Donnerstag, 04. November 2021

„Mittelalterliches Geld- und Bankwesen zwischen Alpen und Adria“

Seit Jahren wünschen sich die Sammlerwelt, die Wirtschaftshistoriker und die Archäologen ein übersichtliches Handbuch, das die Zeitstellung der meist undatierten Prägungen und deren wirtschaftliche Hintergründe erörtert. Das Taschenbuch von Helmut Rizzolli bietet eine Menge von Neuigkeiten.

Verschiedenste Münzprägungen aus dem Mittelalter werden in dem Buch von Helmut Rizzolli behandelt.
Badge Local
Verschiedenste Münzprägungen aus dem Mittelalter werden in dem Buch von Helmut Rizzolli behandelt. - Foto: © Athesia
Helmut Rizzolli ist auf Grund seiner Publikations- und Lehrtätigkeit ein ausgewiesener Fachmann des lokalen Münz- und Bankwesens.

Das Buch geht vom jeweiligen Währungsraum aus, zu dem die einzelnen Prägestätten gehörten, und vermeidet so die anachronistische geografische Begrenzung auf heutige, im Mittelalter nicht existierende Territorien.

Politische Grenzen und Währungsgrenzen fielen im Mittelalter nur ganz selten zusammen, und Pässe dienten vor allem als Übergänge.

Im behandelten Zeitraum zwischen 920 und 1519 ermöglichten Bankiers, Geldwechsler und Prägefachleute im Raum zwischen Alpen und Adria eine sich schnell ausbreitende Monetarisierung.

Nach dem Auslaufen der karolingischen Währungsunion um 900 prägten die jeweiligen geistlichen oder weltlichen Herren regional verschiedene Pfennige, die sich in Bildern und Umschriften, aber auch in den Feingewichten voneinander unterschieden.

So kam es, dass im Augsburger Währungsraum in den Münzstätten Innsbruck und Brixen Pfennige nach Augsburger Fuß geschlagen wurden, bevor die Veroneser Pfennige und Groschen den Berner (Veroneser) Währungsraum nach Norden erweiterten.

Behandelt und abgebildet werden die Prägungen von Verona, Trient, Meran, Padua, Treviso, Toblach/Lienz (ab 1460) und Hall (ab 1477).

In Aquileja begannen im 12. Jahrhundert die Patriarchen ihre besondere Pfennigprägungen, die im alpinen Raum in Lienz und am adriatischen Flusshafen Latisana von den Görzern nachgeprägt wurden. Abgebildet und historisch analysiert werden dementsprechend die zum Agleier Währungsraum zwischen Alpen und Adria gehörigen Münzen aus Aquileja und Lienz (bis 1460), wo es auch zu Florennachprägungen kam.

Warum Meran zuerst – bis 1477 – und Hall anschließend die Münzhauptstädte zwischen Alpen und Adria waren, wird im Buch spannend geschildert.

Die Farbabbildungen werden das Herz jeden Lesers, die im Maßstab 1:1 und 1:2 abgebildeten Münzen das der Sammler und Archäologen erfreuen. Der Corpusteil des Buches basiert auf den vorausgegangenen Arbeiten des Autors und ergänzt diese durch neu aufgetauchte Münzexemplare.

Helmut Rizzolli: „Mittelalterliches Geld- und Bankwesen zwischen Alpen und Adria“



Athesia Tappeiner Verlag

424 Seiten

ISBN 978-88-6839-547-6

Preis: 20 Euro


stol