<b>stern: Herr Lanz, tun Ihnen Ihre Gäste eigentlich leid?</b><BR />Markus Lanz: Auf menschlicher Ebene ja. Aber nur manchmal.<BR /><BR /><b>stern: Schlecht vorbereitete Politiker werden von Ihnen regelrecht gegrillt. Wir haben das bei Ines Schwerdtner und Katarina Barley miterlebt, beide kamen ziemlich angefasst aus Ihrem Studio.</b><BR />Lanz: Das Gespräch mit Katarina Barley war auch für mich außergewöhnlich, weil sie komplett die Maske fallen ließ. Ein irrer Moment und ein sehr ehrlicher, wenn eine Spitzenpolitikerin zugibt, dass sie einfach nichts mehr zu sagen weiß ...<BR /><BR /><embed id="dtext86-74367890_quote" /><BR /><BR /><b>stern: Aber Sie geben schon zu, dass Sie einen gewissen Killerinstinkt haben?</b><BR />Lanz: Wenn Sie das so nennen wollen. Mir geht es darum, einen ehrlichen Moment zu erzeugen. Das ist das, was Fernsehen in guten Momenten kann, weil wir anders als Sie beim „stern“ das Interview nicht hinterher autorisieren lassen müssen. Wir alle mögen dieses Rumgelaber um den heißen Brei nicht, weil es wirklich schrecklich ist ...<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1301838_image" /></div> <BR /><BR /><b>stern: Sie sind gebürtiger Italiener, aus dem Land von Berlusconi, Salvini, Meloni. Schmerzt es Sie, wenn Rechtskonservative und Postfaschisten in der Regierung sitzen?</b><BR />Lanz: Sie dürfen nicht vergessen, dass ich als Angehöriger einer Minderheit eine Ahnung davon habe, wie man Leute unterdrückt oder gängelt. Meine Mutter hat das als Kind richtig traumatisiert. Von einem Tag auf den anderen durften sie in der Schule ihre deutsche Muttersprache nicht mehr -sprechen. Ich selbst wurde beim Grundwehrdienst in Neapel von Vorgesetzten gern als „bastardo tedesco“ angesprochen, als deutscher Bastard ...<BR /><BR /><embed id="dtext86-74367893_quote" /><BR /><BR /><b>stern: Sie haben auch mal gesagt, Selbstbestimmtheit sei der wichtigste Wert für Sie. Warum?</b><BR />Lanz: Weil meine Erfahrung das Gegenteil davon war. Als Kind hatte ich drei Monate Ferien, was erst mal traumhaft klingt. Aber ich habe nur geschuftet, auf Kartoffeläckern, in Hotels als Tellerwäscher, bis spätabends. Und morgens ging’s weiter. Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt. Ich wollte da raus, das war mein Antrieb. Deswegen bin ich so schlecht mit Obrigkeiten ...<BR /><BR /><b>stern: Hätte sich der jugendliche Tellerwäscher träumen lassen, dass er mal Millionär wird?</b><BR />Lanz: Ich weiß, welche Geschichte Sie mit Ihrer Frage aufreißen wollen: der arme Schlucker von damals, der es allen gezeigt hat. Aber das ist falsch! Es gibt nur einen, dem ich beweisen wollte, dass was geht: nämlich mir ... <BR /><BR /><embed id="dtext86-74367894_quote" /><BR /><BR /><b>stern: Was bedeutet Ihnen Ihr Reichtum?</b><BR />Lanz: Ich feiere nicht im Käferzelt beim Oktoberfest, ich süffele keinen Champagner auf Sylt. Das gibt mir alles nichts. Geld ist notwendig, um dir Existenzängste zu nehmen. Aber danach verliert es seinen Reiz ... <BR /><BR /><b>stern: Ihr Werdegang ließe sich sicherlich als lupenreine Aufstiegsgeschichte erzählen. Wenn da nicht diese eine Delle wäre.</b><BR />Lanz: Sie meinen „Wetten, dass..?“. Ja, das war eine krasse Erfahrung. Ich war plötzlich der Buhmann der Nation, und zwar vor allem aus einem Grund: Ich war nicht Thomas Gottschalk. Da gab’s einen Phantomschmerz darüber, dass er nicht mehr da war. Der mediale Druck war brutal, auch weil ich mich weigerte, mit der Bild-Zeitung zusammenzuarbeiten ...<BR /><BR /><b>stern: Viele Menschen in Ihrem Umfeld halten Sie für einsam, Herr Lanz.</b><BR />Lanz: Ich bin nicht einsam. Ich bin nur manchmal gern allein.<BR /><BR /><b>stern: Okay, dann noch so ein Klischee, das über Sie erzählt wird: dass Sie eitel seien.</b><BR />Lanz: Oh Mann, wenn Sie wüssten, wie viele Selbstzweifel mich plagen! Nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug ...<BR /><BR /><embed id="dtext86-74367895_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>stern: Hat Reinhold Messner recht, wenn er den Südtirolern eine grundlegende Melancholie diagnostiziert?</b><BR />Lanz: Ja. Das hat mit unserer Landschaft zu tun, in der wir aufgewachsen sind. Wir werden traurig, wenn wir sie verlassen müssen. Und egal, wie erfolgreich wir irgendwo in der Welt sind, wir wollen dorthin zurück. <BR /><BR /><b>stern: Deutschland ist demnach keine Heimat für Sie?</b><BR />Lanz: Vielleicht nicht Heimat, wie wir Tiroler sie begreifen, aber ein Zuhause, in dem ich wahnsinnig gern lebe ... <BR /><BR /><b>stern: Was stört Sie an dem Markus Lanz, den Sie in den Parodien erkennen?</b><BR />Lanz: Das Erste, was sie einem beibringen, ehe man vor die Kamera darf: keine großen Gesten, möglichst ruhig bleiben. Aber ich rutsche ständig auf meinem Stuhl umher, fuchtele mit den Händen herum ...<BR /><BR /><b> <a href="https://www.stern.de/markus-lanz---ich-bin-nicht-einsam--ich-bin-nur-manchmal-gern-allein---37306468.html" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Das ganze Interview finden Sie hier auf der Seite des „stern“.</a></b><BR /><BR />Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ist Markus Lanz Deutschlands erfolgreichster und einflussreichster Talk-Master. (41 Prozent der Befragten gaben an, sich seinen Talk „zumindest hin und wieder“ anzuschauen, im Vergleich: Maischberger 35 Prozent, Illner 31 Prozent, Miosga 31 Prozent).