Noch wartet das Nachhaltigkeitsprojekt aber auf die richtige Thermik.<BR /><BR />Sie sind super warm und zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt. Trotzdem: Von einem Null-Kilometer-Produkt kann man bei den Jacken, Hüten oder Taschen von Elèna Kostner (24) aus St. Ulrich nicht sprechen. Denn ihre Entwürfe haben schon einige Tausend Höhenmeter auf dem Buckel, bevor sie in den Händen der Grödnerin landen. Die junge Produktdesignerin verarbeitet nämlich alte Gleitschirme zu lässiger Funktionsmode. <BR /><BR />Die Idee dazu kam Elèna Kostner im Rahmen ihres Studiums für Produktdesign an der „Design Academy“ im niederländischen Eindhoven. „Es ging darum, ein Projekt mit nachhaltigen Materialien zu lancieren“, erinnert sich die 24-Jährige zurück. Coronabedingt weilte sie in dieser Zeit daheim unterm Langkofel, und ihre wenigen Kontakte beschränkten sich auf Freunde und Kollegen im Dorf. <BR /><BR />„Als ich etwas ideenlos von diesem Studienprojekt erzählte, sagte ein Kumpel plötzlich, er hätte einen alten Paraschirm daheim, den könne man aufarbeiten.“ Kostner fand den Gedanken sofort interessant. „So ein Schirm ist farbig und mit einer Größe von ca. 20 Quadratmetern nahezu perfekt“, erzählt sie. Doch wie sich das Material auf der Haut verhalten würde, davon musste sich die angehende Produktdesignerin erst selbst ein Bild machen. „Ich habe den Schirm also auseinandergeschnitten, um seine Qualitäten auszumachen“, erzählt Elèna Kostner, die man heute in ihrem Nähatelier im Parterre des elterlichen Wohnhauses antrifft. <h3> Mode statt Müll</h3>Es ist viel passiert in den vergangenen zwei Jahren. Die junge Frau hat mittlerweile nicht nur ihr Studium für Produktdesign beendet und ist nach Südtirol zurückgekehrt. Sie hat auch dafür gesorgt, dass alte Paragleiter nicht mehr im Müll landen. Über ein Dutzend Gleitschirme, primär aus der Reparaturwerkstatt „Paraklinik“ in Innsbruck, wurden in mühevoller Handarbeit zu Jacken, Hosen, Taschen, Rucksäcken oder Hüten verarbeitet. „Das Ripstop-Nylon ist wind- und wasserabweisend, sehr robust und reißfest, nicht umsonst kostet so ein neuer Schirm heute um die 3000 Euro“, erzählt sie von dem Tuch, dass desto geschmeidiger, leiser und tragetauglicher wird, je abgenutzter es ist.<h3> Kleidung mit Botschaft</h3>Anfangs probierte sich die Produktdesignerin an Fischerhüten, später kamen Rucksäcke und Taschen dazu. Für ihre Bachelorarbeit 2022 wagte sich Elèna Kostner dann an ihr erstes Komplett-Outfit mit Jacke, Hose und Handschuhen. Ihr Ziel: Die Geschichte des Materials, seine Stärke aber auch Leichtigkeit, auf den Kunden zu übertragen. „Ich habe also eine anatomische Studie gemacht, um zu verstehen, wie ich dem Träger mit meiner Kleidung dieses Gefühl von Selbstbestimmtheit, Eigenverantwortung und Sicherheit vermitteln kann.“ Heute erinnern die Querstreifen auf dem Hosenmodell der Linie „Alpinista“ etwa an einen Klettergurt. Die Farbpfeile am Jackenrücken hingegen sollen den Trägern – angelehnt an einen Rückenschutz – Sicherheit, aber auch Abenteuerlust suggerieren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="863177_image" /></div> <BR /><BR />Elèna Kostner weiß, wie sich dieser Adrenalin-Kick anfühlt. Zwar sei sie „leider“ erst einmal mit einem Paragleiter-Tandem mitgeflogen, erzählt sie, dafür hebt sie regelmäßig im Heli ab. Die Tochter des langjährigen Aiut-Alpin-Piloten Marco Kostner war nämlich die jüngste Südtirolerin überhaupt, die einen Helikopter-Pilotenschein erlangt hat. Und weil im RobinsonR22 vor allem im Winter keine Wohnzimmertemperaturen herrschen, führt Kostner ihre Jacken gern selbst aus – mal eine aus der technisch robusten Linie, mal eine andere aus der alltagstauglichen Runway-Kollektion. „Meine Familie und meine Freunde sind ganz angetan davon. Wenn ich jedem eine nähen müsste, der mich darauf anspricht, hätte ich die Auftragsbücher voll“, muss die 24-Jährige schmunzeln. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="863180_image" /></div> <BR /><BR />Trotzdem hat sie für ihr Projekt momentan die Reißleine gezogen und vor wenigen Tagen einen fixen Job im Bereich Lampenproduktdesign angenommen. „Mein Produkt ist noch nicht ausgereift“, gibt sie ehrlich zu. Die „Fallhöhe“ wäre zu groß. „Für so eine Jacke sitze ich eine Woche an der Nähmaschine. Sie wäre also nicht erschwinglich. Ich möchte darum versuchen, einen Produktpartner zu finden, der mir meine Entwürfe zu günstigeren Konditionen produzieren kann“, steckt sie ihre Ziele ab. <BR />Auch das Produkt selbst soll noch weiter entwickelt und etwa das Füllmaterial aus Polyester mit nachhaltigen Stoffen ersetzt werden. Dafür braucht Kostner aber finanzielle Mittel – und die sollen nun mit dem neuen Brotberuf verdient werden.<BR /><BR />An das Potenzial ihrer Idee glaubt nämlich nicht nur sie selbst, sondern eine ganze Design-Community. So wurden ihre Jacken vom „The Green Future Club“ in Berlin jüngst für den „Green Concept Award“ in der Kategorie „Fashion“ nominiert. Ob sie diesen prestigeträchtigen Preis gewonnen hat, erfährt Elèna Kostner am 23. März. Ihre Karriere möchte sie zwar nicht davon abhängig machen, doch ein wenig „Aufwind“, so weiß die zielstrebige Grödnerin, würde diese Auszeichnung dem Projekt mit Sicherheit geben.<BR />