von Thomas Stricker<BR /><BR />Die bekannte deutsche Benediktinerin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen bezeichnete die Mariendistel als „Vehedistel“ und empfahl sie bei „Seitenstechen“. Damals meinte man damit jedoch nicht die unangenehmen Schmerzen während sportlicher Belastung, sondern eher Lungen- oder Rippenfellentzündungen. Die Äbtissin stützte sich auf den Analogieschluss der sogenannten Signaturenlehre, denn der stechenden Distel wird eine Heilwirkung bei stechenden Schmerzen im Körper zugeschrieben. <BR /><BR />Ihren heutigen Namen erhielt die Mariendistel aufgrund ihrer milchig-weißen Streifen. Laut einer Legende sind diese entstanden, als der heiligen Maria beim Stillen des Jesuskindes ein paar Tropfen ihrer Milch auf die Blätter der Pflanze gefallen sind. Antike und mittelalterliche Ärzte und Heilkundler schlussfolgerten daraus, dass die Pflanze bei stillenden Frauen die Milchbildung anregen könne. Im Englischen wird die Pflanze deshalb auch „milk thistle“ genannt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1062354_image" /></div> <h3>Mariendistel und Lebergesundheit</h3>Die Mariendistel enthält den Wirkstoffkomplex Silymarin. Dabei handelt es sich um ein pflanzliches Gemisch aus Flavonoiden, das aus den Früchten und Samen stammt. Seit über 2000 Jahren wird die Pflanze in der traditionellen Pflanzenheilkunde, beispielsweise in Teeform, genutzt. Sowohl in der europäischen als auch traditionellen asiatischen Medizin wird sie insbesondere zur Behandlung verschiedener Lebererkrankungen und Gallenblasenbeschwerden eingesetzt. In der alten Medizin und Erfahrungsheilkunde wird sie jedoch auch als Milzmittel genutzt. Mittlerweile belegen wissenschaftliche Untersuchungen die Wirksamkeit, und Mariendistelextrakt ist als potente Substanz bei Lebererkrankungen bekannt und anerkannt. Silymarin wurde nämlich in zahlreichen klinischen Studien positiv bewertet.<h3>Entzündungshemmend und regenerierend</h3>Die physiologischen Effekte auf die Lebergesundheit sind wahrlich beeindruckend: Mariendistelextrakt wirkt auf Zellen und Gewebe der Leber schützend und verhindert beispielsweise ein Eindringen toxischer (giftiger) Substanzen und bestimmter Viren (Hepatitis-C-Viren). Doch sie wirkt genauso entzündungshemmend, regenerierend und antioxidativ, was ein Schutz gegen potenziell schädigende „freie Radikale“ bedeutet. Darüber hinaus werden Leberenzymwerte verbessert und die Sekretion der Gallenflüssigkeit angeregt, was letztlich zu einer Verbesserung und Unterstützung der Verdauung, insbesondere der Fettverdauung, beiträgt. Zu guter Letzt steht auch eine antifibrotische (gegen eine krankhaft gesteigerte Faserproduktion im Gewebe) und eine antiulzerogene (Hemmung der Bildung von Geschwüren) Wirkungsweise auf der Liste der pharmakologischen Eigenschaften. Dass es infolge zu einer deutlichen Verbesserung der allgemeinen Symptomatik bei Lebererkrankungen und Dysfunktionen kommt, ist somit nicht verwunderlich.<BR /><BR />Heute zählt die Mariendistel zu den wichtigsten Pflanzen, wenn es um Leberentgiftung, Leberentlastung und Gallensteine geht. Aber sie kann weit mehr.<h3> Schützt Nerven und Herzkreislauf</h3>Die Mariendistel ist eine der am besten untersuchten Heilpflanzen. Aus der zeitgenössischen Literatur geht ein sehr breites Spektrum an verschiedensten Wirkungen der Mariendistel hervor, und ihre Einsatzmöglichkeiten reichen weit über den bekannten leberschützenden Effekt hinaus. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1062357_image" /></div> <BR /><BR />Der Hauptwirkstoff der Mariendistel, Silymarin, kann in hohem Maße als die Nerven und den Herzkreislauf schützendes Mittel betrachtet werden. Er wirkt blutdruckregulierend und hat einen positiven Einfluss auf Blutfettwerte. Im Hinblick auf das Immunsystem stechen immunmodulierende, antiallergische und entzündungshemmende Eigenschaften hervor, zum Beispiel hinsichtlich Reizdarm und Darmgesundheit allgemein, wie Thomas Stricker erklärt.<BR /><BR />Auch den Stoffwechsel (Stichwort Diabetes) und den Bewegungsapparat (Stichwort Arthrose) betreffend gibt es einen positiven Einfluss der Mariendistel.<BR /><BR />„Genauso profitiert die allgemeine Gesundheit durch die antioxidative Wirkungsweise von Silymarin“, zählt Stricker weiter auf. Die Wirkungsweise beruhe auf verschiedenen, komplexen zellulären und molekulare Signalwegen. Und die Forschung an der Heilpflanze geht weiter.<h3> Potenzial der Mariendistel auf Hormonstoffwechsel wird untersucht</h3>Schilddrüsenerkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten endokrinologischen, das heißt das Hormonsystem betreffende Erkrankungen. Besonders die Autoimmunerkrankung Hashimoto und Hypothyreosen (Schilddrüsen-Unterfunktionen) sind auffallend weit verbreitet. Inwiefern sich Mariendistelextrakt auf die Schilddrüsenfunktion auswirken kann, das soll mit einer Studie vertieft werden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1062360_image" /></div> <BR /><BR />Der Gesundheitswissenschaftler und Studienleiter Thomas Stricker erforscht aktuell in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller von der Medizinischen Universität Wien das Potenzial der Mariendistel hinsichtlich des Schilddrüsen-Hormon-Stoffwechsels. Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, ob die naturheilkundlich basierte Einnahme von Mariendistelextrakt, Einfluss auf Laborwerte und Lebensqualität von Betroffenen hat. Für eine in den Startlöchern stehende Anwendungs-Beobachtungsstudie werden noch Teilnehmer gesucht. Eingeschlossen werden auch Probanden, die keine Medikamente zu sich nehmen sowie Personen die unter sogenannten subklinischen (leicht verlaufenen) Unterfunktionen leiden oder außerhalb der gesundheitspräventiven Normbereiche liegen. <BR /><BR />Wenn Sie einen Beitrag zur Forschung leisten möchten, dann finden Sie <a href="https://www.menschgerecht.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">hier</a> Hintergründe, Teilnahmekriterien und Informationen zur Studie.<h3> <b>Zum Autor</b></h3>Thomas Stricker aus Schlanders ist Therapeut für klinische Psychoneuroimmunologie und Gesundheitswissenschaftler für integrative, komplementäre und psychosoziale Gesundheitswissenschaften.