<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Während es viele junge Südtiroler in die große, weite Welt zieht, hat sich Model und Content-Creatorin Nadine Wimmer (209.000 Follower auf Instagram) für den umgekehrten Weg entschieden: Sie tauschte ihr „fancy“ Leben in der 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt München gegen einen sehr viel ruhigeren Alltag in der Bischofsstadt Brixen ein – und zog vor knapp zwei Wochen mit ihrem schwarzen Mops „Gustl“ hierher.<h3> „Bayerisches Landei“</h3>Durch ihre Teilnahme an der 15. Staffel der Castingshow „Germany's Next Topmodel“ (GNTM), in der sie 2020 den zehnten Platz belegte, erlangte Nadine Wimmer im deutschsprachigen Raum große Bekanntheit. Zahlreiche Zeitungen – unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ – berichteten über die sympathische Bayerin, die seit ihrer Teilnahme bei GNTM als Model und Influencerin tätig ist. <BR /><BR />Darüber hinaus arbeitet die taffe 27-Jährige für die „MotoGP“ in Zusammenarbeit mit „Sky Deutschland“, repräsentiert als Markenbotschafterin die italienische Traditionsmarke Ducati und sensibilisiert zudem öffentlich für Stammzellenspende.<BR /><BR />Was aber führte die zielstrebige und erfolgreiche junge Frau nun in die beschauliche Stadt Brixen? s+ hat Nadine Wimmer zum Interview gebeten – und nachgehakt.<BR /><BR /><b>London, Mailand, Paris, Los Angeles, Costa Rica: Als erfolgreiches Model, selbstständige Content-Creatorin und Markenbotschafterin für „Sky Deutschland“ und Ducati stünde Ihnen die Welt offen. Nun sind Sie nach Brixen gezogen. Warum?</b><BR />Nadine Wimmer: Tatsächlich der Liebe wegen! Mein Freund Gabriel kommt aus Brixen, und nach fast zwei Jahren Fernbeziehung, in denen ich jedes zweite Wochenende hier verbracht habe, haben wir gemeinsam entschieden, dass ich hierher ziehe. Berufsbedingt ist er nämlich viel im italienischen Raum unterwegs. Ich hingegen kann von überall aus arbeiten. Klar war es für mich nicht einfach, Familie und Freunde zurückzulassen. Aber da ich jetzt eh nur drei Autostunden von ihnen entfernt lebe, habe ich mir gesagt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.<BR /><BR /><b>Ihr Freund Gabriel Festini (28) arbeitet schon seit einigen Jahren für ein Unternehmen in Brixen. Sie, Frau Wimmer, haben bis vor Kurzem noch in München-City gelebt und gearbeitet. Wie und wo haben Sie sich denn eigentlich kennengelernt?</b><BR />Das ist eine lustige – und etwas kuriose – Geschichte. (lacht) Ich hatte im August 2024 bei Klausen eine Reifenpanne, und er war zur Stelle und hat mir geholfen, meinen Motorradreifen zu flicken. So ist alles ins Rollen gekommen. Danach haben wir uns geschrieben und uns sofort gut verstanden. Wir trafen uns immer und immer wieder und merkten schnell, dass wir sehr ähnliche Ziele und Werte teilen und die gleichen Vorstellungen von Partnerschaft haben. Und so kam das Eine zum Anderen. <BR /><BR /><b>War er Ihnen denn sofort sympathisch?</b><BR />Total! Vor allem, weil ich Menschen mit Dialekt besonders toll finde. (lacht) Auch, dass er stehen geblieben ist, obwohl wir uns gar nicht kannten, hat mich beeindruckt.<BR /><BR /><b>Für die Liebe sind Sie also von der Münchner „Schickeria“ in die beschauliche Bischofsstadt gezogen – wie fühlt sich dieser „krasse“ Tapetenwechsel an?</b><BR />Ich liebe die Großstadt, aber im Herzen bin ich dann doch ein echtes Landkind! Gebürtig komme ich aus der kleinen Ortschaft Emmering im Landkreis Fürstenfeldbruck. Deshalb fühle ich mich überall dort sofort heimisch, wo es ländlich ist …<BR /><BR /><b>Also wird Ihnen der Trubel der Großstadt gar nicht fehlen?</b><BR />München ist eine pulsierende Stadt. Alles läuft schnell, vieles passiert unter Druck, der Tag ist oft komplett durchgetaktet. Gleichzeitig schaut man ständig darauf, was die anderen machen, und hat schnell das Gefühl, mithalten zu müssen. Das kann auf Dauer ermüden. Das Leben hier fühlt sich entschleunigter an und die Menschen nehmen sich bewusster Zeit für Freunde, für Familie, für gemeinsame Momente. Wenn ich mittags durch Brixen gehe, sehe ich viele junge Menschen, die zusammen in einem Café sitzen und sich unterhalten. Das finde ich sehr schön.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1294410_image" /></div> <BR /><b>Wie sieht Ihr neuer Alltag hier gerade aus?</b><BR />Ich stehe meist um 7 Uhr gemeinsam mit meinem Freund auf und gehe zuerst mit meinem kleinen, schwarzen Mops „Gustl“ spazieren. Danach beginnt mein Arbeitstag: Ich drehe und schneide Videos für meine Social-Media-Accounts, telefoniere mit meinem Management und gebe Pilates-Kurse in einem Pilates-Studio in Brixen. In Zukunft möchte ich im Pilates-Bereich noch stärker Fuß fassen. Deshalb plane ich auch, vermehrt Hotels hier anzufragen. Und dann stehen aktuell noch viele Behördengänge an … <BR /><BR /><b>Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie an Ihre Zukunft in Südtirol denken?