Donnerstag, 02. August 2018

Mathematiker-Medaille kurz nach Verleihung gestohlen

Nur eine halbe Stunde, nachdem der Mathematiker Caucher Birkar (40) in Brasilien einen der renommiertesten Preise seines Fachs erhalten hat, ist ihm die Medaille gestohlen worden.

Caucher Birkar erhielt die Fields-Medaille, die ihm wenig später gestohlen wurde.
Caucher Birkar erhielt die Fields-Medaille, die ihm wenig später gestohlen wurde. - Foto: © APA/AFP

Nach örtlichen Medienberichten vom Mittwoch hatte der Professor, der aus einem kurdischen Teil des Irans stammt und im britschen Cambridge arbeitet, die Fields-Medaille nach der Preisverleihung in Rio de Janeiro in seine Aktentasche auf dem Tisch gesteckt. Sicherheitsleute beim Internationalen Mathematiker-Kongress fanden die Tasche später unter einer Bank, aber ohne die Medaille.

Diebstahl wurde gefilmt

Der Diebstahl sei von einer Sicherheitskamera aufgenommen worden, hieß es. Die Aufnahmen würden derzeit analysiert, zitierte die britische Tageszeitung „Guardian“ aus einer Mitteilung der Organisatoren. Nach Angaben der Internationalen Mathematischen Union (IMU) besteht die Medaille aus 14 Karat Gold und hat einen Wert von gut 3600 Euro. Die Kopfseite der Münze ziert das Profil des antiken griechischen Mathematikers Archimedes.

Birkar, der im Bereich der algebraischen Geometrie arbeitet, war ursprünglich als Asylsuchender aus dem Iran nach Großbritannien gekommen. Seine Auszeichnung sei auch eine gute Nachricht für die Kurden, sagte der Mathematiker: „Ich hoffe, die Neuigkeiten werden ein kleines Lächeln auf die Lippen dieser 40 Millionen Menschen zaubern.“

Wissenschaft verlieh ihm Flügel

Der Star-Mathematiker wuchs im Iran auf dem Land auf. Mathematik lernte er zunächst von seinem älteren Bruder. Später studierte er an der Universität Teheran. „Meine Eltern sind Bauern, mein Mathe-Erfolg ist sehr merkwürdig“, sagte Birkar in einem Video über seine Auszeichnung. Die Wissenschaft habe ihm Flügel verliehen.

Seine Beschäftigung mit der Mathematik unterteilt er in zwei Stadien. Das erste Stadium sei das Lernen, das einem Spaziergang durch eine „historische Stadt“ mit „wunderschöner Architektur“ gleiche. „Das zweite Stadium ist so, als hätte ich plötzlich Flügel und könnte über die Stadt fliegen und die Dinge sehen, die ich vom Boden schlicht nicht sehen konnte“, sagte Birkar.

Auch Italiener erhielt Fields-Medaille

Die IMU verleiht die Fields-Medaille seit 1936 alle vier Jahre an bis zu vier herausragende Mathematiker, die zu Beginn des Jahres der Preisverleihung noch keine 40 Jahre alt sein dürfen.

Neben Birkar wurde am Mittwoch mit Peter Scholze von der Universität Bonn auch ein Deutscher mit der Medaille ausgezeichnet, die mit einem Preisgeld von knapp 10.000 Euro verbunden ist.

Zudem bekamen Akshay Venkatesh (Princeton University und Stanford University, USA) und der Italiener Alessio Figalli (ETH Zürich, Schweiz) den Preis.

dpa

stol