Ganz nebenbei geht sie im Interview auf ihr hierzulande kaum bekanntes Berufsbild ein, erklärt ihre Methoden und wie sie im Laufe von fast drei Jahren ihre Tätigkeit aufgebaut hat. <BR /><BR /><b>Starten wir gleich direkt mit den Hauptakteuren: Leonidas, Xerxes, Odysseus und Gaia. Welche besonderen Merkmale weisen Ihre vier Katzen denn auf?</b><BR />Julia Lercher: Ja, tatsächlich sind alle doch ein wenig verschieden. Leonidas erinnert in seiner Art an einen altehrwürdigen Sir, er ist gemächlich und lustig und liebt Menschen über alles. Anderen Katzen geht er lieber aus dem Weg. Sein Brüderchen Xerxes dagegen ist durch und durch eine gute Seele, er knuddelt und kuschelt gerne und kommt mit Katzen und Menschen gleichermaßen klar. Liegt Streit in der Luft, dann schlichtet er gerne. Leonidas und Xerxes sind 11 Jahre alt, wir haben sie als junge Kätzchen bei uns aufgenommen, nachdem man sie ausgesetzt hatte.<BR /><BR /><b>Was ist mit Odysseus?</b><BR />Ihn haben wir aus einer schlechten Zucht herausgeholt. Er war nicht sozialisiert, verhielt sich zunächst sehr ängstlich, aber mit gutem Training haben wir das behoben. Odysseus, mittlerweile 5 Jahre alt, ist ein sehr liebenswürdiges und sensibles Kätzchen. Und dann ist da noch die ehemalige Zuchtkatze Gaia (7), die bei uns ebenso ein neues Zuhause gefunden hat. Sie hat es faustdick hinter den Ohren – manchmal elegant und majestätisch, andere Male wild und überaus verspielt. Man kann also schon sagen: Jede einzelne hat ihr unverwechselbares Naturell mit unterschiedlichen Bedürfnissen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344687_image" /></div> <b>Das klingt nach viel Zuwendung und gehörig Arbeit, oder?</b><BR />Lercher: Das ist immer relativ, denn ich widme meine Zeit ja sehr gerne meinen Stubentigern. Aber natürlich fordern Katzen Zeit und Aufmerksamkeit ein, weshalb ich oft den Kopf schütteln muss, wenn ich den Satz höre: „Ich richte mir eine Katze, weil mir für einen Hund die Zeit fehlt“. Deshalb sollte man wissen: Etwa fünf bis acht Stunden täglich brauchen Katzen Beschäftigung, den Rest essen und schlafen sie. Zumindest einmal täglich sollte man mit ihnen spielen, um ihren Spiel- und Jagdtrieb zu befriedigen. In der Wohnung können sie schließlich keine Mäuse fangen. Wenn man den Tieren diese aktive Teilnahme am Leben nicht ermöglicht, können sie recht bald ein depressives Verhalten an den Tag legen. Oder sie versuchen, das Manko mit etwas anderem – etwa anhaltendem Miauen – zu kompensieren. <BR /><BR /><b>Sie beschäftigen sich nicht nur mit ihren eigenen Katzen, sondern stehen anderen Katzenbesitzern mit Trainings und Tipps zur Seite. Wie läuft der Job als Katzentrainerin?</b><BR />Lercher: Ich mache das nun seit bald 3 Jahren auf professioneller Basis, es wurde vom Start weg sehr gut angenommen und ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Meine Angebote umfassen Beratungen und Vorträge genauso wie Kurse zur Gesundheit, zur Kommunikation und zur artgerechten Ernährung. Als kleines Extra gibt’s auch spielerische Tricks mit den Samtpfoten. Passenderweise sind meine Dienstleistungen im Netz unter dem Auftritt „Pfotenklang.com“ zu finden. Bisher habe ich etwa 200 Katzenliebhaber beraten dürfen, aktuell beträgt mein Pensum etwa drei bis fünf Kurse täglich an insgesamt fünf Tagen in der Woche. Am meisten nachgefragt werden die Bereiche Resilienz bzw. Training für die Selbstsicherheit sowie die Kommunikation. <BR /><BR /><b>Dennoch dürfte Ihr Metier hier in Südtirol kaum bekannt sein, oder?