Sonntag, 01. Mai 2016

Melodien aus dem Königreich der Ziegen

Die extravaganteste Band Südtirols stellte am Samstagabend in Kaltern ihr zweites Album „Vorgorok“ vor. STOL hat mit “The National Orchestra of the United Kingdom of Goats“ (kurz UKOG) ein Interview geführt, das jedoch einige Fragen offen lässt.

“The National Orchestra of the United Kingdom of Goats“ (kurz UKOG) - Foto: Lisa Renner
“The National Orchestra of the United Kingdom of Goats“ (kurz UKOG) - Foto: Lisa Renner

Südtirol Online: Die Musik, die Outfits, die Videoclips, der Name - ihr habt praktisch selbst eine Art Subkultur geschaffen, einen düsteren und kryptischen Kosmos... Wozu?

The National Orchestra of the United Kingdom of Goats: Kryptisch und düster hat einen tollen Nebeneffekt: Man wird nicht von Nebensachen abgelenkt. Die Musik und die Show - das ist das, was zählt. Die Uniformen erinnern uns an das, was wir sind: Eben nicht Giovanni & Franz von nebenan, sondern "The National Orchestra of the United Kingdom of Goats". Da wo wir herkommen, läuft vieles in seltsamen Bahnen. Das Leben, das wir heute als Alltag akzeptieren, ist auch nicht viel definierter, es wird nur von den meisten so akzeptiert wie es ist. Das macht es aber nicht weniger kryptisch. Die Ambivalenz ist dieselbe, sie ist nur besser versteckt. Wir sind nur vier einfache Bürger die ihre Heimat unfreiwillig verlassen haben.

STOL: Insider munkeln, UKOG stammen aus dem Passeier. Wie heißt ihr mit bürgerlichen Namen?

UKOG: Wir haben bereits von diesem sagenumwobenen "Passeier" gehört. Da war irgendwas mit einer Brücke. Aber wer wir sind, ist nicht so wichtig. Wir sehen uns selbst einfach als die, die etwas unternehmen mussten. Die Gründungsväter des United Kingdom of Goats sozusagen. Dafür haben wir unsere Namen schon vor langer Zeit abgelegt. Wir sind The Admiral - ein desertierter Seemann, The Coachman - ein ausgemusterter Kutscher, The Seer - ein zweifelhafter Priester und The Insane - ein Wahsninniger. Gute Menschen.

STOL: Wen sprecht ihr mit eurer Musik an und wie stark ist das Befremden, das ihr erntet?

UKOG: Wir wollen all jene ansprechen, welche sich gerne Zeit nehmen. Jene, welche mit Traditionen brechen. Und jene, die kein Problem damit haben, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Oder zumindest nicht so, wie sie es sich dachten. Befremden und Verwunderung ist für uns ein gutes Zeichen: Es zeigt, dass sich Menschen Gedanken machen. Welcher Art auch immer. Wir arbeiten hart an einem Ziel und wir hoffen, dass wir es in naher Zukunft erreichen werden: Wir wollen Teil des glorreichen Moments sein, wo ein flammendes Inferno alles verschlingt und wir Aug' in Aug' mit der Vernichtung stehen und die verzweifelten Schreie verkünden: "Wer sein denn uanmol und Gott de Typm? Wer hot'n de ungstellt? Rennts! Rennts!". Vielleicht gelingt es uns irgendwann.

STOL: Was zählt zu eurem Repertoire bei Live-Auftritten?

UKOG: Zu unserem Live-Repertoire gehört gottlos viel Gerümpel. Ein Bidon (Ölfass). Ein Kontingent an Saltner's Kräuterbitter. 2 Gitarren und nur 1 Gitarrist. 2 Bassisten und nur 1 Bass. Trommeln, Elektronik, Nebel. Und unsere Musik. Meistens ist Pyrotechnik dabei. Die Leute scheinen das zu mögen. Wir auch. Feuer ist uns wichtig. Der Sacred Burning Day soll nie umsonst gefeiert werden.

Ausgefallene Outfits, ausgefallene Bühnenshows - Das sind UKOG. Foto: Vera Schwarz

STOL: Wodurch zeichnet sich das brandneue Album aus?

UKOG: Das Album wird am Samstag, 30. April im Rahmen einer Veranstaltung im Kalterer Kulturzentrum KuBa präsentiert (Anm. d. Red.: Am gestrigen Samstag Abend). Mit dabei sind Ferbegy? und Black? Is Just a Dark White. Ich denke, es ist ein Zeichen der Götter, dass wir zwei so großartige Support-Bands gefunden haben welche ein Fragezeichen im Namen tragen. Ungewissheit kann ein Segen sein. Auf jeden Fall ist auch genau das, was unser Album auszeichnet: Jeder Hörer sollte beim Reinhören jedes Songs mindestens ein Fragezeichen im Kopf haben. Ist dem so, dann war es für uns ein Erfolg. Und es zeichnet sich auch dadurch aus, dass es länger und kostspieliger war als alles, was wir bis jetzt gemacht haben.  

INFO:

„The National orchestra of the United Kingdom of Goats“ wurde 2010 gegründet und hat am 30. April in Kaltern ihr neues Album „Vorgarok“ vorgestellt. Die vier Bandmitglieder geben sich als The Admiral, The Coachman, The Insane und The Seer aus, ihre Musik bezeichnen sie selbst als Symphonic Grind Pop.

Interview: Alexander Zingerle

stol