war – man schrieb die Namen einfach so nieder, wie man sie glaubte gehört zu haben. Die Festlegung der Orthografie liegt erst rund 130 Jahre zurück.<BR /><BR /> Wobei: So ganz abstrus ist dieser Gedanke nun auch wieder nicht, schließlich hält sich heutzutage auf den Messenger-Diensten und in den sogenannten sozialen Medien auch kaum noch wer an konventionelle Schreibregeln.<BR />