</b><BR />Lercher: Ja, das ist gut möglich. In der Tat kommt der Großteil der Nachfrage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, erst danach folgen die Südtiroler. Dazu möchte ich präzisieren, dass man in Südtirol vielfach glaubt, dass man ähnlich wie beim Hundetraining die Tierbesitzer aufsuchen müsste. Katzen ändern aber in Anwesenheit anderer Menschen oft ihr Verhalten, sodass ich meine Trainings grundsätzlich online abhalte – je nach Wunsch in Gruppen oder auf individueller Ebene. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344690_image" /></div> <BR /><b>Hundetrainer und -ausbildungen gibt es jede Menge, Katzentrainer sind zumindest hierzulande eine echte Seltenheit. Wie hat sich das bei Ihnen bloß ergeben?</b><BR />Lercher: Zunächst habe ich als gelernte Schönheitspflegerin gearbeitet. Mit 19 Jahren bin ich deshalb auch nach Wien, aber mich hat es einfach nicht erfüllt. So habe ich irgendwann damit begonnen, mich für Praktika bei Tierärzten zu bewerben. Irgendwann bekam ich von einer Tierärztin in Graz eine Stelle als Assistentin. Vier Jahre lang habe ich dort sehr vieles über essenzielle Dinge wie Tiergesundheit und Verhalten gelernt. Danach habe ich eine Ausbildung über die BARF-Ernährung drangehängt, das Kürzel BARF steht für „biologisch artgerechtes rohes Futter“. <BR /><BR /><b>Alles schön und gut. Von den Ausbildungen hin zur Ausübung des Berufs einer Katzentrainerin ist es dann doch noch nochmals ein großer Schritt, oder?</b><BR />Lercher: Letztlich hat dazu Odysseus den Ausschlag gegeben, da er in der Pubertätsphase ein wenig verrückt gespielt hat. Die Ratschläge einer Katzenpsychologin haben mich nicht weitergebracht. Somit habe ich nach ausgiebiger Suche eine Katzentrainerin in Deutschland gefunden, mit der ich mich ausgetauscht habe. Außerdem habe ich alles Wissenswerte über das Verhalten von Katzen förmlich aufgesaugt. Und so wollte ich es eben beruflich versuchen. Kurzum: Nach einer rund einjährigen spezifischen Ausbildung habe ich ein Gewerbe angemeldet und losgelegt. Seitdem sind fast drei Jahre vergangen. Ich bin meine eigene Chefin, ich könnte mir heute keine schönere Tätigkeit vorstellen. Im Grunde wollte ich schon als Kind Tierärztin werden, allerdings wäre dafür sicherlich eine völlig andere Laufbahn notwendig gewesen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344693_image" /></div> <BR /><b>In Ihren Katzentutorials bringen Sie den Stubentigern kleine Kunststückchen bei. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Kommunikation mit den Tieren. Kann man sich mit Katzen tatsächlich verständigen?</b><BR />Lercher: Absolut. Das mag hier zwar noch nicht so verbreitet sein wie in den USA, aber es ist sicherlich kein Hexenwerk, den Tieren dank der sogenannten „Talking Buttons“ eine Stimme zu geben. Über klassisches Belohnen lernen sie die Bedeutung der „sprechenden Knöpfe“ mit den jeweiligen Aktionen zu verknüpfen und tippen dann etwa auf „Spielen“, „Futter“, „Kuscheln“ oder „Balkon“. Mit diesem tollen Instrument gibt man den Tieren ein Mitspracherecht, wobei das gezielte Setzen von Grenzen genauso eingeübt werden muss. Manche Kätzchen lernen sehr schnell und verwenden nach nur einem Monat zehn Signale. In den USA teilen die Tiere auf diese Weise auch Empfindungen wie Angst oder Langeweile mit, manche Katzen kommunizieren dort mit bis zu 300 verschiedenen „Talking Buttons“. <BR /><BR /><b>Sind in Ihrer Wahrnehmung Katzen oder doch Hunde die beliebteren Haustiere?</b><BR />Lercher: Ach, das hält sich doch seit vielen Jahren die Waage!