</b><BR />Ich freue mich jetzt erst mal darauf, hier in Brixen ganz langsam anzukommen und vieles einfach auf mich zukommen zu lassen. Früher habe ich immer alles fünfmal überdacht und zehn Schritte vorausgeplant. Mittlerweile habe ich gelernt, dass das recht wenig bringt, weil dann wesentliche Zwischenschritte gar nicht passieren können. <BR /><BR /><b>Gab es denn ein besonderes Erlebnis in Ihrem Leben, das Sie dazu gebracht hat, Dinge mehr auf sich zukommen zu lassen?</b><BR />Früher hatte ich immer das Gefühl, die Zeit laufe mir davon. Bis mir meine Großeltern mal gesagt haben: „Nadine, du bist noch so jung, gerade mal ein Viertel deines Lebens liegt hinter dir. Die beste Zeit kommt erst noch. Entspann dich, du kannst noch so viel erleben.“ Seitdem ist das Alter für mich nur noch eine Zahl – und das Leben ein Abenteuer.<BR /><BR /><b>Vermissen Sie Ihre Familie und Freunde schon?</b><BR />Gabriels Familie, mit der ich mich sehr gut verstehe, erleichtert mir das Ankommen hier sehr. Alles andere darf und soll einfach mit der Zeit wachsen. Vor zwei Wochen waren meine Eltern zu Besuch, und letzte Woche waren meine besten Freundinnen hier. Ich sag mal so: Ich lebe jetzt dort, wo andere Urlaub machen – und das scheint meine Lieblingsmenschen regelrecht zu inspirieren, sich in den Zug oder ins Auto zu setzen und für ein paar Tage vorbeizukommen. (lacht)<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1294413_image" /></div> <BR /><b>Das Motorradfahren zählt zu Ihren Leidenschaften – inzwischen verdienen Sie damit auch Ihr Geld. Für das deutsche TV begleiten Sie regelmäßig „MotoGP“-Rennen mit Interviews vom Streckenrand und sind Markenbotschafterin für „Ducati“. Freuen Sie sich auf schöne Bergtouren hier?</b><BR />Au ja, und wie! Ich liebe Berg- und Passstraßen. Für mich war das Passstraßenfahren schon immer der perfekte Ausgleich zum Rennstreckenfahren. Dabei habe ich nicht zuletzt gelernt, die Risiken einzuschätzen. Gerade in Italien sind viele Straßen sehr alt und engspurig, sodass manche Fahrer dazu neigen, die Kurven zu schneiden. Umso wichtiger ist für mich ein verantwortungsbewusster Fahrstil.<BR /><BR /><b>Gehen Sie eher offen auf andere zu oder würden Sie sich selbst als introvertiert beschreiben?</b><BR />Ich würde sagen, ich bin in neuen oder mir noch unbekannten Situationen eher introvertiert. Unter Menschen, die ich noch nicht gut kenne, beobachte ich zuerst viel, bevor ich rede. Gleichzeitig bin ich aber jemand, der sehr gerne Komplimente macht – auch fremden Menschen auf der Straße. Das habe ich mir in München angewöhnt. Vielleicht kann man damit jemandem ein kleines Lächeln schenken oder den Tag ein Stück schöner machen, weil man nie weiß, was im Leben dieses Menschen grad los ist. <BR /><BR /><b>Sie sind gelernte Supply-Chain-Managerin (Logistik-Managerin). 2020 haben Sie durch Ihre Teilnahme bei „Germany's Next Topmodel“ eine breite Bekanntheit erlangt und sind seitdem eine Person des öffentlichen Lebens. Ihre Prominenz nutzen Sie nun unter anderem, um auf die Stammzellenspende aufmerksam zu machen. Warum?</b><BR />2014 erkrankte meine Schwester an einem gutartigen Krebs, eine gute Freundin von mir verstarb vor einigen Jahren an einem bösartigen Tumor, da sie keinen Stammzellenspender gefunden hatte. Nach meiner Registrierung in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, die unter anderem als Spenderdatei im Kampf gegen den Blutkrebs eingesetzt wird, konnte ich 2018 einem Mann aus Kanada, der an Krebs erkrankt war, das Leben retten. Eine der schönsten Erfahrungen, die mir das Leben geschenkt hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1294416_image" /></div> <BR /><b>Auch hinter Ihnen liegt eine herausfordernde Zeit. Sie hatten schwere Depressionen. Heute sprühen Sie vor Lebensfreude – auch dank dreijähriger Psychotherapie. Gibt es etwas, das Sie durchs Leben trägt – vielleicht ein persönliches Lebensmotto, das Sie hier teilen möchten?</b><BR />Ich sage immer: Einen Berg nur von unten zu sehen, sagt nichts darüber aus, wie anspruchsvoll der Weg nach oben ist. Es gibt Berge, die relativ leicht zu besteigen sind, und andere, für die man ein sehr guter Kletterer sein muss. Bei Menschen ist es ähnlich: Man sieht sie zwar, aber man kennt ihre Geschichte nicht. Man weiß nicht, was sie geprägt hat oder wie lange man benötigt, ihre „innere Nuss“ zu knacken. Sich dessen bewusst zu sein, ist wichtig.<BR /><BR /><b>Gemeinsam mit Ihrem Partner möchten Sie hier Wurzeln schlagen. Verstehen Sie eigentlich schon ein bisschen den Südtiroler Dialekt?</b><BR />Also: Er ist ganz anders als der bayerische! Aber ich übe fleißig – unter anderem mit meinen vielen lieben Frauen und Männern beim Pilates. „Wollwoll“ und „fein“ haben es inzwischen schon in meinen Wortschatz geschafft. (lacht)