<b>Von Stephan Niederegger</b><BR /><BR />Schon als kleiner Bub hat sich Josef Knapp nach der Schule und der Feldarbeit immer gerne im Wald aufgehalten – entweder zum Spielen mit den Geschwistern und Freunden oder später auch, um Beeren zu klauben und Pilze zu sammeln. <BR /><BR />Der Wald habe seither für ihn nichts an seiner Faszination verloren. Dort kann er ganz für sich alleine sein, die Natur einatmen und dem Vogelgesang lauschen. Er sucht sich dabei abgelegenere Waldwege aus, fern von Wanderern und Urlaubern, hält inne und beobachtet die Bewohner des Waldes: „Es überrascht mich immer wieder, welche faszinierenden Tiere man sieht.“ <BR /><BR />Auch wenn von weit her das pochende Leben der Rienzstadt oder des Tauferer Tales zu hören ist, so sei diese Ruhe und Stille unbezahlbar und habe eine meditative Wirkung, schwärmt der Dekan.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1183680_image" /></div> <BR />Seinen freien Wochentag verbringt er meistens in Mühlen in Taufers bei seiner Schwester Annemarie mit ihren vier Kindern und fünf Enkelkindern. Sie wohnt unweit des elterlichen „Grießmairhofes“, der von seinem Bruder Florian bewirtschaftet wird. <BR /><BR />Die Eltern sind mittlerweile verstorben, aber die Kontakte zu seinem Heimatdorf und seiner Familie sind dem 61-Jährigen nach wie vor wichtig und wertvoll. Nicht nur die kurzen Wege in Bruneck und Umgebung, sondern auch nach Mühlen in Taufers fährt er mit dem Rad. Mittlerweile hat er sich ein gebrauchtes E-Bike zugelegt, das ihm die Steigung von der Stadt hoch nach Reischach erleichtert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1183683_image" /></div> <BR />Gerne erinnert sich Josef Knapp an das Elternhaus, wo mit den täglichen Ritualen – den Tischgebeten und dem Besuch der hl. Messe – die Grundsteine für seine priesterliche Berufung gelegt wurden. Bis zu seiner Priesterweihe hat er sich aktiv in der Pfarrgemeinde eingebracht.<BR /><BR /> Auch die Kontakte zu seinen Studienkollegen und zu Bekannten in seinen verschiedenen seelsorgerischen Stationen pflegt er immer noch. Viele sind mittlerweile zu engen Freunden geworden, mit denen sich der Geistliche immer wieder trifft – zu besonderen Anlässen oder auch ganz ungezwungen, wenn es sich ergibt. Aus der ehemaligen Bibelgruppe im Priesterseminar ist ein Freundeskreis entstanden, der sich einmal im Monat trifft, erzählt der kontaktfreudige Dekan. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1183686_image" /></div> <BR />Diese Treffen finden immer an einem anderen Ort statt und beginnen mit einem spirituellen Schwerpunkt – einer hl. Messe, einer Andacht, einer Bibelrunde oder einer Anbetung. Danach gibt es ein gutes Essen, viele Gespräche, einen Spaziergang und – wenn zeitlich noch möglich – eine „Watterrunde“, erzählt Josef Knapp. <BR /><BR />Einmal im Jahr fahren die Priesterfreunde gemeinsam in den Urlaub. Früher waren es Städte- und Kulturreisen, die sie unter anderem ins Heilige Land, in die Mission auf die Philippinen, nach Bad Wörishofen, der Gesundheitsstadt von Sebastian Kneipp, oder zur Muttergottes von Guadalupe in Mexiko, dem größten Wallfahrtsort der Welt, führten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1183689_image" /></div> <BR /> „Heute sind wir älter und bedächtiger geworden“, sagt er schmunzelnd. Jetzt hätten sie mehr das Bedürfnis nach Ruhe und zum Ausrasten. Daher geht es demnächst für eine Woche an den Gardasee, wo Zeit zum Plaudern und Philosophieren, zum Kartenspiel, aber auch zum Ausspannen bleibt. Dazu warten auf seinem Schreibtisch schon einige Bücher, die er mit in den Urlaub nehmen will. <BR /><BR />Seit seiner Kindheit ist nämlich das Lesen eine der Lieblingsbeschäftigungen des Dekans – auch eine Gelegenheit der Ruhe, um in sich zu kehren. Im Dachboden des Bauernhauses hat er damals den „Reimmichl Volkskalender“ entdeckt. „Man hat früher ja nichts weggeworfen“, erzählt er. <BR /><BR />Bis auf wenige Jahrgänge hat er die Kalender seit den ersten Ausgaben in den 1920er-Jahren fein säuberlich sortiert. Später waren es Kinder- und Jugendthemen, die ihn gefesselt haben, und in der Studienzeit waren es die literarischen Vorgaben des Unterrichts. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1183692_image" /></div> <BR /><BR />Heute liest Josef Knapp vor allem geistliche Literatur und philosophisch-theologische Abhandlungen. Madeleine Delbrêl steht dabei auch im Regal seiner Privatbibliothek. Im Austausch mit den Menschen in einem Problemviertel der Pariser Vorstadt habe sie sich in einer neuen Weise mit dem Gottesbegriff auseinandergesetzt, philosophiert er und erklärt, warum ihn diese französische Schriftstellerin und katholische Mystikerin fasziniert. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70438190_listbox" /><BR /><BR />Meistens sucht der Pusterer die Bücher ganz gezielt über die Prospekte der einschlägigen Verlage aus, aber es gäbe auch Bücher, „die mich finden.“ Gekauft wird aber im Buchhandel vor Ort – nie übers Internet und keine E-Books, ergänzt er, denn vor dem Bildschirm sitzt er nur zum Arbeiten, die Freizeit bleibt ohne Computer.<BR /><BR /><embed id="dtext86-70437974_listbox" />